Deutschland kehrt zu den Infektionsniveaus vom April zurück

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Deutschland ist zu den Ansteckungsniveaus vom letzten April zurückgekehrt, obwohl die Behörden die Situation unter Kontrolle halten, während die Mehrheit seiner Bürger resigniert ist, um auf unbestimmte Zeit den Freuden der Massen zu entsagen.

In den letzten 24 Stunden wurden 2.297 Neuinfektionen bestätigt, der höchste Wert seit Mitte April, so die am frühen Abend (19.09.2020) vom Robert-Koch-Institut (RKI) aktualisierten Daten.

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Die Zahl der Infektionen seit Beginn der Pandemie beläuft sich im bevölkerungsreichsten Land der Europäischen Union (EU) auf 270.000 – davon 239.800 genesene Patienten – mit 9.384 Todesfällen, sechs davon in den letzten 24 Stunden.

“Unser Gesundheitssystem kann mit dieser Situation umgehen”, sagte Gesundheitsminister Jens Spahn in seinem Twitter-Account. In Deutschland, einem Land, in dem es selbst auf dem Höhepunkt der Krise keine Einschränkung der Bevölkerung gab, gibt es keine Einschränkungen des öffentlichen und wirtschaftlichen Lebens, wie es im März und April der Fall war. Sie erwägen jedoch die Annahme spezifischer Maßnahmen auf regionaler oder lokaler Ebene.

Der Aufschwung ist kontinuierlich, aber mit mehr als 6.000 Infektionen pro Tag weit entfernt vom Höhepunkt im März. Mitte April begann sie zu sinken, auf 300 oder 350 pro Tag zwischen Mai und Juni.

Im Juli begann sich der Aufschwung bemerkbar zu machen; Mitte August erreichte er 2.000, zeitgleich mit der Rückkehr der Feiertage.

Der Reproduktionsfaktor “R” steigt, aber immer noch auf einem akzeptablen Niveau – 1,16 heute, verglichen mit 1,07 am Tag zuvor. Ein Wert von 1 bedeutet, dass eine infizierte Person im Durchschnitt eine andere Person ansteckt.

Besonders betroffen von der Pandemie ist Bayern (Süden) mit 16 Millionen Einwohnern und einer Zahl von 64.395 Infektionen und 2.648 Todesfällen seit Beginn der Pandemie. Seine Behörden, die im März die strengsten Beschränkungen des Landes anwandten, haben nun Sondermaßnahmen ergriffen, obwohl sie keine weiteren Schließungen in Erwägung ziehen.

In München wurde das “Trockengesetz” für die gesamte Theresienwiese verhängt, dem Ort des traditionellen Oktoberfestes, dem beliebtesten Bierfest der Welt, das eigentlich am Samstag beginnen sollte, aber vor Monaten abgesagt wurde.

Statt der Massenversammlung haben die Behörden dazu aufgerufen, das Bier zu Hause oder auf einigen der offenen Terrassen einzunehmen, allerdings mit reduzierter Kapazität und den entsprechenden Maßnahmen.

In München wurde an diesem Freitag erstmals die Marke von 50 Infektionen pro 100.000 Einwohner in einer Woche überschritten, ab der das RKI besondere Massnahmen empfiehlt.

Die Bundesliga-Saison wurde am Freitag mit einer Machtdemonstration von Bayern München – 8:0 gegen Schalke – eröffnet, doch die Tribüne war leer. Die Behörden hatten ihre Entscheidung, 7.500 Zuschauern Zugang zu gewähren, fast “in extremis” widerrufen.

Auch in Nordrhein-Westfalen, dem bevölkerungsreichsten und bisher am stärksten infizierten “Land” des Landes – insgesamt 64.692 – wurde heute beschlossen, die Feiern zum bevorstehenden Karneval, dem grössten und am tiefsten verwurzelten Karneval des Landes, abzusagen.

Das RKI ist nicht nur für die Aktualisierung der Ansteckungsstatistik zuständig, sondern richtet auch sogenannte “Risikoregionen” ein, in die das Außenministerium generell von nicht unbedingt notwendigen Reisen abrät.

Im März empfahl das Außenministerium, nicht in die ganze Welt zu reisen. Im Juli wurde der Tourismus für die gesamte EU und den gesamten Schengen-Raum geöffnet, während eine Liste von Risikogebieten mit etwa 130 Ländern oder Regionen außerhalb der EU bestehen blieb.

Im August kehrte die EU mit der Aufnahme eines ersten Landes, Luxemburg, auf die Liste zurück. Kurz darauf folgten mehrere spanische autonome Gemeinschaften (heute ganz Spanien), Regionen in Rumänien, Bulgarien und französische Überseegebiete.

Mit dem Beitritt im September hat sich die Situation in Europa insgesamt verschlechtert. Große Gebiete Frankreichs, Belgiens, der Niederlande, der Tschechischen Republik und Österreichs – einschließlich ihrer jeweiligen Hauptstädte – sowie die Schweiz schlossen sich der Liste an.

Von den direkten Nachbarn bleiben nur Dänemark – dessen Regierung am Freitag neue Restriktionen für das gesamte Land erließ – und Polen – das am Samstag 1.002 Infektionen meldete, die höchste Tagesrate im Land seit Beginn der Pandemie – von der Liste gestrichen.