Die Mieten in Spanien steigen unaufhörlich. Im vergangenen Jahr stiegen die Preise um durchschnittlich 8,5 Prozent. Der Quadratmeter kostet mittlerweile fast fünfzehn Euro; für eine durchschnittliche Wohnung bedeutet das etwa 1.184 Euro pro Monat. In Städten wie Barcelona, Valencia, Málaga und Palma de Mallorca liegen die Beträge noch höher.
Für viele Haushalte verschlingt die Miete 40 bis 60 Prozent des Einkommens. Alles über 30 bis 35 Prozent gilt als finanziell riskant, aber für viele Mieter ist dies die tägliche Realität.
Berufseinsteiger, junge Familien und Alleinstehende spüren dies als Erste. Sparen ist kaum möglich, der Kauf einer Immobilie rückt in weite Ferne. Was einst eine vorübergehende Lösung war, wird zu einer dauerhaften Situation. Die Folgen sind deutlich spürbar: weniger Ausgaben, aufgeschobene Pläne, längere Arbeitstage. Das Wohnen bestimmt das gesamte Budget.
Für viele Menschen ist die Suche nach einer bezahlbaren Wohnung mittlerweile eine tägliche Quelle von Stress. Mieten und Immobilienpreise steigen stetig, während die Einkommen hinterherhinken. Immer mehr Haushalte müssen sich den Kopf zerbrechen, um über die Runden zu kommen.
Dieses Gefühl ist weit verbreitet. Eine aktuelle Umfrage des Forschungsinstituts DYM, die im Auftrag der Zeitung 20minutos durchgeführt wurde, zeigt, dass das Wohnen derzeit das größte Anliegen der Spanier ist. Mehr als die Hälfte der Befragten ist der Meinung, dass die Wohnungsknappheit für die Regierung oberste Priorität haben sollte.
Damit ist das Problem längst keine Frage des individuellen Pechs mehr, sondern eine nationale Krise.
Nicht nur Mieter und Makler schlagen Alarm. Auch die Europäische Zentralbank hat bereits zuvor ihre Besorgnis über den spanischen Wohnungsmarkt zum Ausdruck gebracht. Nach Ansicht der Bank liegen die Immobilienpreise in Spanien weit über dem Niveau, das durch die Einkommen und das Wirtschaftswachstum gerechtfertigt wäre. Das macht den Markt anfällig. Ein plötzlicher Einbruch könnte Bauprojekte zum Erliegen bringen und der Wirtschaft schaden, ohne dass Mieten automatisch erschwinglicher werden. Vor allem junge Menschen und Menschen mit niedrigem Einkommen zahlen dafür den Preis. Für sie werden sowohl Kauf als auch Miete immer unerschwinglicher.
Die Ursache der Mietkrise ist einfach und hartnäckig: Die Nachfrage wächst schneller als das Angebot. Wo Vermieter früher ein paar Interessenten hatten, bewerben sich heute manchmal zwanzig Kandidaten für eine Wohnung. Einzelbesichtigungen werden zu Besichtigungstagen, und wer sich nicht sofort entscheidet, geht leer aus.
Neue Bauprojekte können mit dem Tempo nicht mithalten. Genehmigungen dauern lange, Bauland ist knapp und es mangelt an Fachkräften. Dadurch bleibt der strukturelle Mangel an bezahlbaren Mietwohnungen in den spanischen Großstädten bestehen. Dass sich der Preisanstieg nun etwas abschwächt, bedeutet also nicht, dass das Mieten billiger wird, sondern vor allem, dass die Mieter ihre Grenze erreicht haben.
Immer mehr Menschen ziehen deshalb in Randgebiete. Rund um Madrid ziehen Mieter nach Toledo oder Guadalajara. Rund um Barcelona suchen die Bewohner ihr Heil weiter im Landesinneren oder entlang der Küste außerhalb der Metropole. Die Mieten sinken dort manchmal um Hunderte von Euro pro Monat, aber die Fahrzeit verlängert sich. Eine zusätzliche Stunde Pendeln pro Tag ist für viele keine Ausnahme.
Wer nicht umziehen möchte, sucht nach anderen Lösungen: ein Zimmer mieten, mit Freunden zusammenziehen oder sich für Wohngemeinschaften entscheiden. Das sind praktische Notmaßnahmen, selten eine gewünschte Wahl.
Die Behörden investieren inzwischen mehr in bezahlbare und geschützte Mietwohnungen. Der Anteil sozialer Neubauten steigt und zusätzliche Mittel fließen in öffentliche Projekte. Aber Neubauten brauchen Zeit. Zwischen Planung und Fertigstellung liegen Jahre. Bis die ersten Mieter den Schlüssel erhalten, hat sich der Markt bereits wieder verändert. Das Tempo ist zu langsam, um den Mangel an bezahlbarem Wohnraum in Spanien schnell zu beheben.
Die Aussichten bieten wenig Entlastung. Experten gehen davon aus, dass die Mieten weiter steigen werden, wenn auch weniger explosionsartig als zuvor. Damit verändert sich der Charakter der Stadt. Wer dort arbeitet, kann es sich nicht mehr selbstverständlich leisten, in derselben Stadt zu wohnen. Lehrer, Pflegekräfte und Berufseinsteiger ziehen daher immer häufiger in Vororte und Provinzstädte.
So droht die spanische Stadt für alle, die sich dort ein Leben aufbauen wollen, unerschwinglich zu werden. Mieten ist keine Wahl mehr, sondern eine Notwendigkeit geworden.
Quelle: Agenturen





