Die Europäische Kommission (EK) hat das spanische System zur Vergabe von Konzessionen für Strandbars, auch Chiringuitos genannt, kritisiert. Dieses System wird in vielen Küstengemeinden angewandt, um Lizenzen an Unternehmer zu vergeben, die Strandbars betreiben, verstößt aber nach Ansicht der Kommission gegen europäische Vorschriften.
Nach Ansicht der Europäischen Kommission erhalten die Betreiber oft langfristige Lizenzen, die in einigen Fällen sogar automatisch verlängert werden. Dies verstößt gegen die europäische Richtlinie, die einen fairen und transparenten Wettbewerb im öffentlichen Raum vorschreibt. Das Problem tritt vor allem in Tourismusregionen wie Andalusien, Valencia und den Balearen auf, wo Strandbars ein wesentlicher Bestandteil des Tourismus und der lokalen Wirtschaft sind.
Der Ursprung des Konflikts liegt in der Bolkenstein-Richtlinie aus dem Jahr 2006, die vorschreibt, dass Lizenzen für gewerbliche Tätigkeiten auf öffentlichem Grund nach ihrem Ablauf öffentlich neu ausgeschrieben werden müssen. In Spanien wird dies jedoch häufig durch Verlängerungen ohne öffentliche Ausschreibung umgangen. Bei der Europäischen Kommission sind mehrere Beschwerden von Betreibern eingegangen, die sich durch dieses System benachteiligt fühlen.
In vielen beliebten Küstenorten wie Marbella und Benidorm werden die Lizenzen manchmal für Jahrzehnte vergeben, was neue Unternehmer von der Möglichkeit ausschließt, eine Strandbar zu betreiben. Die Europäische Kommission plädiert dafür, dass Spanien diese Praxis ändert und einen fairen, offenen Wettbewerb einführt.
Die spanische Regierung und die lokalen Behörden kritisieren jedoch den Ansatz der Europäischen Kommission. Sie verweisen auf den kulturellen und wirtschaftlichen Wert der Strandzelte, die oft seit Generationen von denselben Familien betrieben werden. Außerdem befürchten viele Betreiber, dass der Druck aus Brüssel zu unsicheren Verträgen und Arbeitsplatzverlusten führen wird, insbesondere in kleineren Küstengemeinden.
Ein Beispiel dafür ist Katalonien, wo eine große Anzahl von Strandzelten Gefahr läuft, ihre Lizenz zu verlieren. Viele einheimische Unternehmer befürchten, dass neue Ausschreibungen ausländische Unternehmen anlocken werden, zum Nachteil der einheimischen Bevölkerung.
Tourismusexperten weisen darauf hin, dass Strandbars nicht nur einen wirtschaftlichen Wert haben, sondern auch eine kulturelle Tradition darstellen. Die Strandbars sind ein beliebter Anziehungspunkt für Einheimische und Touristen gleichermaßen und spielen eine entscheidende Rolle für das spanische Küstenerlebnis.
Die Europäische Kommission hat Spanien nun förmlich aufgefordert, das Konzessionssystem anzupassen. Kommt Spanien dieser Aufforderung nicht nach, drohen rechtliche Schritte und möglicherweise sogar Geldbußen aus Brüssel. Die Debatte wird mit Sicherheit weitergehen, da die Interessen der lokalen Gemeinden und die europäischen Vorschriften aufeinanderprallen.
Quelle: Agenturen





