Das spanische Gesundheitswesen sah sich im Jahr 2025 mit einem deutlichen Anstieg der Beschwerden über medizinische Fehler konfrontiert. Nach Angaben der Patientenvereinigung El Defensor del Paciente reichten Bürger fast 15.000 Beschwerden über die Versorgung in spanischen Krankenhäusern ein, durchschnittlich mehr als 40 pro Tag.
Das ist die höchste Zahl seit zehn Jahren. Der Verband bringt einen erheblichen Teil dieser Beschwerden mit schwerwiegenden Vorfällen in Verbindung, darunter Hunderte von Todesfällen, und spricht von einer alarmierenden Entwicklung innerhalb des öffentlichen Gesundheitssystems.
Die Kritik richtet sich nicht so sehr gegen einzelne Ärzte oder Pflegekräfte, sondern vor allem gegen die Art und Weise, wie die Gesundheitsversorgung organisiert ist. Schlechte Planung, Personalmangel und politische Unentschlossenheit würden die Qualität und Sicherheit der Gesundheitsversorgung untergraben. Nach Ansicht der Vereinigung darf der Patient nicht zum Opfer einer strukturell versagenden Politik werden.
Die meisten Beschwerden beziehen sich auf die Notfallversorgung, in Spanien bekannt als urgencias. Gerade in diesen Abteilungen kommen alle Probleme zusammen. Krankenhäuser verzeichnen einen konstanten Zustrom von Patienten, während die Zahl der verfügbaren Betten und Pflegekräfte hinterherhinkt. Dies führt zu langen Wartezeiten, überfüllten Warteräumen und einer hohen Arbeitsbelastung für das Personal.
Den Meldungen zufolge erleben Patienten regelmäßig, dass die Kommunikation unzureichend ist und Entscheidungen übereilt getroffen werden. Gleichzeitig arbeiten Pflegekräfte oft unter Bedingungen, die wenig Raum für Ruhe und Sorgfalt lassen. Der Verband betont, dass diese Situation das Risiko von Fehlern erhöht und das Vertrauen der Patienten beeinträchtigt.
Eine wichtige Ursache für die Überlastung liegt laut dem Verband außerhalb des Krankenhauses. Immer mehr Menschen wenden sich direkt an die Notaufnahme, weil Hausarztpraxen und Gesundheitszentren nicht ausreichend zugänglich sind. Dadurch behandeln Notaufnahmen auch viele nicht akute Beschwerden, was die Wartezeiten für echte Notfälle weiter verlängert.
Der Verband fordert die spanische Regierung auf, strukturelle Maßnahmen zu ergreifen. Investitionen in die Grundversorgung, eine bessere Personalplanung und klare Zuständigkeiten sind seiner Meinung nach notwendig, um die Notfallversorgung zu entlasten. Ohne Eingreifen droht sich die derzeitige Situation weiter zu verschlechtern, wobei erneut die Patienten die größten Verlierer sind.
Auffällig ist, dass vor allem große Universitätskrankenhäuser eine hohe Anzahl von Beschwerden aufweisen. Krankenhäuser in Madrid, Barcelona, Valencia, Sevilla und auf den Kanarischen Inseln tauchen in den Berichten wiederholt auf. Diese Einrichtungen erfüllen oft eine regionale oder nationale Funktion und nehmen daher einen großen Strom von Notfallpatienten auf, auch aus den umliegenden Regionen. Madrid ist die Region mit den meisten Beschwerden: insgesamt 4.005 Meldungen, davon 292 mit tödlichem Ausgang. Das Krankenhaus La Paz in Madrid hat seit längerer Zeit mit einer starken Überlastung der Notaufnahme zu kämpfen, insbesondere in den Sommer- und Wintermonaten. Das Pflegepersonal hat wiederholt über extrem überfüllte Warteräume und strukturelle Kapazitätsprobleme berichtet.
Die Größe und Komplexität dieser Krankenhäuser spielen eine Rolle, aber laut El Defensor del Paciente erklärt das nicht alles. Ohne ausreichendes Personal und eine gut funktionierende Grundversorgung bleibt der Druck auf die Notfallversorgung unvermindert hoch.
Top 10 der spanischen Krankenhäuser mit den meisten Beschwerden im Jahr 2025
Hospital Universitario de Canarias (Teneriffa)
Hospital Universitario La Paz (Madrid)
Hospital Universitario de Toledo
Hospital Universitario Miguel Servet (Zaragoza)
Complexo Hospitalario Universitario de Santiago
Hospital Universitari Vall d’Hebron (Barcelona)
Hospital Clínico Universitario de Valencia
Hospital Universitario Virgen Macarena (Sevilla)
Hospital Universitari Son Espases (Palma de Mallorca)
Hospital Universitario de Cruces (Bilbao)
Quelle: Agenturen




