Die Länder der Europäischen Union haben grünes Licht für das lang erwartete Handelsabkommen mit dem südamerikanischen Mercosur-Block gegeben, der aus Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay besteht. Mercosur ist eine 1991 gegründete Wirtschaftskooperation, die den Handel und das Wirtschaftswachstum zwischen diesen Ländern fördern soll. Damit gehen mehr als 25 Jahre Verhandlungen zu Ende und es entsteht eine der größten Freihandelszonen der Welt.
Eine große Mehrheit der EU-Mitgliedstaaten unterstützte das Abkommen. Einige Länder, darunter Frankreich und Polen, stimmten aufgrund von Bedenken hinsichtlich der Landwirtschaft und der Umwelt dagegen. Spanien gehörte hingegen zu den ausgesprochenen Befürwortern und sieht das Abkommen als wichtige wirtschaftliche und strategische Chance.
Für Spanien kann das Handelsabkommen große Vorteile mit sich bringen. Spanische Unternehmen erhalten leichteren Zugang zu einem Markt mit rund 780 Millionen Verbrauchern. Vor allem Branchen wie die Automobilindustrie, der Maschinenbau, die Chemieindustrie und die Infrastruktur können davon profitieren, da die Einfuhrzölle weitgehend wegfallen. Auch spanische Banken und Energieunternehmen, die bereits stark in Südamerika vertreten sind, erwarten zusätzliche Wachstumschancen.
Darüber hinaus bietet das Abkommen neue Möglichkeiten für den spanischen Export von Industrieprodukten, Olivenöl, Wein und Technologie. Nach Ansicht der spanischen Regierung stärkt dies die internationale Position Spaniens als Brücke zwischen Europa und Lateinamerika, einer Region, mit der das Land historisch und kulturell eng verbunden ist.
Gleichzeitig gibt es in Spanien auch Bedenken, insbesondere im Agrarsektor. Spanische Landwirte befürchten mehr Konkurrenz durch billige südamerikanische Produkte wie Rindfleisch, Zucker und Soja. Vor allem Viehzüchter und kleinere landwirtschaftliche Betriebe warnen, dass sie nur schwer mit der großflächigen Produktion aus den Mercosur-Ländern konkurrieren können.
Die Europäische Kommission betont, dass Schutzmaßnahmen und Übergangsfristen vereinbart wurden, um gefährdete Sektoren zu schützen. Außerdem wurden Vereinbarungen über Umwelt- und Arbeitsstandards getroffen, die Kritiker jedoch für noch nicht konkret genug halten.
Die Zustimmung der Mitgliedstaaten bedeutet, dass das Abkommen nun voraussichtlich Anfang 2026 unterzeichnet werden kann. Danach muss noch das Europäische Parlament zustimmen, bevor das Abkommen endgültig in Kraft treten kann.
Quelle: Agenturen



