Die spanische Regierung hat eine überraschende Maßnahme erlassen, um den Preisverfall beim Olivenöl einzudämmen: Ab sofort sind sämtliche Ölmühlen des Landes dazu verpflichtet, 12 % ihrer monatlich gemeldeten Produktion einzulagern. Besonders auf den Balearen, wo derzeit ohnehin ein empfindlicher Rückgang der Produktion erwartet wird, sorgt diese Regelung für Diskussionen.
Hintergrund der Entscheidung ist die Sorge vor einem drastischen Preisabfall während einer Erntesaison, die zwar spanienweit mehr als 1,6 Millionen Tonnen „flüssiges Gold“ umfasst, auf den Balearen laut Schätzungen aber nur etwa die Hälfte der letztjährigen Erntemengen erreichen dürfte. Die Verpflichtung gilt unabhängig davon, wie stark die einzelne Produktion im Vergleich zu den Vorjahren schwankt. Das gelagerte Öl aus dem November muss bis zum 30. September 2027 vom Markt ferngehalten werden.
Ölmühlen und Produzenten müssen Behörden fortan detailliert nachweisen, welche Mengen sie zurückhalten und wo das Öl gelagert wird – sei es in eigenen Anlagen oder bei Dritten. Trotz Inkrafttretens bleibt der Verwaltungsweg offen: Innerhalb eines Monats ist Einspruch gegen die Anordnung möglich, wie Joan Mayol, Präsident der Herkunftsbezeichnung „Oli de Mallorca“, bereits ankündigte. Die Maßnahme stößt gerade auf den Balearen auf Unverständnis, weil sich der starke Produktionsrückgang kaum mit einer einheitlichen Quote in Einklang bringen lässt.
Die Entscheidung verdeutlicht das Dilemma staatlicher Eingriffe in spezialisierten Agrarmärkten: Während nationale Stabilität angestrebt wird, geraten regionale Besonderheiten und lokale Akteure teils erheblich unter Druck.
Quelle: Agenturen




