Nitratgehalt im Trinkwasser über dem vorgeschlagenen Risikogrenzwert

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In mehr als der Hälfte der spanischen Gemeinden, in denen Nitratmessungen durchgeführt werden, lag der Gehalt im Jahr 2024 zu einem bestimmten Zeitpunkt über 6 Milligramm pro Liter. Dies geht aus einer neuen wissenschaftlichen Bewertung und Zahlen aus dem spanischen Trinkwasserregister SINAC hervor, wie Greenpeace mitteilt. Der derzeitige gesetzliche Grenzwert liegt nach wie vor bei 50 Milligramm pro Liter.

Anlass für die Warnung ist eine internationale wissenschaftliche Bewertung, die im Auftrag des dänischen Umweltministeriums durchgeführt wurde. Den Forschern zufolge können Nitrate im Trinkwasser bereits bei weitaus niedrigeren Konzentrationen Gesundheitsrisiken bergen, als es die aktuelle Gesetzgebung vorsieht.

Sie empfehlen daher, den derzeitigen gesetzlichen Grenzwert von 50 Milligramm pro Liter auf 6 Milligramm pro Liter zu senken. Das ist fast neunmal weniger. Der bestehende Grenzwert wurde damals eingeführt, um vor allem Säuglinge vor akuten Gesundheitsproblemen zu schützen, doch inzwischen liegen weitaus mehr Forschungsergebnisse zu den möglichen Folgen einer langfristigen Exposition vor, auch für Erwachsene.

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Greenpeace stellt diese neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse den Zahlen aus dem spanischen Trinkwasserregister SINAC des Gesundheitsministeriums gegenüber. Daraus geht hervor, dass in 332 Gemeinden das Leitungswasser im Jahr 2024 zu einem bestimmten Zeitpunkt nicht trinkbar war, da der gesetzliche Grenzwert von 50 Milligramm pro Liter überschritten wurde.

Die Forschungsplattform DATADISTA stellte diese Zahlen in einen breiteren Kontext. Ihrer Analyse zufolge konnten im Jahr 2024 mindestens 257.000 Menschen in diesen 332 Gemeinden das Leitungswasser vorübergehend nicht zum Trinken, Kochen oder Zähneputzen verwenden.

DATADISTA weist auch darauf hin, dass die Zahl der betroffenen Gemeinden deutlich gestiegen ist. Im Jahr 2024 lag diese Zahl um 29 Prozent höher als ein Jahr zuvor und sogar um 94 Prozent höher als vor zwei Jahren. Ein Teil dieses Anstiegs hängt mit einer besseren Berichterstattung zusammen: Immer mehr Gemeinden übermitteln mittlerweile Messdaten. Dadurch werden Probleme sichtbarer. Gleichzeitig zeigt dies, dass die Überwachung noch immer nicht überall auf dem neuesten Stand ist.

Hält man nicht den aktuellen gesetzlichen Grenzwert ein, sondern den viel niedrigeren, wissenschaftlich vorgeschlagenen Grenzwert von 6 Milligramm pro Liter, ändert sich das Bild grundlegend. Laut Greenpeace betraf dies dann 3.192 Gemeinden, also 51,17 Prozent aller Gemeinden, für die Nitratmessungen vorliegen. Zudem ist in fast einem Viertel der spanischen Gemeinden nicht klar, wie hoch der Nitratgehalt genau ist, da ausreichende Messdaten fehlen.

Neben Gemeinden, in denen der gesetzliche Grenzwert überschritten wird, gibt es noch eine Zwischenkategorie, die weniger Beachtung findet, aber viel über das Ausmaß des Problems aussagt. Seit 2023 müssen Wasserbehörden in Spanien bereits eingreifen, wenn ein Wert über einen längeren Zeitraum 30 Milligramm pro Liter überschreitet. Solche Gebiete gelten als kritische Zonen: Das Wasser ist dort formal noch trinkbar, aber die Verschmutzung ist strukturell hoch genug, um Maßnahmen zu erfordern.

Laut einer Analyse von DATADISTA über die letzten drei Jahre leben mehr als eine Million Menschen in solchen kritischen Zonen. Damit wird deutlich, dass das Problem weitaus größer ist als nur die Gemeinden, in denen der gesetzliche Grenzwert bereits überschritten wurde.

Die höchsten Werte werden laut Greenpeace in Kastilien und León gemeldet, wo in 987 Gemeinden der Grenzwert von 6 Milligramm pro Liter erreicht oder überschritten wurde. In 198 dieser Gemeinden lag die Konzentration sogar über dem derzeitigen gesetzlichen Grenzwert von 50 Milligramm pro Liter. Es folgen Katalonien mit 413 Gemeinden, Andalusien mit 370, die Region Valencia mit 330, Kastilien-La Mancha mit 309, Aragonien mit 305 und Galicien mit 111.

