Escorca, ein kleines Dorf mit 199 Einwohnern in der Serra de Tramuntana, weist eine bemerkenswerte Statistik auf: 3.960 angemeldete Pkw, was fast 20 Autos pro Einwohner entspricht.
Diese Diskrepanz, aufgedeckt durch eine Studie der Autofahrerorganisation AEA, wirft Fragen auf, da das alltägliche Bild auf der Sa-Calobra-Straße eher von Bussen, Radfahrern und gelegentlichen Lieferwagen geprägt ist als von großen Firmenflotten.
Der Kern des Problems liegt in der kommunalen Fahrzeugsteuer IVTM. Obwohl staatliche Mindestsätze und Rahmenbedingungen existieren, haben Gemeinden die Freiheit, innerhalb dieser Grenzen eigene Tarife festzulegen. Einige nutzen diesen Spielraum, indem sie niedrige Sätze ansetzen oder hohe Ermäßigungen gewähren, teilweise bis zu 75 Prozent. Dies führt dazu, dass Autovermietungen, Leasingfirmen und große Fuhrparks ihre Fahrzeuge dort anmelden, wo die Steuerlast am geringsten ist, unabhängig vom tatsächlichen Nutzungsort.
Ein historischer Wendepunkt war die Abschaffung der Provinzkürzel auf Kennzeichen im Jahr 2000, wodurch die Verbindung zwischen Kennzeichen, Ort und Nutzung weniger offensichtlich wurde. Unternehmen registrieren ihre Flotten nun dort, wo es finanziell am vorteilhaftesten ist, und gründen teilweise sogar symbolische Büros, um die Formalitäten zu erfüllen.
Diese Praxis birgt sowohl Vor- als auch Nachteile. Gemeinden wie Escorca profitieren von plötzlichen Einnahmen aus der IVTM, ohne dass sich der Verkehr, der Straßenverschleiß oder die Parkplatzprobleme zwangsläufig erhöhen. Dies kann kurzfristig zu mehr finanziellen Mitteln für kommunale Projekte führen. Allerdings sind diese Einnahmen von externen Entscheidungen abhängig und somit unsicher. Zudem verzerrt diese Praxis den regionalen Wettbewerb: Gemeinden, die soziale oder ökologische Prioritäten setzen und höhere Tarife verlangen, riskieren, Registrierungen zu verlieren, während diejenigen, die die Steuern senken, unabhängig vom lokalen Bedarf profitieren.
Quelle: Agenturen





