Spanien scheint gegenüber neuen Erschütterungen auf dem Energiemarkt widerstandsfähiger zu sein als viele andere europäische Länder. Während Spannungen im Nahen Osten erneut für Unruhe rund um Gas und Öl sorgen, profitieren spanische Haushalte von jahrelangen Investitionen in Solar- und Windenergie. Dadurch bleiben die Strompreise in Spanien auffallend niedrig.
Laut Euronews hat Spanien seit 2019 seine Kapazitäten für Solar- und Windenergie verdoppelt. Insgesamt kamen mehr als 40 Gigawatt hinzu. Nur Deutschland hat innerhalb der Europäischen Union mehr getan, aber dieses Land verfügt auch über einen viel größeren Strommarkt. Durch dieses Wachstum ist der spanische Strompreis weniger abhängig von Gas geworden.
Dieser Unterschied ist laut dem Energie-Thinktank Ember deutlich sichtbar. Der Einfluss teurer fossiler Kraftwerke auf den Strompreis soll seit 2019 um 75 Prozent zurückgegangen sein. Das bedeutet, dass Preisschocks auf dem Gasmarkt weniger schnell an die Haushalte weitergegeben werden. Gerade jetzt, wo Gas wieder teurer wird, verschafft dies Spanien einen wichtigen Vorteil.
Auch im Bereich der Importe spart Spanien viel Geld. Zwischen 2020 und 2024 senkte das Land laut Ember seine Importkosten im Stromsektor stärker als jedes andere EU-Land. Neue Solar- und Windparks ermöglichten es, 26 Milliarden Kubikmeter Gasimporte einzusparen, was einem Wert von 13,5 Milliarden Euro entspricht.
Für die Verbraucher hat das direkte Auswirkungen. Während Spanien 2019 noch zu den Ländern mit den höchsten Strompreisen in Europa gehörte, zählt es Anfang 2026 geradezu zu den Ländern mit den niedrigsten Preisen. Im August 2025 nutzte Spanien sogar überhaupt keine Kohlekraftwerke mehr zur Stromerzeugung. Das zeigt, wie schnell sich der Energiemix verändert hat.
Dennoch ist die Arbeit noch nicht getan. Wie in vielen anderen europäischen Ländern bleibt die Energiespeicherung eine Schwachstelle. Spanien verfügt derzeit über etwa 120 Megawatt Batteriekapazität und hinkt damit anderen Ländern hinterher. Mehr Speicherkapazität ist erforderlich, um Solar- und Windenergie auch in weniger sonnigen oder windstillen Zeiten optimal zu nutzen.
Die Lehre daraus ist laut Energieexperten klar. Erneuerbare Energien erfordern zunächst Investitionen, führen danach aber zu stabileren und oft niedrigeren Kosten als fossile Brennstoffe, die ständig importiert werden müssen. Für Spanien bedeutet das nicht nur eine niedrigere Energierechnung, sondern auch mehr Unabhängigkeit in unsicheren Zeiten.
Quelle: Agenturen





