Die Art und Weise, wie die Spanier den Tourismus sehen, hat sich bis 2025 deutlich verschlechtert. Laut einer neuen Studie befindet sich das Image der Branche trotz erneut rekordverdächtiger Besucherzahlen auf dem niedrigsten Stand seit vier Jahren.
Aus der neuesten Ausgabe des Barómetro de Percepción Turística geht hervor, dass der Tourismus in Spanien im Durchschnitt eine Bewertung von 5,4 von 10 Punkten erhält. Das ist weniger als in den Vorjahren und zeigt, dass immer mehr Einwohner kritischer werden. Die Studie befasst sich nicht mit der Anzahl der Touristen, sondern damit, wie der Tourismus von der Bevölkerung diskutiert und erlebt wird, insbesondere in Online-Diskussionen und sozialen Medien.
Einer der Hauptgründe für die negative Wahrnehmung ist das Gefühl des Massentourismus. In vielen Städten und beliebten Regionen empfinden die Einwohner, dass es zu voll wird. Vor allem in Großstädten und Küstengebieten beklagen sich die Menschen über volle Straßen, Belästigungen und den Verlust der Lebensqualität in ihrem eigenen Viertel.
Auch der Wohnungsmarkt spielt eine große Rolle. Viele Spanier sehen einen direkten Zusammenhang zwischen Tourismus und steigenden Miet- und Kaufpreisen. Ferienvermietungen und Kurzzeitvermietungen würden es für junge Menschen und Familien immer schwieriger machen, eine bezahlbare Wohnung zu finden, insbesondere in Regionen wie Katalonien, Madrid und Andalusien.
Die Untersuchung zeigt auch deutliche regionale Unterschiede. Katalonien hat mit 4,0 Punkten die niedrigste Punktzahl, gefolgt von der Region Valencia mit 4,8 Punkten, Madrid mit 4,9 Punkten, dem Baskenland mit 5,0 Punkten, den Balearen mit 5,1 Punkten, Galicien mit 5,2 Punkten und Andalusien mit 5,4 Punkten. Die Kanarischen Inseln schneiden mit 5,5 Punkten etwas besser ab, allerdings gibt es auch dort Bedenken hinsichtlich der Überfüllung und der Immobilienpreise. Die Regionen Kastilien und León sowie Aragón schneiden mit 7,0 bzw. 7,2 Punkten am besten ab.
Im Jahr 2025 empfing Spanien rund 97 Millionen ausländische Touristen, ein neuer Rekord. Der Sektor sorgt für Einnahmen in Milliardenhöhe und ist für die Beschäftigung in vielen Regionen von Bedeutung.
Die Kluft zwischen wirtschaftlichen Erfolgen und der Stimmung in der Bevölkerung wird immer größer. Regionen im Landesinneren und im Norden Spaniens schneiden mit Bewertungen um 5,8 Punkte im Durchschnitt besser ab. Dort wird der Tourismus eher als kleiner und besser mit dem Alltag der Einwohner vereinbar angesehen. Den Forschern zufolge ist dies ein klares Signal für Regierungen und die Tourismusbranche. Nicht nur Wachstum, sondern auch die Auswirkungen auf das tägliche Leben der Einwohner werden immer wichtiger.
Quelle: Agenturen





