Ein Haus in Spanien zu kaufen, das bereits von Hausbesetzern bewohnt wird, klingt wie ein Albtraum. Dennoch kommt dies immer häufiger vor. Vor allem Investoren sehen darin Chancen, da solche Häuser oft mit erheblichen Preisnachlässen angeboten werden. Bevor Sie jedoch glauben, ein Schnäppchen zu machen, sollten Sie sich genau überlegen, worauf Sie sich einlassen.
Eine besetzte Immobilie wird in der Regel unter dem Marktwert verkauft. Preisnachlässe von 30 Prozent bis manchmal sogar 50 Prozent sind keine Ausnahme. Das klingt attraktiv, vor allem in beliebten Regionen, in denen die Immobilienpreise hoch sind. Aber dieser niedrigere Preis hat seinen Grund. Als Käufer übernehmen Sie nämlich das Problem und müssen selbst dafür sorgen, dass die Immobilie geräumt wird.
Wenn Sie ein Haus mit einem Hausbesetzer kaufen, werden Sie automatisch zum neuen Eigentümer und damit auch zu demjenigen, der das Gerichtsverfahren einleiten oder fortsetzen muss. In Spanien gibt es ein beschleunigtes Verfahren gegen illegale Besetzungen. Dabei können Sie über das Gericht eine schnelle Räumung beantragen. Theoretisch klingt das einfach, aber in der Praxis kann es Monate dauern, bis ein Urteil gefällt wird.
Manchmal dauert ein Verfahren sogar mehr als ein Jahr, je nach Auslastung des Gerichts und der konkreten Situation.
Wichtig zu wissen ist, dass nicht jede Besetzung gleich ist. Es gibt einen Unterschied zwischen Hausbesetzern ohne jegliches Recht und Mietern mit einem abgelaufenen Vertrag. Der Prozess kann auch komplizierter werden, wenn sich schutzbedürftige Personen in der Wohnung aufhalten, wie z.B. Minderjährige oder Menschen in einer prekären sozialen Situation. In solchen Fällen kann ein Richter zusätzlichen Schutz gewähren, wodurch sich die Räumung verzögert.
Daher ist es entscheidend, dass Sie vor dem Kauf gründliche Recherchen anstellen. Prüfen Sie, ob bereits ein Gerichtsverfahren läuft und in welcher Phase es sich befindet. Fordern Sie das Grundbuch an und lassen Sie sich von einem spezialisierten Anwalt beraten. So vermeiden Sie unerwartet hohe Kosten oder lange Wartezeiten.
Einige Käufer entscheiden sich dafür, eine Vereinbarung mit dem Hausbesetzer zu treffen. Sie bieten ihm einen Betrag im Austausch für sein freiwilliges Ausziehen an. Dies kann schneller gehen als ein Gerichtsverfahren, bedeutet aber, dass Sie zusätzliches Geld investieren müssen. Außerdem gibt es keine Garantie dafür, dass die Vereinbarungen immer eingehalten werden, wenn sie nicht rechtlich festgehalten sind.
Der Kauf einer Immobilie mit Hausbesetzern kann also eine interessante Investition sein, aber es handelt sich nicht um einen schnellen Gewinn. Sie müssen mit Rechtskosten, möglichen Schäden an der Immobilie und einer Zeit rechnen, in der Sie das Haus nicht nutzen oder vermieten können. Wenn Sie bereit sind, dieses Risiko einzugehen und sich gut beraten lassen, kann es sich letztendlich lohnen. Aber ohne Vorbereitung kann ein Schnäppchen schnell zu einem langwierigen Problem werden.
Quelle: Agenturen



