Wer kann sich die Hotelpreise auf Mallorca noch leisten?

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Eine Hotelübernachtung in Spanien ist längst keine Selbstverständlichkeit mehr. Die Preise sind in sechs Jahren stark gestiegen und scheinen vorerst nicht zu sinken. Wer diesen Sommer ein Zimmer bucht, zahlt Preise, die bis vor kurzem vor allem in Top-Reisezielen außerhalb Spaniens üblich waren. Dieses Bild ergibt sich aus einer Analyse der spanischen Zeitung El País, die die Preisentwicklung im Hotelsektor anhand von Branchenzahlen und Gesprächen mit Hotelunternehmern beschreibt.

Der durchschnittliche Hotelpreis in Spanien liegt mittlerweile bei rund 170 Euro pro Nacht. Für Familien steigen die Kosten schnell an, und eine Woche Urlaub kostet schnell mehr als 2.000 Euro. Damit wird ein Hotelurlaub in Spanien für viele Urlauber unerschwinglich.

Zum Vergleich: Im Jahr 2019 lag der Durchschnittspreis bei rund 120 Euro pro Nacht. Das bedeutet einen Anstieg von mehr als vierzig Prozent in sechs Jahren, was deutlich über dem liegt, was allein mit der Inflation zu erklären ist.

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Hoteliers verweisen in erster Linie auf ihre gestiegenen Kosten. Seit 2022 sind die Energiepreise stark gestiegen. Für Hotels, die viel Strom und Wärme verbrauchen, macht Energie schnell 15 bis 20 Prozent der Gesamtbetriebskosten aus. Hinzu kamen höhere Preise für Lebensmittel und Getränke, die vor allem bei Hotels mit Halbpension oder All-inclusive-Angeboten schnell steigen. Nach Angaben der Unternehmer werden diese Kosten nur teilweise an die Gäste weitergegeben, was für Außenstehende jedoch schwer zu überprüfen ist.

Als sich die Energiepreise stabilisierten, folgte eine zweite Kostenrunde: das Personal. Jahrelang blieben die Löhne in der Branche zurück, aber nach den Inflationsspitzen von 2022 und 2023 kam es zu erheblichen Lohnerhöhungen. Auf den Balearen belaufen sich diese über mehrere Jahre auf mehr als zwanzig Prozent.

Personal ist der größte Kostenfaktor von Hotels und verschlingt bis zur Hälfte des Umsatzes. Höhere Löhne sind strukturell bedingt, und eine Rückkehr zu alten Preisniveaus halten Unternehmer für unrealistisch.

Es gibt jedoch noch weitere Faktoren. International gesehen ist Spanien nach wie vor relativ erschwinglich. Reiseziele wie Marbella, Ibiza und Mallorca sind günstiger als vergleichbare Orte an der Côte d’Azur, in Italien oder Griechenland.

Für Touristen aus den USA, dem Nahen Osten und Teilen Asiens sind spanische Hotelpreise sogar attraktiv. Ihre durchschnittlichen Tagesausgaben liegen oft über 300 Euro. Für sie ist Spanien kein teures Reiseziel, sondern ein qualitativ hochwertiges Schnäppchen.

Das erklärt, warum die Preise weiter steigen. Zwei von drei Hotelübernachtungen in Spanien werden mittlerweile von ausländischen Gästen gebucht. In Vier- und Fünf-Sterne-Hotels ist dieser Anteil sogar noch höher.

Die Preise werden daher immer weniger auf spanische Urlauber und immer mehr auf den internationalen Markt abgestimmt. Wer weniger ausgeben kann, fällt aus der Zielgruppe heraus.

Hoteliers betonen, dass höhere Preise auch mit erheblichen Investitionen zusammenhängen. Viele Hotels wurden in kurzer Zeit renoviert und aufgewertet. Vier und fünf Sterne sind zunehmend die Norm.

Große spanische Ketten wie Barceló und Meliá investieren Hunderte Millionen in Käufe und Renovierungen. Das erhöht den Wert ihrer Immobilien und rechtfertigt ihrer Meinung nach höhere Preise.

Dennoch gibt es Kritik. Investitionen in Gebäude werden nicht immer von Investitionen in Personal begleitet. Die Qualität und Verfügbarkeit von Mitarbeitern hinkt hinter der Preisgestaltung hinterher. Das ist ein Problem, sagen Berater: Wer 400 oder 500 Euro pro Nacht bezahlt, erwartet mehr als nur ein schön eingerichtetes Zimmer.

Genau hier kann die Branche anfällig werden. Hohe Preise ohne entsprechenden Service untergraben die Bereitschaft, wiederzukommen.
Konkurrenz aus dem Mittelmeerraum

Britische und deutsche Touristen weichen zunehmend auf günstigere Alternativen rund um das Mittelmeer aus. Die Türkei ist das deutlichste Beispiel: Das Land zieht mit günstigen Preisen und einem vergleichbaren Angebot eine Rekordzahl von Besuchern an. Auch Spanier suchen nach Alternativen. Manchmal ist eine Reise in die Karibik günstiger als ein Aufenthalt in beliebten Küstenorten im eigenen Land.

Die Analyse von El País weist darauf hin, dass die Nachfrage nicht unbegrenzt elastisch ist. In den letzten Jahren schien der Markt alles aufzunehmen, aber diese Elastizität hat Grenzen. Wenn die Preise weiter steigen, verlagert sich der Tourismus auf andere Reiseziele.
Große Hotelketten können dies dank ihrer internationalen Verbreitung teilweise auffangen. Für kleinere Hotels und regionale Reiseziele sieht das anders aus.

Die steigenden Hotelpreise sind also nicht nur eine Folge höherer Kosten. Sie spiegeln auch eine bewusste Neupositionierung der spanischen Hotelbranche wider. Spanien richtet sich immer stärker auf den internationalen, zahlungskräftigen Gast aus.

Laut El País ist dies wirtschaftlich erklärbar, aber nicht ohne Folgen. Die Frage ist, wie zugänglich Spanien als Urlaubsland für diejenigen bleibt, die weniger ausgeben können – und wo langfristig die Grenze liegt.

Quelle: Agenturen