Altersdiskriminierung, auch „edadismo“ genannt, kommt in Spanien häufiger vor, als viele Menschen denken. Das geht aus einer neuen Studie der Fundación HelpAge International España hervor. Zum ersten Mal wurde in Europa die spezielle Skala der Weltgesundheitsorganisation zur Messung von Altersdiskriminierung verwendet.
Die Studie erscheint zu einem Zeitpunkt, an dem Spanien rasch altert. Derzeit leben fast 10 Millionen Menschen über 65 Jahre im Land, was 21 Prozent der Bevölkerung entspricht. Mit einer Lebenserwartung von über 84 Jahren gehört Spanien zudem zu den Ländern mit der höchsten Lebenserwartung weltweit.
Die Untersuchung zeigt, dass vor allem institutionelle Diskriminierung ein großes Problem darstellt. So geben 62 Prozent der älteren Menschen an, dass öffentliche politische Maßnahmen, beispielsweise im Bereich der Gesundheitsversorgung, des Wohnraums oder der sozialen Einrichtungen, ihren Bedürfnissen nicht ausreichend gerecht werden. Viele ältere Menschen haben das Gefühl, dass sie durch Politik und Vorschriften als eine homogene Gruppe behandelt werden.
Auch die Art und Weise, wie ältere Menschen in den Medien und in sozialen Netzwerken dargestellt werden, spielt eine Rolle. Die Hälfte der Befragten ist der Meinung, dass ältere Menschen dort nicht positiv dargestellt werden. Oft werden sie als schutzbedürftig, abhängig oder sozial isoliert dargestellt, während ihre Vielfalt und ihr Beitrag zur Gesellschaft wenig Beachtung finden.
Die Studie zeigt auch, dass Altersdiskriminierung Auswirkungen auf die Gesundheit hat. Menschen, die häufiger mit Altersdiskriminierung konfrontiert sind, berichten über mehr körperliche und psychische Beschwerden, fühlen sich häufiger einsam und sind weniger zufrieden mit ihrem Leben. Gleichzeitig zeigt sich, dass ein höheres Bildungsniveau ein Schutzfaktor sein kann, da dies dazu beiträgt, negative Stereotypen über das Älterwerden weniger schnell zu verinnerlichen.
Um Altersdiskriminierung entgegenzuwirken, geben die Forscher acht Empfehlungen. So plädieren sie für ein positiveres Bild des Älterwerdens in Medien und Kultur, die Anpassung von Gesetzgebung und Politik, damit diese besser auf eine alternde Bevölkerung abgestimmt sind, sowie die Stärkung lokaler Pflege- und Unterstützungsnetzwerke, damit ältere Menschen länger in ihrer gewohnten Umgebung wohnen bleiben können.
Darüber hinaus betonen sie die Bedeutung des lebenslangen Lernens, der Bildung über Generationen hinweg von klein auf und der aktiven Einbeziehung älterer Menschen in Entscheidungsprozesse zu Politik und Gesellschaft. Abschließend fordern sie mehr Forschung und die Evaluierung von politischen Maßnahmen, damit Maßnahmen gegen Altersdiskriminierung besser fundiert und wirksamer gestaltet werden können.
Quelle: Agenturen



