JAFUDÀ CRESQUES

Jafudà Cresques (1350? in Ciutat de Mallorca, 1410 oder 1427 in Barcelona?), auch bekannt als Jehudà Cresques und Jaume Ribes, war ein jüdischer Kartograph mallorquinischen Ursprungs, Sohn von Cresques Abraham. Beruflich trat er in die Fußstapfen seines Vaters und widmete sich der Anfertigung von Miniaturzeichnungen und Landkarten, sowie der Herstellung von Kompassen. Peter der Zeremoniöse und Johann I. von Kastilien verliehen ihm den Titel des Mitglieds der königlichen Familie (1380, 1391) und er ging am Hofe dieser Könige, sowie am Hofe Martins I. von Aragón ein und aus, wo er mehrere kartographische Arbeiten realisierte. Zusammen mit seinem Vater war er sehr wahrscheinlich Urheber des berühmten Atles Català (Katalanische Weltatlas) von 1375, einem für das mittelalterliche Europa kartographischen Meisterwerk. Auch fertigte er eine Weltkarte für das toskanische Handelsunternehmen Datini an und erhielt von den katalanischen Königen Auszeichnungen und genoss ihren Schutz.

Im Jahre 1391 sah er sich aufgrund der Plünderung des Judenviertels gezwungen, zum Christentum überzutreten; er ließ sich taufen und gab sich den christlichen Namen Jaume Ribes nach einem Domherrn der Kathedrale. Auch konvertierte sein Schüler Samuel Corcós, der sich fortan Macià de Viladesters nannte. Im Jahre 1399 lebte er in Barcelona, wo er schließlich auch sterben sollte. Laut Mascaró Passarius „rief König Johann, der von seinem Schützling vollauf begeistert war, diesen mit solcher Beharrlichkeit an seinen Hof, dass Jafudà schließlich sein Haus in der Calle del Temple an den Notar Pere de Sant Pere verkaufte und nach Barcelona ging um dort zu leben“.

Einigen Hypothesen zufolge kann es sein, dass er in den 1420er Jahren zum portugiesischen Koordinator für Kartographie der Marineschule von Sagres ernannt wurde; im dortigen Verzeichnis ist nämlich ein gewisser Meister Jacome de Malhorca mit diesem Posten registriert.

In der Nähe der Calle del Temple, dort wo derzeit die Schule Colegio de la Sapiència steht, befand sich das Haus und das Atelier der beiden Kartographen und Miniaturzeichner Cresques Abraham und Jafudà Cresques. Es wurde dokumentiert, dass ein Wasserrohr von der Quelle „Fuente de la Vila“ in die Zone von El Temple, sowie zur dortigen Viehtränke und in den Gemüsegarten von Cresques, dem jüdischen Kompasshersteller, führte.

Am 2. September 2007, genau am 8. Europäischen Tag der jüdischen Kultur, wurde eine Statue zum Andenken an den Kartographen Jafudà Cresques eingeweiht. Sie ist Werk der Bildhauerin Maria Isabel Ballester und befindet sich auf der Plaza del Temple, sehr nahe an der Calle del Temple und am Colegio de la Sapiència, wo das Haus der Cresques stand.

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