Die Wiege der mallorquinischen Kultur

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Mallorca ist unendlich reich an jahrhundertealter Kultur mit unzähligen Sehenswürdigkeiten, die selbst weitgereiste Weltenbummler in Entzücken versetzen. Einige davon sind weit über die Grenzen Mallorcas hinaus bekannt, doch die Wiege der mallorquinischen Kultur wurde von der Öffentlichkeit bisher kaum wahrgenommen – das Zusammenspiel aus Bauwerken, Brauchtum, Handwerk, Kulinarik und Kunst. All das hat nämlich einen gemeinsamen Ursprung: die Possessiónes.

Landgüter, die nach der Befreiung Mallorcas von den Mauren im Jahr 1229 entstanden und seitdem die Landschaft Mallorcas, die Kultur, ja die gesamte Gesellschaft Mallorcas bis heute prägen.

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Landgüter, weit mehr als ein simpler Gebäudekomplex oder eine banale Produktionsstätte zum Anbau von Agrarprodukten. Auf Mallorca gibt es heute etwa 1.250 Possessiónes. Die Zahl klingt unglaublich – vor allem, wenn man bedenkt, dass diese Landgüter von riesigen Ländereien umgeben sind.

Finca Es Cabàs Santa Maria del Cami
Finca Es Cabàs Santa Maria del Cami – Foto: Stefan Loiperdinger

Wo ist denn auf Mallorca überhaupt so viel Platz, werden Sie sich fragen. Das ist eben Mallorca! Viel mehr als „nur“ Sonne und Strand. Einige der Possessiónes sind beeindruckende Museen, in exklusive Hotels umgewandelte Landgüter und Bodegas von unschätzbarem kulturellen Wert. Diese kulturellen Schätze möchte nun eine Stiftung mehr ins Interesse der Öffentlichkeit rücken – die Fundación Itenerem, deren Manager Diego Zaforteza Torruella sich unermüdlich für diese anspruchsvolle Aufgabe einsetzt. Lesen Sie auf den nächsten Seiten, wie Sie mallorquinische Geschichte hautnah erleben können. Übernachten Sie in einem geschichtsträchtigen Landhotel, besuchen Sie eine jahrhundertealte Bodega oder eines der faszinierenden Museen. Und vielleicht entdecken Sie ja eine ganz besondere Location für Ihre nächste Feier!

Ob in der Serra de Tramuntana oder in einer Ebene gelegen, die Possessiónes waren immer von weitreichenden Feldern umgeben, weit entfernt von städtischen Gebieten und deshalb vollkommen auf sich allein gestellt. Jedes Possessió war ein Mikrokosmos, ein eigenes Sozialsystem, das alles, was man zum Leben brauchte, aus sich selbst heraus schuf.

Finca Torrent Fals bei Santa María del Cami
Finca Torrent Fals bei Santa María del Cami – Foto: Stefan Loiperdimger

Die Besitzer, der Verwalter, die Hausdame, die Angestellten und Arbeiter lebten hier zusammen. Auch wenn die Besitzer den Großteil ihrer Zeit in Palma verbrachten, war ein Teil der Häuser für sie bestimmt. Die Arbeiter schufteten das ganze Jahr über auf dem Landgut als Ochsen- und Schweinehirten oder Gärtner. Dazu wurden Mäher, Maultierführer und Olivenpflücker als Tagelöhner verpflichtet. Um die Bewirtschaftung der Wälder kümmerten sich Holzfäller, Köhler und Kalkbrenner. Sie alle lebten in verschiedenen Gebäuden der Possessiónes.

Das Leben auf den Possessiónes richtete sich dabei nach den Zyklen der Natur und der Jahreszeiten. Zu bestimmten Zeiten gehörten auch bestimmte Aufgaben, die jedes Jahr im gleichen Rhythmus erledigt wurden – von der Getreideaussaat bis zur Ernte, von der Olivenernte bis zur Mandel- und Johannisbroternte, von der Aufzucht der Schafe bis zum Scheren der Schafe.

In der Erntezeit versammelten sich zeitweise hunderte Arbeiterinnen und Arbeiter auf einem einzigen Possessió, was zum Entstehen zahlreicher Gewohnheiten und Bräuche führte, welche die Gesellschaft bis heute prägen. Auch die mallorquinische Küche hat ihren Ursprung in den Possessiónes, und natürlich auch im saisonalen Rhythmus der Jahreszeiten. Es wurde nur gegessen, was gerade geerntet wurde. Und so entwickelten sich hier saisonale Rezepte, die wir heute wie einen Schatz aus Großmutters Zeiten hüten.

