Eine neue Studie warnt vor den enormen Folgen eines schweren Erdbebens an der spanischen Mittelmeerküste. Vor allem beliebte Gebiete wie Torrevieja an der Costa Blanca sind stark gefährdet. Aufgrund des Bevölkerungswachstums und des touristischen Andrangs könnten die Folgen heute viel schlimmer sein als früher.
Die von Natural Hazards veröffentlichte Studie vergleicht mögliche Erdbeben mit historischen Katastrophen wie dem von Torrevieja im Jahr 1829, bei dem 389 Menschen ums Leben kamen. Heute leben dort mehr als 100.000 Menschen, im Sommer sind es fast 500.000. Außerdem liegt die Stadt auf drei aktiven Verwerfungslinien.
Mit einem speziellen Berechnungsmodell schätzen die Forscher, dass ein ähnliches Erdbeben heute mehr als 5.000 Todesopfer fordern könnte. Im Sommer, wenn viele Touristen unterwegs sind, könnte die Zahl sogar auf 11.000 steigen. Der Schaden wird auf bis zu 100 Milliarden Euro geschätzt.
Auch andere Gebiete, wie Arenas del Rey in Granada, sind gefährdet, wenn auch aufgrund der geringeren Bevölkerungszahl mit etwas geringeren Schäden zu rechnen ist. Dennoch könnten auch dort Tausende von Opfern zu beklagen sein.
Die Forscher plädieren für eine bessere Vorbereitung. Es seien dringend strengere Bauvorschriften, mehr Aufklärung der Bevölkerung und klare Pläne für die Notfallhilfe erforderlich. Ihrer Meinung nach unterschätzt Spanien das Risiko, da schwere Erdbeben hier selten vorkommen.
In Spanien werden jedes Jahr Hunderte bis Tausende von Erdbeben gemessen. Die meisten davon ereignen sich in Andalusien, aber auch Regionen wie Murcia, Valencia, Girona, die Kanarischen Inseln und die Pyrenäen zwischen Navarra und Huesca sind seismisch aktiv. Obwohl die meisten Beben schwach sind und unter 4 auf der Richter-Skala bleiben, betonen Experten, dass die Gefahr schwerer Erdbeben durchaus real ist.
Im Jahr 1884 wurde Arenas del Rey (Granada) von einem Erdbeben der Stärke 6,7 auf der Richter-Skala heimgesucht. Dabei kamen 900 Menschen ums Leben und mehr als 2.000 wurden verletzt. Auch in Torrevieja (Alicante) ereignete sich 1829 ein schweres Beben der Stärke 6,9, bei dem etwa 400 Menschen ums Leben kamen.
Laut Forschern kommt es in Spanien etwa alle 70 Jahre zu einem schweren Erdbeben. Das bedeutet, dass in naher Zukunft ein neues Beben möglich ist. Das letzte große Erdbeben ereignete sich am 11. Mai 2011 in Lorca (Murcia). Es verursachte große Schäden, 9 Tote und mehr als 300 Verletzte.
Quelle: Agenturen



