Das ehemalige Hotel Perú an der Plaça Major in Palma auf Mallorca steht für 3,6 Millionen Euro zum Verkauf. Ein historisches Haus mit 768 qm, einer Terrasse mit Panoramablick – und die zentrale Frage: Wem gehört eigentlich die Altstadt?
Die Debatte um Palmas Hotel Perú verdeutlicht, wie Stadtgeschichte zu einem Luxusprojekt werden kann. Eine kritische Auseinandersetzung ist unerlässlich. Soll ein Gebäude, das seit dem frühen 20. Jahrhundert das Bild der Gassen rund um die Plaça Major prägt, in exklusive Luxuswohnungen umgewandelt werden? Oder benötigt Palma einen sensibleren Umgang mit seinem architektonischen Erbe?
Was bleibt, wenn die Türen eines solchen Hauses für immer geschlossen werden? Es geht um mehr als Nostalgie. Das Gebäude ist historisch bedeutsam als eines der ersten Hotelbauten Palmas. Im Grundbuch ist das Baujahr um 1900 vermerkt, und in der Mitte des 20. Jahrhunderts wurde es als Hotel betrieben. Für Stadtplaner und Anwohner sind dies wichtige Indizien: Ein Baustein der städtischen Identität, nicht nur eine nutzbare Fläche für den Markt luxuriöser Wohnungen.
Eine kritische Analyse zeigt: Die Anzeige hebt architektonische Details hervor und schlägt die Umwandlung in ein Einfamilienhaus oder mehrere Wohneinheiten vor. Klingt unverfänglich? Nicht, wenn man die Lage bedenkt: Fußläufige Nähe zu touristischen Hotspots, kurze Wege zu Cafés und Behörden, ein Panorama, das sich gut vermarkten lässt. Leerstehende Hotels werden auf der Insel oft in hochpreisige Apartments umgewandelt – ein Prozess, der die Nachfrage nach exklusivem Wohnraum erhöht und gleichzeitig die Verfügbarkeit von bezahlbarem Wohnraum im Zentrum reduziert.
Zudem wird der rechtliche Status nur unvollständig dargestellt: Die erfolgte Streichung aus dem Hotelregister und das Fehlen einer Betriebsgenehmigung machen das Objekt wandelbar. Dies schafft zwar Spielraum für Investoren, birgt aber auch Risiken für die Bausubstanz und den öffentlichen Zugang. Eine Luxussanierung kann die originalen Elemente freilegen – oder sie unter Beton verschwinden lassen, um ein homogenes, hochpreisiges Interieur zu schaffen. Welches Szenario eintritt, bleibt bisher ungewiss.
Im öffentlichen Diskurs dominieren Bilder und Renditeerwartungen. Selten werden jedoch folgende Fragen gestellt: Wem gehört eigentlich der öffentliche Stadtraum? Wer entscheidet über die Nutzung, wenn historische Gebäude in private Hände übergehen? Wie verbindlich sind Auflagen für den Erhalt und den öffentlichen Zugang? Und nicht zuletzt: Wer profitiert wirtschaftlich von solchen Verkäufen – die Anwohner, die Gemeinde oder weit entfernte Investoren?
Quelle: Agenturen





