Spanien gilt als Vorreiter in der Nutzung erneuerbarer Energien, doch eine aktuelle Entwicklung wirft Fragen über die Effizienz der Energiewende auf: Im Jahr 2025 gingen ganze 17 Prozent des produzierten Wind- und Solarstroms verloren – genug, um 6,3 Millionen Haushalte ein Jahr lang zu versorgen. Dieser ungenutzte Strom, auch als “vertidos” bezeichnet, ist symptomatisch für strukturelle Herausforderungen im Stromnetz.
Ein Grund ist das starke Wachstum an erneuerbaren Kapazitäten: 2025 wurden 12.520 Megawatt neue Anlagen zugebaut, während das Stromnetz nicht im gleichen Tempo ausgebaut wurde. Hinzu kommen technische Einschränkungen: Um die Netzstabilität zu sichern, muss die Einspeisung oft gedrosselt werden – insbesondere bei hoher Sonneinstrahlung und niedriger Nachfrage. Die Folge: Ein Rekordwert von 19,69 Terawattstunden umweltfreundlichen Stroms blieb ungenutzt.
Trotz Verschwendung zeigte sich die Branche wirtschaftlich stark: Über 140.000 Arbeitsplätze und ein Beitrag von 1 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt sprechen eine deutliche Sprache. Wind- und Solarenergie senkten zudem den Großhandelspreis um die Hälfte und sparten Importe fossiler Brennstoffe sowie Millionen Tonnen CO₂ ein. Dennoch stieg im August der Strompreis für Verbraucher – vor allem, weil abends Gaskraftwerke den Preis bestimmen.
Forderungen und Ausblick
Mehr Speicherlösungen, wie thermische Batterien aus alten Silos, könnten helfen, Überschüsse sinnvoll zu nutzen.
Intelligente Netzauslastung und verstärkte Elektrifizierung von Industrie und Verkehr werden gefordert.
Optimierte Marktregeln für Gratisstrom-Stunden sollen nachhaltige Anreize statt Verzerrungen schaffen.
Spaniens Beispiel macht deutlich: Die technische Umsetzung der Energiewende ist ebenso entscheidend wie die reine Erzeugung. Innovative Lösungen und politischer Wille sind jetzt gefragt, um den Wandel zu vervollständigen und die Vision einer nachhaltigen Energiezukunft Wirklichkeit werden zu lassen.
Quelle: Agenturen




