Dem Bausektor auf Mallorca geht das Material aus

Lesedauer des Artikels: ca. 4 Minuten -

Das Baugewerbe ist einer der wenigen Sektoren, die während der Pandemie nicht lahmgelegt wurden, und darüber hinaus ist es einer der Sektoren, die die Reaktivierung vorangetrieben haben. Diese Dynamik ist nicht nur auf den Balearen zu beobachten, sondern weltweit. Allerdings haben sowohl das Baugewerbe als auch viele verwandte Sektoren Versorgungsprobleme, da es an Rohstoffen mangelt, deren Herstellung während der Pandemie zum Erliegen gekommen ist.

Lesetipp:  Das stinkt zum Himmel
Dem Bausektor auf Mallorca geht das Material aus

Diese Situation führt zu Verzögerungen sowohl bei öffentlichen als auch bei privaten Bauvorhaben und zu einem Anstieg der Preise für das Endprodukt. Es gibt nicht nur einen Mangel an Materialien, sondern auch deren Kosten sind erheblich gestiegen. “Die Nachfrage ist größer als das Angebot”, räumte die Geschäftsführerin des Balearischen Bauherrenverbandes, Sandra Verger, ein.

Im letzten Jahr gab es Preissteigerungen von mehr als 100 %, wie z.B. bei Kupfer. Holz ist um 30 % gestiegen, ebenso wie Stahl, Wellstahl um 78 %, Aluminium um 56 %, bituminöse Mischungen um 85 % und PVC-Rohre um 70 %.

Diese Erhöhungen waren bei den meisten Standorten nicht eingeplant, so dass die Preise nun mit den Bauträgern neu ausgehandelt werden müssen. “In einigen Fällen sind sie flexibler als in anderen”, erklärt Verger, die einräumt, dass die Situation kompliziert und besorgniserregend ist. “Wir gehen davon aus, dass die Preise weiter steigen werden”.

Diese Volatilität und Ungewissheit zeigt sich unter anderem darin, dass die Rohstofflieferanten für Bauunternehmen und andere Kunden Angebote mit einer Gültigkeitsdauer von maximal sieben Tagen erstellen. Sie umfassen in der Regel einen Zeitraum von 30 bis 90 Tagen. “Das macht es für den Bauunternehmer sehr schwierig, einen Kostenvoranschlag zu erstellen”, so die Geschäftsführerin des Arbeitgeberverbands, die auch darauf hinwies, dass Verzögerungen beim Eintreffen der Materialien die Einhaltung der Fristen erschweren.   

Verger erinnerte daran, dass in vielen Bauverträgen, sowohl im öffentlichen als auch im privaten Sektor, Vertragsstrafen für den Fall vorgesehen sind, dass die Lieferfristen nicht eingehalten werden. Sie werden jedoch “im Moment nicht angewandt, da sie nicht den Unternehmen zuzuschreiben sind, sondern die Verzögerungen auf Dritte zurückzuführen sind”.

Es sei jedoch darauf hingewiesen, dass das Problem der Rohstoffknappheit nicht nur die Bauunternehmen betrifft. Branchen wie die Holz- und Metallschreinerei, das Klempnerhandwerk, der Verkauf von Haushaltsgeräten und Kaminen und viele andere mehr befinden sich in der gleichen Situation. Einige Arbeiten mussten mit bis zu drei Monaten Verspätung geliefert werden, weil einige dieser Materialien fehlten.

Trotz der alltäglichen Schwierigkeiten, die dieser Mangel mit sich bringt, ist dem Verband der Bauunternehmer nicht bekannt, dass irgendein Projekt vorläufig zum Stillstand gekommen wäre. Dieser Preisanstieg bei den Rohstoffen wurde jedoch bereits an die Verbraucher weitergegeben. Dies wird zu einem weiteren Anstieg der Immobilienpreise auf den Balearen führen. Dies wird ein weiterer Faktor sein, der zum Anstieg der Wohnungspreise beiträgt.

Auf der anderen Seite stehen das Baugewerbe und andere verwandte Sektoren vor einem zusätzlichen Problem. Der Anstieg der Strompreise seit dem Hochsommer ist ein weiterer Kostenfaktor, den die Unternehmen zu tragen haben.

Angesichts dieser Situation fordert der Arbeitgeberverband ordnungspolitische Reformen und Maßnahmen zur Durchführung von Preisüberprüfungen, sowohl bei öffentlichen als auch bei privaten Bauvorhaben, sowie die Einführung von Mechanismen zur Verlängerung der Vertragslaufzeiten.

Diese Forderung wird auch vom Nationalen Verband des Baugewerbes geteilt, der darauf hinweist, dass es in manchen Fällen besser ist, eine Arbeit oder ein Projekt abzubrechen, als eine Erhöhung der Kosten um das Doppelte in Kauf zu nehmen.