Mehr als 20 Jahre nach der Havarie der Prestige und der anschließenden Verschmutzung erlebt Galicien denselben Albtraum erneut. Vor der Nordküste Portugals hat ein Schiff sechs Container verloren. Diese Verschmutzung wird nun in Spanien angespült und sorgt für schreckliche Szenen. „Ich habe einen Fisch aufgeschnitten und lauter weiße Kügelchen gefunden“, berichtet ein Fischer aus der Region.
Das Frachtschiff Toconao war im Auftrag einer deutschen Firma für eine auf den Bermudas ansässige Reederei unter liberianischer Flagge unterwegs. Es verlor sechs Container auf offener See. Einer dieser Container enthielt tausend Säcke mit jeweils fünfundzwanzig Kilogramm Plastikkügelchen. Diese Kügelchen werden im Englischen Nurdles genannt und sind die Bausteine für andere Kunststoffprodukte. Die Kügelchen verteilten sich über eine Küstenlänge von etwa 1.500 Kilometern von Vigo bis Ribadeo. Ein einziger Beutel kam in einem Stück am Strand an, aber viele wurden von der Brandung aufgerissen.
Die winzigen Kugeln sind durchsichtig und werden manchmal als Meerjungfrauen-Tränen bezeichnet. Hinter diesem unschuldigen Namen verbirgt sich jedoch ein Produkt, das aus Erdöl gewonnen wird, dem Hauptrohstoff der Kunststoffindustrie. Sie sind die Bausteine, aus denen Plastikflaschen, Fernsehgeräte oder andere Geräte gebaut werden.
In fast allen Küstendörfern, von Barreiros (Lugo), Ferrol, Costa da Morte bis Cangas, wurden bereits Spuren dieses Stoffes gefunden. Auch in Asturien, Kantabrien und dem Baskenland werden Pläne zur Bekämpfung der Umweltverschmutzung entwickelt. Inzwischen hat sich auch die Zentralregierung eingeschaltet, da mehrere autonome Regionen von der Verschmutzung der Strände und des Meerwassers betroffen sind.
Die heftigen Regenfälle im Dezember waren bereits ein schwerer Schlag für die Fischereibetriebe. So viel Süßwasser gelangte auf einmal ins Meer, dass viele Meeresfrüchte starben. Diese Verschmutzung ist ein zweiter schwerer Schlag für die Fischer.
An den Stränden machen sich Freiwillige und Gemeindearbeiter an die schwierige Aufräumarbeit. Sie verwenden robuste Besen, Harken, Kehrmaschinen, Handschuhe und Siebe, um den Sand zu filtern. Die Körnchen sind so klein, dass man sie kaum sehen kann. Es scheint eine unlösbare Aufgabe zu sein, und die Frustration in Nordspanien ist groß, während die Menschen überlegen, wie sie das Problem am besten in den Griff bekommen können.
Quelle: Agenturen




