Die Zahl der Übergriffe auf medizinisches Personal in Spanien hat einen neuen Rekord erreicht. Laut einem neuen Bericht der Organización Médica Colegial wurden im vergangenen Jahr 879 Vorfälle gemeldet. Das ist die höchste Zahl seit Beginn der Erfassung dieser Daten im Jahr 2010.
Auffällig ist, dass vor allem Frauen Opfer sind. Mehr als 64 Prozent der Aggressionen richteten sich gegen Ärztinnen, obwohl diese nur etwa 55 Prozent aller registrierten Ärzte in Spanien ausmachen. Den Forschern zufolge zeigt dies, dass Gewalt im Gesundheitswesen zunehmend ein weibliches Gesicht hat.
Insgesamt wurden in den letzten fünfzehn Jahren fast 9.000 Übergriffe auf Ärzte registriert. Der Trend ist seit Jahren steigend. Während der Pandemie ging die Zahl der Vorfälle vorübergehend zurück, danach nahm die Gewalt jedoch wieder zu. Experten sprechen inzwischen von einem strukturellen Problem innerhalb des Gesundheitswesens.
Die meisten Vorfälle ereignen sich in der Primärversorgung, beispielsweise bei Hausärzten. Dort finden fast 59 Prozent der Aggressionen statt. In den meisten Fällen geschieht dies während der normalen Arbeitszeiten und oft einfach im Sprechzimmer während einer Konsultation.
Etwa 81 Prozent der Aggressionen bestehen aus psychischer Gewalt wie Drohungen, Beleidigungen oder Einschüchterungen. Dennoch nimmt auch die körperliche Gewalt zu. Bei etwa 19 Prozent der Vorfälle handelt es sich um körperliche Angriffe, die manchmal zu Verletzungen führen.
Die Hauptursache für Konflikte sind Meinungsverschiedenheiten über medizinische Entscheidungen. Oft handelt es sich um Patienten, die mit einer Diagnose, einer Krankschreibung oder einer abgelehnten Behandlung oder Medikation nicht einverstanden sind. Einige Patienten verlangen auch bestimmte Behandlungen, weil sie Informationen im Internet oder über künstliche Intelligenz gefunden haben.
Ein weiteres Problem ist, dass weniger als die Hälfte der Aggressionen tatsächlich bei der Polizei gemeldet wird. Daher ist die tatsächliche Zahl wahrscheinlich noch höher. Gesundheitsorganisationen warnen, dass diese Gewalt nicht nur dem Personal schadet, sondern letztendlich auch die Qualität der Gesundheitsversorgung beeinträchtigen kann.
Quelle: Agenturen





