Australien lässt 10.000 Kamele erschießen

Lesedauer des Artikels: 4 Minuten -

Australien ist dieser Tage der Kontinent der schlimmen Nachrichten. Die Riesenfeuer wüten dort seit Monaten, alle menschlichen Bestrebungen, sie zu löschen, scheinen bislang vergeblich. Landstriche verbrennen, andere verdorren. Jetzt sollen obendrein mehr als 10.000 Kamele sterben. Durch Gewehrkugeln. Weil sie den Menschen Wasser wegtrinken.

Wie der „Evening Standard“ (ES) vermeldete, sollen die Tiere ab Mittwoch (08.01.2020) erlegt werden. Professionelle Jäger werden sie von Hubschraubern aus erschießen. Die schreckliche Mission, die fünf Tage dauern soll, folgt auf die Beschwerden von Anwohnern in dem durch eine anhaltende Dürre verwüsteten Verwaltungsgebiet Anangu Pitjantjatjara Yankunytjatjara im südlichen Australien.


Die durstigen Tiere, so hieß es, vergriffen sich in der steten Suche nach Trinkbarem immer wieder an menschlichen Wasserressourcen wie etwa an Wassertanks auf Grundstücken.

Die Rede ist von Schäden an der Infrastruktur und Gefährdungen für das Leben von Familien. Aber auch Tierschutzargumente werden angeführt, denn die vor Durst halb verrückten Tiere würden einander tottrampeln auf der Jagd nach Wasser. Kamelkadaver wiederum hätten laut einem Sprecher des südaustralischen Dezernats für Umwelt und Wasser „wichtige Wasserstellen kontaminiert“.

ABC News berichtete, dass die Kadaver der geplanten Massenerschießungen zum Trocknen liegen gelassen würden und später verbrannt oder begraben werden sollen. In Australien gibt es insgesamt etwa 1,2 Millionen Kamele. Die Tiere waren im 19. Jahrhundert eingeführt worden, um als Lasttiere bei Erschließungs- und Bauarbeiten zu dienen. Die Population wird regelmäßig durch Erschießungen reguliert, weil sie sich sonst alle acht bis zehn Jahre verdoppeln würde.

Aufgebrachte Somalier haben Australiens Regierung über Twitter aufgefordert, auf die geplante Tötung von geschätzt 10.000 Kamelen zu verzichten. Die Tiere sollten stattdessen nach Somalia gebracht werden, forderten Dutzende Nutzer des Kurznachrichtendienstes. In Somalia hat die Kamelzucht eine Jahrhunderte alte Tradition.

Kamele wurden in Australien erstmals Mitte des 19. Jahrhunderts aus Indien eingeführt, um sie für die Erschließung des riesigen Binnenlandes zu nutzen. Heute leben in der australischen Wüste so viele wilde Kamele wie nirgendwo sonst auf der Welt, vermutlich sind es mehr als eine Million Tiere. Sie gelten in Australien als Plage, da sie Quellen verseuchen und bei der Futtersuche die natürliche Flora zertrampeln. Grundbesitzer in der APY-Region fangen seit Jahren Kamele ein und verkaufen sie.

Es sei die erste Keulung dieser Art in der Region, teilte der Verwaltungsbezirk Anangu Pitjantjatjara Yankunytjatjara (APY) mit. In dem dünn besiedelten Gebiet leben etwa 2300 Ureinwohner.

Das Abschießen diene nicht nur dem Schutz der Menschen, sondern auch dem Wohl der Herden, erklärte das Ministerium. Es seien bereits Tiere verdurstet oder hätten sich gegenseitig totgetrampelt. Die Kamele werden von Hubschraubern aus von Scharfschützen abgeschossen. Die Tötung erfolge nach höchsten Tierwohl-Standards.