Seit einigen Jahren erscheinen zahlreiche Artikel, in denen beschrieben wird, dass das Leben und Arbeiten auf dem spanischen Land einfach großartig ist. Dies gilt auch für Deutsche, die sich dafür entscheiden. Der Plan klingt nämlich perfekt: weg aus der hektischen Stadt und arbeiten in einem ruhigen Dorf mitten im Grünen. Vor allem nach der Pandemie schien das spanische Landleben einen neuen Aufschwung zu erleben. Aber wenn man sich die Fakten ansieht, ergibt sich ein anderes Bild.
Zahlen der Nachrichtenagentur Europa Press zeigen, dass der massive Zuzug in die Dörfer doch nicht so groß ist. Obwohl das Arbeiten im Homeoffice sicherlich einiges verändert hat, ist es nicht zu der Revolution geworden, auf die manche gehofft hatten. Die Zahl der Menschen, die die Stadt wirklich hinter sich lassen, ist nach wie vor recht begrenzt.
Auffällig ist, dass Telearbeit nicht automatisch bedeutet, dass jemand auch tatsächlich umzieht. Viele Menschen entscheiden sich für eine Zwischenlösung: Sie arbeiten zwar außerhalb der Stadt, behalten aber ihre alte Adresse. Das Dorf wird so eher zu einem Nebenwohnsitz als zu einem echten neuen Zuhause.
Hinzu kommt, dass es Hindernisse gibt, die in den schönen Geschichten oft unerwähnt bleiben. Wer ernsthaft umziehen will, sieht sich mit praktischen Schwierigkeiten konfrontiert. Ein gutes Haus zu finden, ist zum Beispiel eine ziemliche Herausforderung. In vielen Dörfern gibt es schlichtweg zu wenig Wohnraum, oder die vorhandenen Häuser sind ziemlich veraltet.
Der Zustand dieser Gebäude ist ein weiterer Punkt. Oft sind umfangreiche Renovierungsarbeiten erforderlich, und das ist nicht jedermanns Sache. Gerade die Gruppe, die im Homeoffice arbeitet, braucht Komfort, einen guten Arbeitsplatz und schnelle Internetverbindungen. Auf dem Land ist das bei weitem nicht immer selbstverständlich.
Auch die Grundversorgung stellt ein Problem dar. Man denke an die Erreichbarkeit eines Arztes, gute Schulen oder eine stabile Internetverbindung. In den letzten Jahren hat sich zwar einiges verbessert, aber die Kluft zur Stadt ist nach wie vor groß. Gerade diese Dinge sind entscheidend, wenn man sich entscheidet, irgendwo wirklich zu leben.
Auf dem Papier ist das Land also eine wunderbare Alternative, und das wird es für viele Menschen auch sein, aber die tägliche Praxis sieht oft anders aus. Der Wunsch nach Ruhe kollidiert oft mit Einschränkungen, auf die man erst stößt, wenn man einmal dort ist. Die große Umzugswelle, von der die Rede war, bleibt daher vorerst aus.
Dennoch ist es nicht überall eine düstere Geschichte. In manchen Gebieten gelingt es durchaus, neue Bewohner anzuziehen, vor allem wenn in Einrichtungen und Erreichbarkeit investiert wird. Die Zukunft des ländlichen Raums scheint also nicht von einem vorübergehenden Hype abzuhängen, sondern davon, wie Regionen es schaffen, sich selbst zu stärken.
Quelle: Agenturen





