Das Ende einer Ära?

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In der Ära der Mega-Cruiser, die bis zum Ausbruch der COVID-19-Pandemie als riesige und gewaltige “Resorts” für Tausende von Touristen gesegelt sind, sind die früheren klassischen Transatlantik-Linienschiffe mit begrenzter Kapazität heute eine praktisch ausgestorbene Spezies.

Das Fortschreiten des Coronavirus hat den rapiden Niedergang der letzten Einheiten dieses Typs bestimmt, die von einigen Reedereien tadellos instand gehalten wurden und für eine Klientel bestimmt waren, die nostalgisch nach Romantik und Stil einer anderen Epoche suchte.

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Dabei handelt es sich um Schiffe mit Charakter und traditioneller Atmosphäre, die von vielen Liebhabern von Urlaub auf See zunehmend nachgefragt werden, sich von den aktuellen Trends stark unterscheiden und in den letzten Jahren vor allem in Großbritannien und Deutschland ein eigenes Segment zusammengeführt haben.

Im vergangenen März besuchte das Schiff Boudicca Palma zum letzten Mal am Ende einer spektakulären 168-tägigen Kreuzfahrt rund um die Welt. Als Paradigma der Kreuzfahrt der ersten Generation und direkter Erbe der alten Ozeanriesen gehört sie der britischen Reederei Fred Olsen und ist Partner der Black Watch. Beide Schiffe sind ein Kontrapunkt zum derzeitigen Konzept des Mega-Kreuzers. Mit einer Anfangskapazität von nur 530 Passagieren gehören sie zur ursprünglichen Serie der norwegischen Firma Royal Viking Line (bestehend aus drei Zwillingseinheiten und Pionieren, die 1972/73 auf die Namen Royal Viking Star, Royal Viking Sky und Royal Viking Sea getauft wurden), die heute mit dem Albatros von Phoenix Reisen vervollständigt wird und zu ihrer Zeit die modernste und luxuriöseste der Welt darstellte.

Diese wunderschönen Schiffe, die von Wartsila in Finnland gebaut wurden und seit den 70er Jahren in Palma Stammgäste waren, stellten einen Meilenstein in Bezug auf das beste und avantgardistischste skandinavische Design dar, dessen Qualität bis heute Bestand hat. Unter seinen innovativen Installationen ragen der helle Speisesaal im Überbau mit großen Fenstern und der Panoramasalon vor einem stilisierten Bogen auf der Brücke heraus. Der Schornstein wurde von der QE2 inspiriert, später kamen die ersten Suiten mit einer Terrasse hinzu.

In den 80er Jahren und angesichts ihres kommerziellen Erfolgs wurden sie einem spektakulären “chirurgischen Eingriff” unterzogen, bei dem ihre Länge um 28 Meter auf 205 erhöht wurde und 28.000 Tonnen erreichte. Eine respektable Zahl, aber eine, die derzeit ein Zehntel des Volumens der größten und monströsesten Mega-Kreuzer ausmacht.

Nun, da angesichts der durch die Pandemie verursachten Krise neue redundante Einheiten angeschafft wurden, die sie ersetzen sollen, sieht ihre Zukunft angesichts eines Alters von fast 50 Jahren besonders düster aus. Leider wird mit ihrer mehr als wahrscheinlichen Verschrottung eine ganze Ära in der Geschichte der Schifffahrt und einer unwiederholbaren Art, lange Seereisen zu genießen, verschwinden.

Beitrag aktualisiert am 26.09.2020 | 10:41