Der Inselrat blickt nach Ibiza: Beschränkungen für auswärtige Fahrzeuge stehen auf der Tagesordnung. Eine gute Absicht, doch rechtliche, technische und alltägliche Probleme bleiben offen. Ein genauer Blick auf Risiken, fehlende Antworten und praktikable Alternativen.
Anlass ist die spürbare Verkehrsdichte in den Sommermonaten: volle Straßen, Staus rund um Palma und lange Warteschlangen an den Fähren mit Autos, die oft nur für ein Wochenende kommen. Die Idee ist nicht schlecht, wirft aber viele Fragen auf. Kann eine Begrenzung für auswärtige Fahrzeuge wirklich Entlastung bringen, ohne Bewohnern, Handwerkern und dem Tourismus unverhältnismäßig zu schaden?
Wer auf Ibiza schaut, will den rechtlichen Rahmen, Kontrollinstrumente und Sanktionen kennenlernen. Das ist sinnvoll. Doch Übernahme heißt nicht 1:1-Kopieren. Mallorca ist größer, die Siedlungsstruktur anders, Pendelbewegungen zwischen Orten intensiver. Eine Maßnahme, die an Punkten wie Häfen und Massenveranstaltungen greift, trifft nicht automatisch die richtigen Ursachen des täglichen Verkehrschaos.
Lieferverkehr, Baustellen, Pendlerströme und ein schlecht ausgelasteter öffentlicher Nahverkehr spielen eine ebenso große Rolle. Rechtlich drohen Stolpersteine: Wer entscheidet, nach welchen Kriterien Autos ausgeschlossen werden – nach Herkunft, Kennzeichen, Dauer des Aufenthalts?
Solche Regeln müssen verfassungs- und EU-kompatibel sein. Außerdem: Wie werden Ausnahmen geregelt? Handwerker, Pflegekräfte, Grenzgänger, Gelegenheitslieferanten – sie alle brauchen klare, einfache Regelungen, sonst entsteht juristischer Wildwuchs und administrative Überlastung bei der Vergabe von Sondergenehmigungen.
Technisch ist die Kontrolle teuer und aufwendig. Schranken an Häfen, Reservierungssysteme für Autoplätze auf Fähren, Kameratechnik zur Kennzeichenerfassung – all das braucht Investitionen, Personal und eine gut funktionierende IT.
Auf Mallorca ist der Tourismus ein Lebensnerv: Viele Betriebe hängen am Autoverkehr – Mietwagenfirmen, Restaurants abseits der Strände, Finca-Verkehr. Ein allzu rigider Ansatz kann lokale Wirtschaftszweige stark treffen.
Was in der Debatte fehlt: belastbare Zahlen und eine transparente Kosten-Nutzen-Rechnung. Wie viele der heutigen Staus werden wirklich von Urlaubern mit Mietwagen verursacht? Welche Strecken sind betroffen? Wer wäre Gewinner, wer Verlierer dieser Regelung? Ohne Pilotdaten bleibt vieles Mutmaßung. Ebenfalls kaum thematisiert wird die Frage, wie Nachbarinseln, Fährgesellschaften und das spanische Verkehrsrecht eingebunden werden müssten.
Quelle: Agenturen





