In Spanien stehen derzeit mehr als 275.000 Menschen auf der Warteliste für Pflege. Das geht aus einem neuen Bericht des Observatorio Estatal para la Dependencia hervor. Die Situation ist besorgniserregend, denn in den ersten zehn Monaten des Jahres 2025 starben bereits 27.217 Menschen, bevor sie die Hilfe erhielten, auf die sie Anspruch hatten. Das sind durchschnittlich 82 Todesfälle pro Tag.
Ein Großteil der Verstorbenen wartete noch auf eine Beurteilung ihrer Situation. Der Rest hatte bereits einen offiziellen Anspruch auf Pflege, erhielt aber immer noch keine Unterstützung. Dem Bericht zufolge ist dies vor allem auf jahrelange Unterfinanzierung und ein langsames und kompliziertes bürokratisches System zurückzuführen. Seit 2012 wurden mehr als 6,3 Milliarden Euro weniger in die Pflege investiert, wodurch sich die Anträge stapeln.
Derzeit dauert es durchschnittlich 350 Tage, bis ein Antrag bearbeitet wird. Das ist fast doppelt so lang wie die gesetzliche Frist von 180 Tagen. Nur fünf Regionen erfüllen die Norm: Castilla-La Mancha, Aragón, País Vasco, Castilla y León und Ceuta. Im übrigen Spanien müssen die Menschen viel länger warten, was vor allem für ältere und schutzbedürftige Menschen erhebliche Folgen hat.
Auffällig ist, dass die Zahl der Menschen, die offiziell Pflege erhalten, zwar steigt, dies jedoch zunehmend durch erschwingliche, aber weniger intensive Formen der Hilfe geschieht. Diese „kostengünstige” Unterstützung reicht Kritikern zufolge für Menschen mit höherem Pflegebedarf nicht aus. Spezialisiertere Pflege, wie Tageszentren oder stationäre Pflege, nimmt hingegen ab.
Die Organisation, die hinter der Studie steht, bezeichnet die Situation als unhaltbar. Sie warnt davor, dass das System Menschen im Stich lässt, wenn sie am meisten auf Hilfe angewiesen sind. Aufgrund des Mangels an Ressourcen und der langen Wartezeiten sterben jeden Tag Dutzende von Menschen, ohne die Pflege erhalten zu haben, die sie benötigt hätten.
Quelle: Agenturen