Was wir heute als Errungenschaft eines nachhaltigen Lebensstils feiern, war damals selbstverständlich. Es war die logische Notwendigkeit in einem Zeitalter ohne Kühlschrank und Flugzeug. Aber nicht nur der saisonale Rhythmus, auch die jeweilige Region prägte die mallorquinische Küche. Auf den steinigen Böden der feuchten und kühleren Serra de Tramuntana wuchsen andere Pflanzen als in der trockenen, heißen Ebene, im Raiguer, Pla oder Llevant.

Finca Es Cabàs Santa Maria del Cami
Finca Es Cabàs Santa Maria del Cami – Foto: Stefan Loiperdinger

Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts waren die Possessiónes die Hauptschlagader des
ländlichen Lebens auf Mallorca. Bis der Tourismus kam. Ab den 1950er Jahren erfuhr Mallorca einen großen sozioökonomischen Wandel. Das Wirtschaftssystem veränderte sich rasant, das von den Possessiónes repräsentierte agrarindustrielle System verlor seine Bedeutung und Mallorca wurde zu einem der größten Touristenzentren des Mittelmeerraums.

Dadurch und durch den steigenden internationalen Handel verlor der Agrarsektor enorm an Bedeutung. Dafür boomte der Dienstleistungssektor. Kellner und Zimmermädchen waren gefragt. Obst und Gemüse wurden vom Festland und aus dem Ausland importiert – in Plastik verpackt. Und das Meer wurde leergefischt. Schließlich wollten die neuen Devisenbringer “frischen” Fisch auf ihrem Teller.

Mallorca schöne Seiten 2020
Mallorca schöne Seiten 2020
Daten zum Magazin:
Format: 215 x 270 mm
Umfang: 250 Seiten
Preis: 15,80 €
Bezugsquelle: www.mallorcas-schoene-seiten.de

Auf 60 Seiten stellt Loiperdinger in der neuen Ausgabe mit großartigen Fotos und informativen Texten die schönsten Feste, Konzerte und ansdere Veranstaltungen vor. Auf den restlichen 190 Seiten zeigt er faszinierende Sehenswürdigkeiten wie zum Beispiel die unvollendete Kirche in Son Servera, eine beeindruckende Kulisse für Hochzeitsfeiern, oder die verwunschene Kapelle von Sóller.

Zusammen mit seinen Tipps zu idyllischen Badebuchten, Wanderungen durch die mediterrane Landschaft und zu 145 Lokalen von der Fischerkneipe bis zum Sternerestaurant ist das „Reiseführerbildbandmagazin“ ein unverzichtbarer Begleiter für alle, die Mallorca wirklich kennenlernen wollen.

Das beste dabei: vollkommen ohne Anzeigen oder bezahlte Artikel!

Über den Autor und Herausgeber

Stefan Loiperdinger. Aufgewachsen im Münchner Künstlerviertel Schwabing. Nach diversen Orientierungsversuchen finanziert sich der Münchner als Briefträger und Taxifahrer das Studium zum Grafik-designer. Danach 30 Jahre Werbung. Und dann die Erkenntnis, dass es noch mehr im Leben geben muss als 12-Stundentag und Meetingmarathons. 2002 ein Urlaub auf Mallorca, „damit wir es abhaken können, da gefällt es uns sowieso nicht“. Nach einer Woche süchtig. Auf unzähligen Touren erforscht der Wahlmallorquiner von nun an jeden Winkel der Insel und veröffentlicht 2014 die erste Ausgabe seines jährlich erscheinenden Magazins „Mallorcas schöne Seiten“. Ein Magazin vollkommen ohne Werbung. Weshalb ihn auch die Fachwelt für vollkommen verrückt erklärt. „Zum Geldverdienen ist das sicher der falsche Weg,“ meint er. „Aber manche Dinge sind mit Geld auch nicht aufzuwiegen. Die Schönheit und Vielfalt der Insel zum Beispiel. Nach vielen Jahren auf der Insel entdecke ich immer noch Neues und Überraschendes – unbezahlbar!“

Kontakt:
Travel Publishing GmbH
Stefan Loiperdinger
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