In Ferrol, einer Küstenstadt in Galicien, plant der chinesische Automobilhersteller SAIC Motor den Bau seines ersten europäischen Werks. Die Nähe des geplanten Fabrikgeländes zum bedeutenden Marinestützpunkt und zur Werft von Navantia hat das spanische Verteidigungsministerium sowie den nationalen Geheimdienst CNI alarmiert. Der Verdacht besteht, dass dieser Standort ein Sicherheitsrisiko darstellt und potenziell zu Spionageaktivitäten gegen die spanische Marine und die NATO führen könnte.
Ferrol beherbergt mit seinem Arsenal und der Navantia-Werft einen der wichtigsten Marinestützpunkte Spaniens. Hier werden Fregatten der F-100-Klasse und U-Boote gewartet sowie modernste Kriegsschiffe gebaut. Die Nähe des chinesischen Werks – nur wenige hundert Meter entfernt – ermöglicht laut internen Berichten potenziell Einblicke in militärische Bewegungen und Technologien. Neben der physischen Beobachtung werden besonders elektronische Kriegsführung und Cyberspionage als Risiken betont. Eine industrielle Anlage mit eigenen Dateninfrastrukturen so nah an einem strategisch sensiblen Hafen könnte Angriffsflächen für digitale Einmischung bieten.
Die galicische Regionalregierung sieht im Projekt eine Chance: Das Werk soll bis 2028 2.300 Arbeitsplätze schaffen und die Industrie in der Region beleben. Die Investition von 200 Millionen Euro ist daher wirtschaftlich attraktiv, insbesondere in einer Region, die nach neuen Industrieansiedlungen sucht. Gleichzeitig steht Madrid unter Druck, seine Verteidigungsfähigkeiten und das Vertrauen der NATO zu wahren, da Spanien bisher vergleichsweise wenig in die Sicherheit investierte.
Während Minister Óscar López das Vorhaben als vereinbar mit der nationalen Sicherheit verteidigt, bleibt die Debatte angespannt. Die Entscheidung über die endgültige Genehmigung soll bis Ende des Jahres fallen. Dieses Ereignis spiegelt die zunehmenden geopolitischen Spannungen wider, in denen wirtschaftliche Interessen, Sicherheit und internationale Allianzen aufeinandertreffen. Für Ferrol und Spanien steht damit viel auf dem Spiel – sowohl wirtschaftlich als auch sicherheitspolitisch.
Quelle: Agenturen





