Black Friday auf Mallorca – wem bringt das was?

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Am Freitagmorgen (28.11.2025) pulsierte das Herz Palmas, die Innenstadt, im vorweihnachtlichen Rhythmus: Taxis tupften mit ihren Hupen den Passeig des Born, während die Müllabfuhr ihre Arbeit verrichtete und sich vor den Schaufenstern kleine Menschentrauben bildeten. Vor einigen Modeboutiquen in der Carrer de Sant Miquel reihten sich Wartende aneinander, Taschen knisterten leise, und ein Kind zupfte ungeduldig an der Mütze seiner Mutter.

Ähnliche Szenen spielten sich in den großen Einkaufszentren Fan Mallorca und Porto Pi ab: überfüllte Parkplätze, Schlangen vor den Eingängen und Verkäuferinnen, die tief durchatmeten, bevor die nächste Welle von Kundinnen hereinströmte. Der Black Friday hatte Palma fest im Griff.

Doch wer profitiert wirklich von diesem Konsumrausch? Und warum scheinen vor allem die großen Ketten und Online-Plattformen die Gewinner zu sein, während kleinere, inhabergeführte Läden oft leer ausgehen?

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Diese Frage soll im Folgenden näher beleuchtet werden. Die Faktenlage ist schnell umrissen: Rabattschlachten ziehen Käufer an wie das Licht die Motten. Viele nutzen die verlockenden Angebote, um bereits erste Weihnachtseinkäufe zu erledigen. Da die Geschäfte an den darauffolgenden Sonntagen geöffnet sind, erstrecken sich die Aktionen oft über mehrere Tage. Doch gleichzeitig erhebt der Handelsverband Afedeco kritisch die Stimme: Kleine Läden können mit den immensen Rabatten der großen Filialisten und den unschlagbaren Preisen im Internet schlichtweg nicht mithalten.

Das Problem ist vielschichtig. Große Ketten profitieren von zentralen Einkaufs- und Logistikstrukturen. Sie können Waren in großen Mengen ordern und Rabatte durch geschicktes Margenmanagement ausgleichen. Online-Händler wiederum können Preise ohne die Belastung durch hohe Ladenmieten und dank flexibler Lieferketten reduzieren. Kleine Boutiquen hingegen müssen Mieten in attraktiven Innenstadtlagen stemmen, investieren viel Herzblut in persönlichen Service und verfügen oft nur über begrenzte Lagerkapazitäten.

Wenn also an einem Freitag Hunderte von Menschen die Avinguda Jaime III entlangflanieren, erhöht das zwar die Passantenfrequenz, aber nicht zwangsläufig den Gewinn der Einzelhändler, die ohnehin schon mit knappen Margen kalkulieren müssen. Was in der öffentlichen Diskussion oft zu kurz kommt, sind konkrete Zahlen und lokale Perspektiven. Es geht nicht nur um die bloßen Besucherströme, sondern auch um den Umsatz pro Kunde, die Retourenquoten und die langfristige Kundenbindung.

Die aggressive Werbung für Rabatte generiert zwar kurzfristige Aufmerksamkeit, aber ob sie auch die Stammkundschaft für die kleine Buchhandlung an der Plaça Major oder den alteingesessenen Haushaltswarenladen im Viertel El Mercat bringt, bleibt fraglich.

Ebenfalls selten thematisiert wird die Auswirkung auf die Mitarbeitenden: Wer an Sonntagen arbeiten oder zusätzliche Schichten schieben muss, erlebt am Monatsende oft Stress statt einer klaren Perspektive.

Doch welche konkreten Lösungsansätze gibt es, die auf Mallorca greifen könnten? Und wie können kleine Händler im Wettbewerb bestehen? Einige praktikable Ideen:

– Kooperative Rabattaktionen: Kleine Händler schließen sich zusammen, um gemeinsame Promotions zu starten, die mit einem einheitlichen Marketing-Auftritt in den Straßen für Aufmerksamkeit sorgen. Das senkt die Werbekosten und schafft eine erkennbare Alternative zur Preisflut der großen Ketten.
– Lokale Online-Plattformen: Eine gemeinsame Online-Präsenz vieler kleiner Läden mit Click&Collect-Option kann Kundinnen ansprechen, die Preise vergleichen, aber ihre Einkäufe lieber vor Ort abholen möchten.
– Staffelung von Sonderaktionen: Wenn Gemeinden oder Handelsverbände gezielt bestimmte Wochenenden für Rabatte koordinieren, verteilt sich der Ansturm besser und kleine Läden erhalten mehr Planungssicherheit.
– Unterstützung bei Logistik und Einkauf: Genossenschaftliche Beschaffungsmodelle können die Einkaufspreise für kleinere Händler reduzieren.
– Transparenz für Verbraucher: Kampagnen, die auf den Wert von Beratung und Nachhaltigkeit hinweisen, können dazu beitragen, Kaufentscheidungen zu verändern und das Bewusstsein für regionale Produkte zu stärken.

Solche Maßnahmen erfordern jedoch Engagement – von den Ladenbesitzern selbst, aber auch von der Gemeinde und den lokalen Verbänden. Ein bloßer Hinweis vom Rathaus, dass die Stadt an Aktionstagen mit den Händlern zusammenarbeitet, reicht nicht aus. Es bedarf gezielter Förderung, praktischer Werkzeuge und einer stärkeren Sichtbarkeit für lokale Angebote: Pop-up-Flächen, Mikroevents in den Nebenstraßen, verkürzte Öffnungszeiten an Werktagen zugunsten längerer, kooperativ beworbener Wochenendöffnungen.

Der Black Friday lockt zwar Menschenmassen nach Palma und füllt die Parkplätze bei Fan Mallorca und Porto Pi. Doch für viele kleine Geschäfte verhallt der laute Reigen der Rabatte ungehört. Wenn wir nicht nur darüber sprechen, wie voll die Straßen waren, sondern auch darüber, wie die Einnahmen verteilt wurden, können wir beginnen, echte Antworten zu finden. Andernfalls bleibt von der hektischen Vorfreude am Ende nur ein Berg von Tüten, ein geschwächter Einzelhandel – und eine Straße, die kurzzeitig lebendiger wirkte, aber langfristig an Vielfalt verlieren könnte.

Quelle: Agenturen