Gaspar Bennazar – Palmas vergessener Baumeister?

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Gaspar Bennazar (1869–1933), ein bedeutender Architekt, prägte lange Zeit das Stadtbild von Palma auf Mallorca als offizieller Architekt der Stadtverwaltung. Sein architektonischer Stil bewegte sich zwischen repräsentativen Fassaden und pragmatischen Lösungen für das alltägliche städtische Leben.

Ein anschauliches Beispiel seines Schaffens ist das Can Ribas am Borne, das im Jahr 1925 fertiggestellt wurde. Dieses Stadthaus vereint auf elegante Weise einen Geschäftsbetrieb im Erdgeschoss mit repräsentativen Wohnungen in den oberen Stockwerken.

Hundert Jahre später fällt jedoch auf, dass dieses Jubiläum kaum öffentliche Beachtung fand, ähnlich wie der Fall des gestoppten Abrisses in Palma zeigt, der die Frage aufwirft, was uns das Haus von Gaspar Bennazar über den Denkmalschutz lehrt. Diese fehlende Aufmerksamkeit ist keine bloße Nachlässigkeit.

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Kulturpflege beschränkt sich nicht nur auf gelegentliche Reinigungen von Marmortafeln. Unweit des Borne, an einer Ecke, befindet sich ein Trinkbrunnen, ebenfalls ein Werk aus dem Jahr 1925, der einst als Dienstleistung für die Nachbarschaft gedacht war. Heute ist er defekt, verwittert und wird kaum gewartet, was an den Zustand des Parc de la Mar erinnert, der ebenfalls vernachlässigt wird.

Es stellt sich die Frage: Wer rettet Palmas Wohnzimmer am Fuße der Kathedrale? Eine Keramiktafel aus dem Jahr 2011 erinnert an die Modernisierung der Wasserversorgung – kleine Zeugnisse, die verdeutlichen, dass Bennazars Arbeit mehr als nur Fassadenschmuck war.

Ein weiteres Beispiel für mangelnde Sorgfalt ist der Abriss einer Jugendstilbrücke in Bahnhofsnähe in den Nullerjahren. Obwohl sie nach Protesten wieder aufgebaut wurde, wie der Beitrag „Abriss in Palma: Wenn Rekonstruktion das Original ersetzt“ schildert, zeigt dieser Vorfall, wie fragil der Denkmalschutz hier sein kann.

Am Can Ribas erinnert eine Marmortafel aus den 1940er-Jahren noch an frühere Straßennamen. Die Inschrift, die einst eine Widmung enthielt, ist nach einer Reinigung heute kaum mehr zu lesen. Dies ist ein Symbol dafür, dass Erinnerung oft oberflächlich bleibt.

Die Stadt verfügt zwar über monumentale Bauten, es fehlt jedoch meist das systematische Interesse an den Werken des städtischen Architekturerbes, die nicht im Rampenlicht stehen. Zu den Problemen gehören die fehlende Inventarisierung, die dürftige Pflege kleiner Monumente und das Fehlen eines regelmäßigen Restaurierungsbudgets für Elemente wie Trinkbrunnen und Tafeln. Das Ergebnis ist, dass die Erinnerung dem Zufall überlassen bleibt – abhängig von engagierten Enkelinnen, vereinzelten Lehrprojekten oder lauten Bürgerprotesten.

Quelle: Agenturen