Migration statt Grenzschliessungen?

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Während viele europäische Länder ihre Grenzen für Migranten immer weiter schließen, schlägt Spanien einen deutlich anderen Kurs ein. Unter der Führung von Ministerpräsident Pedro Sánchez setzt das Land auf eine großzügige Migrationspolitik. Seit 2021 haben bereits rund 700.000 Migranten ohne Papiere eine Aufenthaltsgenehmigung erhalten, und es gibt Pläne, diese Zahl weiter zu erhöhen.

Dies ist eine bewusste Entscheidung der sozialistischen Regierung. Wie viele andere europäische Länder hat Spanien mit einer alternden Bevölkerung und Personalmangel in Branchen wie dem Bauwesen, dem Gesundheitswesen, dem Gastgewerbe und der Technik zu kämpfen. Nach Ansicht der Regierung ist Migration daher kein Problem, sondern eine Lösung.

Im Gegensatz zu Ländern wie Deutschland, Italien oder Frankreich, wo der politische Druck zur Begrenzung der Migration immer größer wird, setzt Spanien auf Legalisierung und Integration. So wurde 2022 ein Gesetz verabschiedet, das Migranten die Arbeitssuche, den Erwerb von Aufenthaltsrechten und die Eintragung in kommunale Register erleichtert.

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Darüber hinaus wurde kürzlich eine Bürgerinitiative im Parlament verabschiedet, sodass nun an einem Gesetz gearbeitet wird, das möglicherweise bis zu einer Million Migranten in Spanien einen legalen Aufenthalt ermöglichen könnte. Dieser Prozess erfolgt über eine Sonderregelung, nach der Migranten, die bereits seit mindestens zwei Jahren in Spanien leben, durch Arbeit oder Ausbildung einen legalen Status erhalten können, wenn sie strenge Bedingungen erfüllen.

Ökonomen zufolge trägt die Migration direkt zur spanischen Wirtschaft bei. Etwa ein Viertel des Wirtschaftswachstums Spaniens in den letzten Jahren ist auf Migranten zurückzuführen. Im Jahr 2023 wuchs die Wirtschaft um drei Prozent, während der Durchschnitt in anderen EU-Ländern bei etwa einem Prozent lag.

Gleichzeitig wächst auch die gesellschaftliche Debatte. Obwohl viele Spanierinnen und Spanier Migration positiv gegenüberstehen, unter anderem aufgrund historischer Verbindungen zu Lateinamerika, gibt eine Mehrheit in aktuellen Umfragen an, dass es „zu viele” Migrantinnen und Migranten gibt. Dabei spielt die Angst vor Verdrängung auf dem Arbeitsmarkt eine Rolle. Tatsache ist jedoch, dass die meisten Migranten gerade die Arbeiten verrichten, die Spanier selbst nicht mehr machen wollen, beispielsweise im Baugewerbe, im Gastgewerbe und in der Landwirtschaft.

Premierminister Sánchez lässt sich davon jedoch nicht abschrecken. Er bezeichnet Migration als Notwendigkeit und Chance und betont, dass Spanien historisch gesehen immer ein Land der Auswanderung und Einwanderung gewesen sei. Seiner Meinung nach hat Spanien eine moralische und wirtschaftliche Pflicht, Migranten aufzunehmen.

Quelle: Agenturen