Kein Volksfest und auch keines der beliebten Dorffeste, bei denen die Teufel ihren Schabernack treiben. Nein, das wichtigste und tief in der spanischen Kultur verwurzelte Ereignis ist die Osterwoche – die Semana Santa. Auch auf Mallorca wird der Kreuzigung und der Auferstehung Christi mit großer Inbrunst gedacht. Eindrucksvolle Prozessionen und emotionale Passionsspiele prägen diese Tage.
Fast unheimlich wirkt es, wenn die Trommeln zwischen den Häusern widerhallen und sich die Nazarenos in ihren langen Gewändern mit brennenden Fackeln einen Weg durch die Menge bahnen. Ihnen folgen die Penitentes, die Büßer, die als Zeichen ihrer Buße ein Holzkreuz auf den Schultern tragen oder barfuß schwere Ketten über den Boden ziehen.
Eindringlich ist auch der Anblick der Gestalten in ihren Büßergewändern. Ihre Gesichter sind von spitzen Kapuzen verhüllt, nur kleine Augenschlitze verbinden sie mit der Außenwelt. Was auf den ersten Blick an die Kleidung des Ku-Klux-Klans erinnert, hat jedoch einen völlig anderen Ursprung. Die Tradition geht auf ein päpstliches Verbot im 14. Jahrhundert zurück: Damals untersagte der Papst öffentliche Bußrituale. Um dennoch anonym Buße leisten zu können, hüllten sich die Gläubigen in lange Mäntel mit spitzen Kapuzen – den sogenannten Capirotes.

Einheimische wie Touristen stehen Spalier, wenn bei den Prozessionen die Costaleros prunkvoll geschmückte Heiligenfiguren durch die Straßen tragen. Es herrscht andächtige Stille. Kein Flüstern, kein Husten, nur die Schritte der Cofrades.
Gänsehautfeeling kommt bei den Passionsspielen auf. In Artà findet die Kreuzigungsdarstellung auf der Burg oberhalb des Ortes statt, von Fackeln zwischen den Zinnen beleuchtet und vom mystischen Summen des Kirchenchors begleitet.
In Felanitx wird die Kreuzabnahme, bewacht von römischen Soldaten, vor der Kulisse des Kirchenportals inszeniert. Danach ziehen bis in die frühen Morgenstunden Prozessionen der Büßer durch die Straßen, begleitet vom dumpfen Rhythmus der Trommeln.
In seinem neuen Bildband „Mallorca – die Magie des Unentdeckten“ zeigt der Münchner Autor und Fotograf Stefan Loiperdinger eindrucksvolle Seiten der Insel abseits der bekannten Postkartenmotive. Neben einsamen Stränden und verborgenen Landschaften erzählt er auch von der Geschichte, Kultur und den lebendigen Traditionen Mallorcas.
Ein Bildband – weit mehr als nur schöne Bilder.







