RTVE setzt auf “musikalischen Abend” statt ESC

Lesedauer des Artikels: ca. 3 Minuten -

Zum ersten Mal seit Jahren fehlt Spanien auf der Eurovision-Bühne, was eine deutliche Lücke an diesem traditionellen Samstagabend hinterlässt. Der spanische Sender RTVE versucht, diese Leere mit einer besonderen Musikshow voller bekannter Künstler zu füllen.

Am Samstag, dem 16. Mai, dreht sich für die spanischen Zuschauer alles um eine unterhaltsame Alternative namens “La casa de la música” – ohne Wertung, ohne Flaggenparade, einfach nur Musikgenuss.

Diese Entscheidung ist bemerkenswert, da der Eurovision Song Contest 2025 noch ein großer Erfolg für den öffentlich-rechtlichen Sender war. Fast sechs Millionen Spanier schalteten damals ein, ein seltener Moment, in dem Jung und Alt gemeinsam fernsahen. Dieser Erfolg macht die diesjährige Abwesenheit umso auffälliger.

Lesetipp:  Melilla seit fünf Tagen wegen Cyberangriff ohne Internet
--|- Bitte beachten Sie unsere Anzeigenpartner! -|-- Zeitreise in die 1980er Jahre mit Gustav Knudsen

Laut Berichten in El País versucht RTVE, mit dieser einmaligen Show ein großes Publikum auf La 1 zu erreichen, ohne das ursprüngliche Format zu kopieren. Die Sendung setzt auf Wiedererkennungswert und Nostalgie, bietet aber auch neue Klänge. Namen wie Chanel, Chenoa, Guitarricadelafuente und der Veteran Raphael stehen auf dem Programm, zusammen mit insgesamt 23 Künstlern. Das sorgt für eine breite Mischung, ähnlich dem Eurovision Song Contest, nur ohne Wettbewerb.

Im Mittelpunkt stehen Auftritte, Duette und Momente, die das Publikum fesseln sollen. Dieser Ansatz passt zur Entwicklung des spanischen Fernsehens. Während sich Formate früher um Gewinnen oder Verlieren drehten, sieht man heute immer häufiger Sendungen, die auf Atmosphäre und Erlebnis setzen.

Gerade im Mai, wenn die Tage länger werden und sich das gesellschaftliche Leben nach draußen verlagert, ist leichte Unterhaltung oft die beste Wahl. RTVE setzt darauf, dass Musik ausreicht, um die Menschen vor dem Bildschirm zu halten.

Dennoch steckt auch eine strategische Ebene dahinter. Durch die Organisation einer einmaligen Veranstaltung begrenzt der Sender das Risiko. Fällt die Sendung flach, ist das Kapitel abgeschlossen. Kommt sie gut an, liegt sofort ein Format bereit, das später wieder aufgegriffen werden kann. In einer Medienlandschaft, in der Streamingdienste dominieren, muss das öffentlich-rechtliche Fernsehen flexibel bleiben.

Es bleibt jedoch eine ungewöhnliche Situation. Spanien ohne Eurovision fühlt sich für viele Zuschauer wie ein Sommer ohne Dorffest an. Auch der Eurovision Song Contest 2026 wird in Spanien nicht im Fernsehen zu sehen sein, da der öffentlich-rechtliche Sender durch die Nichtteilnahme auch das Recht verloren hat, den Eurovision Song Contest zu übertragen.

Quelle: Agenturen