Diese regionale Verteilung passt laut Greenpeace zu Gebieten, in denen intensive Landwirtschaft und großflächige Viehzucht stark vertreten sind. Nitrate gelangen vor allem durch den Einsatz von Kunstdünger und durch Gülleüberschüsse aus der Viehzucht in das Grund- und Oberflächenwasser. Wenn der Boden diese Mengen nicht mehr aufnehmen kann, sickert der Überschuss ins Grundwasser, das für viele Dörfer eine wichtige Trinkwasserquelle darstellt.

Nach europäischen Schätzungen stehen 81 Prozent des Stickstoffs aus der Landwirtschaft, der in Gewässer gelangt, direkt oder indirekt im Zusammenhang mit der Viehzucht. Greenpeace weist darauf hin, dass die Nitratverschmutzung dadurch nicht nur Auswirkungen auf die öffentliche Gesundheit hat, sondern auch auf empfindliche Natur- und Wassergebiete wie das Mar Menor in Murcia und den galicischen Stausee As Conchas in der Provinz Ourense.

Wie greifbar dieses Problem ist, zeigt ein Bürgerwissenschaftsprojekt der Universität von Burgos. Anfang 2024 analysierten Forscher mehr als 300 Wasserproben, die von Einwohnern der Provinz eingereicht worden waren. An 39 der 146 untersuchten Orte lag der Nitratgehalt im Leitungswasser über dem gesetzlichen Grenzwert von 50 Milligramm pro Liter.

Den Forschern zufolge könnten dadurch mindestens 53.341 Einwohner der Provinz Wasser ausgesetzt sein, das nicht zum Verzehr geeignet ist. Auffällig war zudem, dass sich auch viele natürliche Quellen als unsicher erwiesen: Von den 83 untersuchten Quellen überschritten 41 Prozent den Grenzwert. Die Universität warnte, dass die Bewohner manchmal unwissentlich Leitungs- oder Quellwasser verwendeten, das nach den geltenden Normen nicht trinkbar war.

Die Diskussion über Nitratverschmutzung, Trinkwassernormen und die Verantwortung von Landwirtschaft und Viehzucht wird in Spanien schon seit längerem geführt. Das Ministerium für ökologischen Wandel betrachtet die Nitratverschmutzung als das größte Problem für die Qualität der spanischen Gewässer.

Im Jahr 2024 wurde Spanien zudem vom Gerichtshof der Europäischen Union verurteilt, weil das Land nicht genug unternommen hatte, um die Wasserverschmutzung durch Nitrate zu bekämpfen. Dieses Urteil führte zwar nicht unmittelbar zu einer neuen Trinkwassernorm, erhöhte jedoch den Druck auf Spanien und die Regionen, gefährdete Gebiete besser auszuweisen und die Maßnahmen zu verschärfen.

Mit diesen Zahlen versucht Greenpeace, den Druck auf die spanische Regierung weiter zu erhöhen. Die Umweltorganisation fordert den spanischen Gesundheitsminister auf, das Vorsorgeprinzip anzuwenden und die maximal zulässige Nitratmenge im Trinkwasser so schnell wie möglich zu senken.

Greenpeace bringt das Problem ausdrücklich mit dem großflächigen Einsatz von Kunstdünger und dem Ausmaß der intensiven Viehzucht in Spanien in Verbindung. Dabei weist die Organisation darauf hin, dass im Jahr 2025 erneut ein Rekord bei der Zahl der für den menschlichen Verzehr geschlachteten Tiere erreicht wurde: fast 1 Milliarde.

Auch bei den Wasserversorgungsunternehmen und Gemeinden wächst die Unruhe. Laut DATADISTA verfügen vor allem kleine Gemeinden und lokale Verwalter oft nicht über ausreichende technische Kapazitäten, um die vorgeschriebenen Wassersicherheitspläne zu erstellen, die in kritischen Gebieten erforderlich sind. Dadurch entsteht eine bittere Situation: Die Verschmutzung wird anderswo verursacht, doch die Kosten für Überwachung, zusätzliche Kontrollen und Reinigung gehen oft zu Lasten des Trinkwassersektors und der Gemeinden.

Der Branchenverband AEOPAS warnt daher, dass das Problem nicht allein durch teurere Reinigungstechniken gelöst werden kann. Nach Ansicht des Verbandes muss der Schutz der Wassergewinnungsanlagen viel ernsthafter angegangen werden, damit Verschmutzungen bereits an der Quelle verhindert werden.

Quelle: Agenturen