Blaukrabbe auf Mallorca eindämmen

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Der Inselrat von Mallorca hat kürzlich beschlossen, die Fangrechte für die invasive Blaue Krabbe (Callinectes sapidus) erheblich zu erweitern. Ab 2026 sollen Hobbyfischer fast überall auf der Insel, mit Ausnahme von Schutzgebieten, diese Krabben fangen dürfen. Zusätzlich zu den bisher erlaubten Methoden sind nun auch Angelruten, Kescher und Greifzangen zugelassen.

Ziel dieser Maßnahmen ist es, die Ausbreitung der Blauen Krabbe einzudämmen, die als Bedrohung für das ökologische Gleichgewicht der Insel angesehen wird. Doch reicht dieses Maßnahmenpaket wirklich aus, um das Problem zu lösen? Eine kritische Betrachtung zeigt, dass mehr als nur erweiterte Fangrechte erforderlich sind.  

Die Ausweitung der Fangrechte bedeutet zwangsläufig mehr Aktivität an den Küsten. An Orten wie Portixol oder Cala Major, wo bereits jetzt reges Treiben herrscht, werden in Zukunft noch mehr Angler und Fischer unterwegs sein. Dies ist grundsätzlich positiv, da es das Bewusstsein für das Problem schärft und potenziell die Anzahl der gefangenen Krabben erhöht. Allerdings birgt diese erhöhte Aktivität auch Risiken. Ohne eine koordinierte Strategie und klare Richtlinien besteht die Gefahr, dass Fanggebiete ungleichmäßig genutzt werden, wichtige Nachwuchsbereiche unberührt bleiben und es zu ungewolltem Beifang von geschützten Arten kommt.  

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Ein weiteres Problem ist die Datenlage. Die bisherige Zahl von 15.000 gefangenen Krabben, die der Inselrat angibt, ist zwar beeindruckend, sagt aber wenig über die tatsächliche Bestandsentwicklung aus. Es fehlen detaillierte Informationen über Fangorte, saisonale Schwankungen und die Größe der gefangenen Tiere. Ohne diese Daten ist es schwierig zu beurteilen, ob die Population der Blauen Krabbe tatsächlich schrumpft oder sich lediglich örtlich verlagert. Eine systematische Erfassung dieser Daten ist daher unerlässlich, um die Wirksamkeit der Maßnahmen beurteilen und gegebenenfalls anpassen zu können.  

Auch die Kontrolle und Durchsetzung der Regeln sind entscheidend. Wenn das Fangen der Blauen Krabbe fast überall erlaubt ist, müssen klare Regeln für die Entsorgung der gefangenen Tiere, Schonmaße und Meldepflichten festgelegt und durchgesetzt werden. Andernfalls besteht die Gefahr, dass die gefangenen Krabben unsachgemäß entsorgt werden und die positiven Auswirkungen der Fangmaßnahmen verpuffen. Bisher hat der Inselrat jedoch keine flächendeckenden Meldewege für Hobbyfischer eingerichtet, was die Umsetzung erschwert.  

Ein oft übersehener Aspekt ist die Motivation der Fischer. Viele engagieren sich ehrenamtlich, aus Interesse an der Natur oder aus Sorge über die Auswirkungen der invasiven Art. Um dieses Engagement aufrechtzuerhalten und zu fördern, ist es wichtig, die Fischer zu unterstützen und ihnen einfache Anleitungen und Informationen zur Verfügung zu stellen. In Gesprächen mit Fischern wird oft der Wunsch nach mehr Wissen und Unterstützung geäußert.  

Um die Bekämpfung der Blauen Krabbe nachhaltig zu gestalten, sind daher mehrere Maßnahmen erforderlich. Erstens: Ein systematisches Fang- und Melderegister, das es den Fischern ermöglicht, ihre Fänge einfach und unkompliziert zu melden. Dies könnte beispielsweise durch ein Online-Formular, eine WhatsApp-Hotline oder eine spezielle App erfolgen. Zweitens: Schulungen und Workshops an Häfen und bei Angelvereinen, in denen die Fischer über die sachgerechte Handhabung der Krabben, die Vermeidung von Beifang und die sichere Entsorgung informiert werden. Drittens: Gezielte Fangaktionen in den sogenannten Hotspots, begleitet von Wissenschaftlern und Meeresbiologen, um die Daten zu validieren und die Auswirkungen der Maßnahmen zu überwachen.  

Darüber hinaus sollten die Regeln für die Fanggeräte überdacht werden. Während Greifzangen und Kescher nützliche Werkzeuge sind, sollten für Fallen und Reusen Größen- und Maschenvorgaben festgelegt werden, um Jungtiere und Nichtzielarten zu schützen. Eine zeitlich befristete und kontrollierte „Fangzone“ mit zusätzlicher Überwachung könnte zeigen, ob ein erhöhter Fangdruck die Population der Blauen Krabbe tatsächlich reduziert.  

Auch die Verwertung der gefangenen Krabben ist ein wichtiger Aspekt. Während der Verkauf invasiver Arten auf Märkten und in Restaurants problematisch sein kann, könnten lokale Initiativen zur Verwertung in Tierfutter oder Kompost Anreize für mehr Fang schaffen, ohne den Markt zu befeuern.  

Schließlich ist es wichtig, die Öffentlichkeit transparent über die Maßnahmen und ihre Auswirkungen zu informieren. Der Inselrat sollte regelmäßig Berichte veröffentlichen, Karten der Fangorte zeigen und Erfolgsindikatoren präsentieren. Dies schafft Vertrauen und Akzeptanz für die Maßnahmen und motiviert die Menschen, sich aktiv an der Bekämpfung der Blauen Krabbe zu beteiligen.  

Fazit: Die erweiterte Fanggenehmigung ist ein Schritt in die richtige Richtung, aber kein Allheilmittel. Ohne Datensysteme, klare Entsorgungswege, Schulung, Überwachung und eine umsichtige Regelgestaltung drohen unerwünschte Nebenwirkungen. Der Inselrat hat die Erlaubnis erteilt, nun liegt es an ihm, die notwendigen Strukturen zu schaffen, um die Bekämpfung der Blauen Krabbe effektiv und nachhaltig zu gestalten. Die Menschen sind bereit zu helfen, jetzt braucht es die Rahmenbedingungen, damit dieses Engagement auch Wirkung zeigt.

Quelle: Agenturen