Die Warteschlangen vor der Essensausgabe in der Calle Comte de Barcelona in Palma auf Mallorca sind ein besorgniserregendes Zeichen für wachsende Armut. Doch wer sind die Menschen, die dort in der Kälte ausharren, und warum reichen die bestehenden Hilfsangebote nicht aus?
Während in den Cafés am Passeig Mallorca der Duft von frisch gebrühtem Kaffee in der Luft liegt, versammeln sich vor der evangelischen Gemeinde in der Calle Comte de Barcelona Menschen unterschiedlichen Alters und Herkunft. Sie warten geduldig, mit Taschen, Einkaufswagen und Kinderwagen. Die Gesichter sind von Sorgen gezeichnet, doch die Stimmung ist ruhig und diszipliniert. Helfer verteilen Lebensmittelpakete, wobei ältere und behinderte Menschen bevorzugt werden. Dieses Bild wiederholt sich in den letzten Wochen immer häufiger und verdeutlicht die wachsende Not in der Stadt.
Die langen Schlangen sind kein vorübergehendes Phänomen. Nach dem Ende der touristischen Hochsaison sinkt die Zahl der verfügbaren Arbeitsplätze, während die Mietpreise weiterhin hoch bleiben. Viele Menschen mit prekären Arbeitsverhältnissen, Alleinerziehende und Rentner mit geringen Einkünften sind besonders betroffen. Sie sind gezwungen, sich an kirchliche und gemeinnützige Organisationen zu wenden, da staatliche Hilfsangebote oft schwer zugänglich oder zeitlich begrenzt sind.
Die Hilfsorganisationen arbeiten am Limit, mit knappen Ressourcen und dem unermüdlichen Einsatz von Ehrenamtlichen. Lagerraum, Kühlmöglichkeiten, Logistik und finanzielle Mittel sind Mangelware. Gleichzeitig steigt die Zahl der Hilfesuchenden, darunter nicht nur Einheimische, sondern auch Migranten, die in den Warteschlangen stehen.
Die strukturellen Ursachen der Armut werden oft vernachlässigt: das Zusammenspiel von hohen Wohnkosten, saisonaler Beschäftigung und fehlenden Übergangsangeboten. Auch die bürokratischen Hürden für Hilfesuchende, wie komplizierte Antragsverfahren, begrenzte Öffnungszeiten und Sprachbarrieren, werden kaum thematisiert. Ein weiterer blinder Fleck ist die Frage, wie leerstehende Wohnungen und ungenutzte kommunale Flächen für Notunterkünfte oder Gemeinschaftsküchen genutzt werden könnten.
Lösungsansätze für eine nachhaltige Verbesserung
Kurzfristig:
Ausweitung der Essensausgaben, sowohl zeitlich als auch räumlich
Mobile Ausgabestellen in Stadtteilen mit hohem Bedarf
Längere Öffnungszeiten und vereinfachte Zugangsbedingungen
Mittelfristig:
Einführung von kommunalen Lebensmittelgutscheinen für bedürftige Familien
Ausbau von Kühllagern für gemeinnützige Einrichtungen
Koordinierte Warenverteilung zwischen Kirchen, Tafeln und städtischen Sozialdiensten
Sprachförderung und niedrigschwellige Beratungsangebote direkt an den Ausgabestellen
Langfristig:
Bekämpfung der Wohnungsnot durch die Nutzung leerstehender kommunaler Immobilien als Übergangswohnungen
Gezielte Förderung des sozialen Wohnungsbaus
Programme, die Saisonarbeitskräften Perspektiven außerhalb der Hauptsaison bieten
Engere Zusammenarbeit zwischen Hotellerie, Gemeinden und Sozialträgern zur Förderung von Jobvermittlungsprojekten und Qualifizierungsmaßnahmen
Alltagstaugliche Hilfe für mehr Perspektiven
Es ist wichtig, dass die Hilfe alltagstauglich ist. Menschen, die morgens in der Schlange stehen, benötigen verlässliche Unterstützung in verschiedenen Bereichen: Beratung zu Mietfragen, Energiesparhilfen und medizinische Grundversorgung. Viele von ihnen wünschen sich nichts sehnlicher, als nicht mehr auf Almosen angewiesen zu sein, sondern ein stabiles und selbstbestimmtes Leben führen zu können.
Eine mögliche Lösung wäre die Einrichtung gemeinsamer Wochenmärkte, auf denen Händler überschüssige Ware gegen Steuererleichterungen an gemeinnützige Projekte abgeben können. Dies würde die Lager entlasten und ein sichtbares, kulturell eingebettetes Angebot schaffen. Darüber hinaus könnten örtliche Bahnhofs- oder Schulgebäude zeitweise als Wärmezentren und Verteilstationen genutzt werden, um den Zugang zu Hilfsangeboten zu erleichtern.
Die Warteschlangen vor den Essensausgaben sind ein Alarmsignal. Sie zeigen, dass die bestehenden Hilfsangebote zwar funktionieren, aber an ihre Grenzen stoßen. Wenn Palma verhindern will, dass Armut zur unsichtbaren Normalität wird, sind pragmatische, koordinierte Maßnahmen erforderlich, die sich auf Wohnraum und Arbeitsplatzsicherheit konzentrieren.
Quelle: Agenturen





