Hallux valgus- Der Ballen/Schiefzehe eine Volkserkrankung

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Der Fachausdruck Hallux valgus (lat. hallux: große Zehe & valgus: nach auswärts) bezeichnet eine in der westlichen Welt auftretende häufigsten Zivilisationerkrankungen des Fußes.

Die Füße beherbergen ein Viertel sämtlicher Knochen des menschlichen Körpers und sind extrem anpassungsfähig. Im Rahmen des ´Anfangfehlers´ der Menschheit hin zum aufrechten Gang mit Veränderung der Funktion des Fußes hat sich die Belastung erheblich gesteigert.


Im Rahmen einer durchschnittlichen Lebenspanne kommen pro Fuß leicht etwa 1.3 Milliarden Schritte zusammen bei einer Lebensbelastung von 13 Millionen Tonnen . Allein in Deutschland sind über 10 Millionen Menschen mit der Problematik eines Ballenzehen betroffen. Das Grundgelenk der Großen Zehe schiebt sich nach außen und wird als mehr oder weniger starke Wölbung sichtbar – der Zeh selbst dreht sich dabei nach innen. Je länger die Fehlstellung andauert und je deutlicher sie sich ausprägt, desto mehr werden die natürlichen Funktionen des Fußes beeinträchtigt.

In der klinischen Einteilung unterscheidet man beim Hallux valgus vier verschiedene Schweregrade mit zunehmender Abweichung der Großzehe nach Außen und auch Unterwanderung der 2. Zehe und mit einer sich oft entwickelnden Hammer- und Krallenzehen-Fehlstellungen der benachbarten Zehen . Mit der konstanten Fehlbelastung gehen oft Fuß/Zehen-Schmerzen und rezidivierende Entzündungen dann einher.

Wichtigster Faktor für die Entstehung ist eine oft angeborene Bänder- und Bindegewebsschwäche. Diese wiederum begünstigt das Entstehen des Spreiz-Senkfußes, die Entwicklung bahnt sich dabei oft schon in der Kindheit an. Dabei flacht sich das Fußlängsgewölbe ab – beim Gehen und Abrollen des Fußes entsteht eine starke Belastung des Quergewölbes, das nun seinerseits immer breiter auseinander weicht. In den meisten Fällen führt ein Spreiz-Senkfuß zur Entwicklung des Hallux valgus.

Da sich die Fehlstellung des Fußes beim Älterwerden immer mehr ausprägt, nimmt auch der Hallux Valgus mit den Jahren fast immer zu. Der oft diskutierte Einfluss durch Schuhwerk und Strümpfen ist sicherlich nicht ganz zu vernachlässigen .Besonders ungünstig sind spitze Schuhe mit hohen Absätzen: In ihnen werden die Zehen nicht nur zusammengepresst, sondern zusätzlich belastet. Aber auch das permanente Tragen bequemer Schuhe ist nicht in jedem Fall günstig: Die Fußmuskulatur wird dann oft nicht genügend trainiert, mit der Folge, dass das Fußgewölbe immer mehr abflachen kann.

Neben den kosmetischen Problemen können hier schmerzhafte Druckstellen (Hornhautschwielen), Hautreizungen, Schwellungen und Entzündungen entstehen. Durch die Fehlstellung der Großzehe können auch Gelenkknorpelschäden (Arthrose) im Großzehengrundgelenk auftreten. Schließlich kann es zu einer Überlastung der benachbarten Kleinzehen, Gelenke und Mittelfußknochen mit entsprechenden Schmerzen kommen (Metatarsalgie).

Entsprechend den vorliegenden Stadien und Beschwerden kommen verschiedene konservative ,aber letztendlich auch vor allem operative Verfahren zur Anwendung. Vorbeugung kann man mit abwechslungsreichem Schuhwerk und viel barfuß laufen. Der Schuh für den Alltag sollte niedrige Absätze und viel Freiraum für die Bewegung der Zehen haben. Hochhackige Schuhe sollten nur in Ausnahmefällen getragen werden. Fußgymnastik unterstützt durch Fußbäder und Bürstenmassagen helfen die sog. Propriorezeption des ´Werkzeugs Fuß´ zu verbessern.

Weitere mögliche konservative Maßnahmen sind orthopädisch-orientierte Schuhe mit guten Spreizfußeinlagen, Zehenstegsandalen, individuelle Zwischenzehenorthesen und Spezial-Nachtschienen. Eine einmal eingetretene deutliche Fehlstellung der Großzehe lässt sich aber nur wirklich durch eine Operation langfristig korrigieren. Diese ist im Falle von rezidivierenden Schmerzen angeraten.

In Abhängigkeit von der Ausprägung des Hallux valgus und den bestehenden Beschwerden wird das entsprechende Verfahren gewählt. Fast alle Operationsmethoden bestehen aus einer gezielten Durchtrennung des ersten Mittelfußknochens, aber in verschiedener Schnittführung. Danach wird der zehenwärts gelegene Anteil des Mittelfußknochens in Richtung des zweiten Mittelfußknochens verschoben (wo er ursprünglich gelegen hat) und die beiden Teile des Mittelfußknochens werden mit Platten/Drähten oder Schrauben fixiert. Auch kommen Sehnen und Kapseltechniken zur Anwendung und abschließend wird die Großzehe wieder geradegestellt.

Aufgrund der jeweiligen individuellen radiologischen und klinischen Ausgangssituation des Patienten wird ein spezielles Verfahren ausgewählt und diese „maßgeschneiderte“ Variante führt dann zu optimalen Erfolgen. Je nach Situation können sogar beide Füße gleichzeitig operiert werden. Besteht zusätzlich zum Hallux valgus auch eine Arthrose im Grundgelenk der Großzehe (Hallux rigidus), muss vorrangig diese behandelt werden. Bei Arthrose im Grundgelenk der Großzehe kann dieses “ausgeputzt” und die Beweglichkeit wiederhergestellt werden.

In sehr seltenen Fällen wird der geschädigte Gelenkanteil am Grundglied der Großzehe entfernt, das Gelenk in guter Stellung versteift und zuletzt auch zusehendes mit einem künstlichem Gelenk versorgt. Die Nachbehandlung umfasst meist einen redressierenden Verband bis zur Entfernung der Hautnähte, danach wird meistens eine Antivalgussocke getragen. Für den gleichen Zeitraum wird oft auch ein Vorfußentlastungsschuh verwendet. Die der Operation anschließende orthopädietechnische Versorgung und richtigen Verhaltensmaßnahmen sind essentiell für den weiteren bleibenden Therapieerfolg.

Autor:
Über Dr. Marco Seita
Der Arzt auf Mallorca für Ihre medizinischen Fragen und Probleme. Der Orthopäde & Sportmediziner, Facharzt Dr. Marco Seita, ist der Spezialist in Sachen Gesundheit auf Mallorca. Er deckt mit seinem eng kooperierenden Spezialisten im Praxisteam das gesamte Spektrum der Orthopädie bei MediSport-mallorca in Bendinat ab. Neben einem weiten Angebot konservativen Anwendungsverfahren steht auch eine Vielzahl modernster operativer Möglichkeiten auf höchstes medizinisches Niveau zur Verfügung.


Ihr Sportmediziner und Orthopäde/Traumatologe auf Mallorca und Radfahrer Doktor Marco SEITA im Institut MediSport-Mallorca

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