RAMÓN LLULL

Ramón Llull kam im Jahr 1232 oder 1233 auf der Insel Mallorca zur Welt. Seine Eltern stammten aus Barcelona . Sie waren unmittelbar nach der Eroberung nach Mallorca gezogen. Er war der Erzieher des künftigen Königs von Mallorca, Jaime II. Er heiratete Blanca Picany, mit der er zwei Kinder bekam: Domingo und Magdalena. Magdalena war übrigens mit dem Adeligen Pere Sentmenat verheiratet.

Lull widmete sich der Poetik als Troubadour und mit sinnlichen Gedichten. Im Alter von 30 Jahren litt er unter einer spirituellen Krise, die sich in Form von mehrfachen Erscheinungen von Jesus am Kreuz zeigte. Gleich fünf Mal hatte er diese Vision, sodass er sich entschloss, sein Leben radikal zu ändern. So wurde er ein „Gaukler Gottes”, wie er sich selber beschrieb. Er verließ seine Familie und widmete sich vollends dem Studium. Zudem war er als Schriftsteller, Philosoph, Prediger und Missionar tätig.

Irgendwann um 1265 nahm er sein neunjähriges Studium auf. Er kaufte sich einen Sklaven, mit dem er die arabische Sprache erlernte. In jener Epoche reiften seine drei Lebensziele heran: Er wollte den Ungläubigen bis zum Martyrium predigen. Er plante ein Buch gegen die Fehler jener Ungläubigen und wollte Klosterschulen errichten, in denen er Arabisch und weitere orientalische Sprachen lehren wollte, um Missionare auszubilden. Er schrieb zudem seine ersten Werke mit Bezug auf die Bibel, den Koran und die Sufi-Botschaft, beispielsweise El Libro de contemplación en Dios (Das Buch der Besinnung auf Gott).

Im Jahr 1274 zog sich Llull in das Gebirge von Randa zurück, wo er die Offenbarung seiner Kunstform „Arte Luliana” mit der Episode „Die Erleuchtung” hatte. Mit der Kunst konzipiert er ein philosophisches System, das universell einsetzbar ist, um die Wahrheit zu finden. Es wäre zugleich untrüglich für die Bekehrung der Ungläubigen.

Das Jahr 1276 wurde vor allem vom jungen König von Mallorca beherrscht, Jaime II. Das Kloster von Miramar wurde gegründet und mit 13 Franziskaner-Mönchen besetzt, die sich dem Studium des Arabischen und der „Arte Luliana” widmeten, um die Ungläubigen zu bekehren. Ein Großteil seines Lebens widmete Ramón Llull dem Bekanntwerden seiner Kunst. Die Literatur, die als Mittel eingesetzt wurde, um seine Ziele bekannt zu machen, sollte ebenfalls von Llull gepflegt werden. Er schreibt in drei Sprachen: Katalanisch, Latein und Arabisch.

Als begeisterter Reisender tritt Ramón Llull mit all den mediterranen Glanzlichtern seiner Epoche in Verbindung. Dokumentiert sind seine Aufenthalte in Montpellier, Paris , Genf, Pisa, Neapel, Rom , Avignon, Tunesien, Algerien, Armenien und Zypern. Stets war er auf der Suche nach neuen Erkenntnissen und Ressourcen und konzentrierte sich auf die Ausstellung seiner Kunst. In Montpellier schrieb er um 1283 seine bekannte Novelle Blanquerna, die ein wahres Schmuckstück der mystischen Literatur enthält, das Llibre d’amic i Amat (Das Buch vom Freunde und vom Geliebten).

Im Jahr 1287 besuchte Llull zum ersten Mal den Papst, um die Gründung von Klöstern und die Eroberung des Heiligen Landes anzutreiben. Außerdem besuchte er König Felipe IV in Paris. Hier erhält er das Lehramt in Kunst und doziert seine Philosophie an der Sorbonne.

Llull besuchte mehrfach den Norden Afrikas (konkret Bougie und Tunesien), um mit moslemischen Theologen zu disputieren. Ende des Jahres 1315 befand er sich offenbar auf einer seiner Missionarsreisen in Tunesien. Ungefähr im März des darauffolgenden Jahres starb Llull im Alter von 83 oder 84 Jahren. Man weiß nicht genau, ob er in Tunesien, auf Mallorca oder während seiner Reise aus Afrika zurück in die Heimat gestorben ist. Was seinen Tod angeht, wurde eine Legende gestrickt, wonach Llull als Märtyrer gestorben ist. Seine Grabstätte befindet sich in der Basilika Sant Francesc in Palma.

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