Der Tourismusdezernent plant eine technische Studie für einen einheitlichen, geolokalisierten Code für Ferienunterkünfte. Ein vielversprechender Ansatz, doch es stellt sich die Frage: Reicht dies aus, um das bestehende Behördenchaos wirklich zu beseitigen?
Die Problematik der Ferienvermietung ist komplex und vielschichtig. Der Plan für einen Insel-Code wirft die Frage auf, ob dies die umfassende Lösung ist. Stellen wir uns eine Familie vor, die mit ihren Koffern über den Plaça d’Espanya läuft. Doch niemand kann auf den ersten Blick erkennen, ob die Unterkunft, in der die Familie übernachten wird, legal angemeldet ist.
Auf Mallorca ist die Frage nach Legalität und Illegalität seit Jahren ein brisantes Thema, geprägt von Komplexität und Widersprüchen. Hier setzt der Plan des Tourismusdezernenten Marcial Rodríguez an: Eine technische Studie soll einen einheitlichen, geolokalisierten Code für touristische Übernachtungsangebote schaffen. Für die Ausschreibung sind etwa 78.770 Euro vorgesehen.
Die zentrale Frage ist, ob ein technischer Identifikator, der Betriebe auf einer Karte lokalisiert und Eigentümerdaten verknüpft, das Durcheinander zwischen Gemeinden, Autonomie und Staat wirklich auflösen kann. Oder entsteht lediglich mehr Bürokratie mit einer ansprechenden Oberfläche?
Die Idee ist nachvollziehbar: Ohne saubere Daten ist eine zielgenaue Kontrolle unmöglich. Ein Code mit Geokoordinaten, Standardangaben zur Lizenzsituation und einer Schnittstelle zu den Eigentümerdaten könnte Behörden, insbesondere Gemeinden, schneller aufzeigen, wo Angebot und Realität voneinander abweichen.
Allerdings gibt es drei wesentliche Stolpersteine. Erstens die Zuständigkeiten: Das Projekt grenzt sich ausdrücklich vom staatlichen Einheitsregister ab, das über Notare läuft und primär dem Ministerium für Wohnen zugeordnet ist. Solange Madrid, die autonomen Balearen und die Gemeinden unterschiedliche Zugangsvoraussetzungen und Verfahrensweisen haben, entsteht ein Flickenteppich – nun in digitaler Form.
Zweitens die Umsetzungspraxis: Karten und Codes sind nur dann hilfreich, wenn vor Ort Personal und Rechtssicherheit vorhanden sind, um Konsequenzen durchzusetzen. Viele Gemeinden verfügen nicht über die Kapazitäten für systematische Nachprüfungen.
Drittens die Marktmechanik: Wenn Plattformen Angebote automatisch ausfiltern, weil der staatliche Code fehlt oder fehlerhaft ist, kann dies legale Angebote in ihrer Sichtbarkeit beeinträchtigen und Raum für versteckte, nicht registrierte Inserate schaffen.
Im öffentlichen Diskurs fehlt oft die Auseinandersetzung mit Datensouveränität, klaren Schnittstellen zu Kataster und Handelsregister, zügigen Verwaltungsverfahren für Eigentümer und Vereinbarungen mit Vermittlungsplattformen.
Auch eine realistische Einschätzung der benötigten personellen Ressourcen für Kontrollen fehlt. Zudem wird selten offen über mögliche Kollateralschäden gesprochen: Wenn der Staat Häuser mit einem speziellen Code markiert, sind Schutzmechanismen gegen Fehlkennzeichnungen und eine schnelle Widerspruchsoption für Eigentümer unerlässlich.
Der Alltag auf der Insel zeigt, dass das Problem nicht abstrakt ist. Auf dem kleinen Obstmarkt in Santa Catalina diskutieren Verkäuferinnen über Buchungen, ein Cafébesitzer beklagt sich über wechselnde Gästeströme und eine ältere Nachbarin erkundigt sich, wer am Wochenende in ihr Gebäude einzieht. Diese Szenen verdeutlichen, dass es um die tägliche Lebensqualität geht – Müll, Lärm, Parkplatzdruck – und das Vertrauen in die Behörden.
Neue Technologien müssen für diese Menschen funktionieren, nicht nur für Verwaltungsabteilungen. Konkrete Lösungsansätze wären:
– Ein Pilotprojekt in einer stark belasteten Gemeinde (z.B. Palma oder Calvià) mit Datenschnittstellen zu Kataster, Handelsregister und Gemeindesteuern.
– Offene APIs und Plattform-Kooperationen: Verhandlungen mit Ferienplattformen über verpflichtende Datenlieferungen oder Abfragen, um nur geprüfte Inserate sichtbar zu machen.
– Ressourcenausgleich: Bereitstellung finanzieller Mittel für kommunale Inspektoren und ein Online-Widerspruchsverfahren.
– Datenschutz und Rechtsschutz: Klare Regeln, um Eigentümer vor Stigmatisierung durch fehlerhafte Zuordnungen zu schützen.
– Vereinfachung der Notar- und Registerverfahren: Statt komplexe Nachweise mehrfach vorlegen zu müssen, sollten standardisierte digitale Nachweisformate ausreichen.
– Ein öffentliches Dashboard: Eine nutzerfreundliche Karte, die zwischen legalen, beantragten und verdächtigen Angeboten unterscheidet, schafft Transparenz für Nachbarn und Käufer.
– Ein Zeitplan mit Meilensteinen: Konkrete Zwischenziele innerhalb der laufenden Legislaturperiode sichern politische Verbindlichkeit.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass ein geokodierter Insel-Code ein nützliches Werkzeug sein kann, aber kein Allheilmittel ist. Ohne abgestimmte Zuständigkeiten, praktikable Verfahrensweisen und ausreichende Ressourcen vor Ort wird aus digitaler Ordnung lediglich ein neues Register mit alten Problemen. Wenn Rodríguez wirklich Ordnung schaffen will, darf die Technik nicht zum Selbstzweck werden. Sie muss Bürgern, Gemeinden und Plattformen klare und faire Spielregeln bieten und sowohl die Kontrolle als auch die Rechtssicherheit stärken.
Quelle: Agenturen





