ROBERT GRAVES

Robert von Ranke Graves erblickte am 24. Juli 1895 in Wimbledon, London das Licht der Welt. Er nahm in einem Regiment walisischer Füsiliere am Ersten Weltkrieg teil. Seinen ersten Gedichtband, Over the brazier, veröffentlichte er im Jahre 1916, späterhin versuchte er jedoch seine Kriegspoesie zu vernichten. Bei der Schlacht an der Somme wurde er so stark verletzt, dass seine Familie über seinen Tod informiert wurde. Trotz allem erholte er sich, wenn seine Lungen auch noch stark von den Folgen der Verletzungen gezeichnet blieben. Nach einem kurzen Aufenthalt in Frankreich verbrachte er den Rest des Krieges in England.

Im Jahre 1918 heiratete Graves Nancy Nicholson und trat ins St John’s College in Oxford ein. 1926 war er Professor an der Universität von Kairo, wohin ihn seine Frau und seine Kinder begleiteten. Für kurze Zeit kehrte er nach London zurück, wo er die Beziehung zu seiner Frau beendete. Er fühlte sich zu der US-amerikanischen Schriftstellerin Laura Riding hingezogen und die beiden veröffentlichten Bücher über ihren Privatverlag Seizin Press, gründeten die literarische Zeitschrift Epilogue und gaben sie heraus. Gemeinsam schrieben sie zwei akademische Bücher: A Survey of Modernist Poetry (1927) und A Pamphlet Against Anthologies (1928), die großen Einfluss auf die moderne Literaturkritik ausübten. 1927 veröffentlichte Graves Lawrence and the Arabs, eine Biographie über T. E. Lawrence.

In Begleitung von Laura Riding ließ er sich 1929 in Deià nieder. Er lebte einige Zeit in dem Haus Ca sa Salerosa, und späterhin in einem Haus namens Ca n’Alluny, das er einen guten Kilometer vom Dorf entfernt erbauen ließ. Hier richtete er die Buchdruckerei Seizin Press ein, mittels der er mehrere seiner Werke, wie auch die anderer Autoren herausgab. Im Jahre 1929 veröffentlichte er Goodbye to All That. Im Jahre 1934 kam sein berühmtestes Werk, I, Claudius heraus; es handelt von der Lebensgeschichte des römischen Kaisers Claudius, die in Claudius the God (1935) fortgeführt wird. Ein weiterer historischer Roman war Count Belisarius (1938), der den beruflichen Werdegang des byzantinischen Generals beschreibt.

1936 mussten Graves und Riding Mallorca aufgrund des Spanischen Bürgerkrieges verlassen. Sie lebten einige Zeit in der Schweiz und in Frankreich. 1939 zogen sie in die Staaten und kamen in New Hope, Pennsylvania unter, wo sich das Paar trennte. Graves kehrte nach England zurück und begann eine Beziehung mit Beryl Hodge, der Ehefrau von Alan Hodge. 1941 veröffentlichte er The Long Weekend, das in Zusammenarbeit mit Alan Hodge entstanden war; dieser wirkte auch bei The Reader Over Your Shoulder (1943) mit, einem Buch über klares Schreiben. 1946 kehrten Graves und Beryl nach Deià zurück; noch im selben Jahr brachte Graves den historischen Roman King Jesus und den mythologischen The Golden Fleece, über die Expedition der Argonauten. 1948 veröffentlichte er The White Goddess und 1953 The Nazarene Gospel Restored, mit Joshua Podro. 1955 erschien The Greek Myths und 1956 ein Band mit Geschichten: Catacrok! Mostly Stories, Mostly Funny. 1961 wurde er zum Professor für Poesie in Oxford ernannt und hielt dieses Amt bis 1966 inne.

Sein Haus in Deià wurde zu einer Art Mekka für Ikonoklasten und Rebellen aller Art. Da er glaubte, dass die Liebe das einzig wahre Thema in der Poesie sei, beschränkte er einen Großteil seines poetischen Werkes auf Kurzgedichte, von denen viele nur über das Verständnis seines Werk The White Goddess vollständig erschlossen werden können. Ein Teil seiner Werke bezieht sich im besonderen auf Deià und im allgemeinen auf Mallorca, wie z. B. sein Essay Mallorca Observed von 1965. 1986 wurde eine seiner Arbeiten über die mallorquinischen Chuetas (Nachfahren von Kryptojuden des ausgehenden 17. Jh.) veröffentlicht: A Dead Branch on the Tree of Israel (Ein toter Zweig des Judentums). Graves hatte acht Kinder, Jenny, David, Catherine und Sam, mit Nancy Nicholson; und William, Lucia, Joan und Tomàs, mit Beryl Graves. Im Alter von 90 Jahren starb er am 7. Dezember 1985 in Deià. Sein Grab befindet sich auf dem Friedhof von Deià, neben der Kirche.

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