Ein Forschungsteam der Universitat Rovira i Virgili (URV) hat den Lautsprecher digital rekonstruiert, den Antoni Gaudí für die Hauptkanzel der Kathedrale von Mallorca entworfen hatte. Dieses verschwundene Element seines architektonischen Erbes wurde im November 1970 abgerissen, obwohl es unter Denkmalschutz stand und vom Architekten Le Corbusier gewürdigt worden war, der es 1932 während seines Besuchs auf Mallorca in sein Reisetagebuch gezeichnet hatte.
Die Rekonstruktion erfolgte auf der Grundlage der einzigen erhaltenen Unterlagen: mehrerer historischer Fotografien, wie die Hochschule in einer Pressemitteilung erklärte.
Die Lautsprecheranlage war Teil des Auftrags, den Bischof Pere Joan Campins 1901 an Gaudí vergab, um verschiedene liturgische Elemente der Kathedrale von Mallorca zu restaurieren und umzugestalten.
Dieses Projekt umfasste unter anderem die Verlegung des Chors in die Königskapelle, die Verbesserung der Akustik durch eine Lautsprecherbox auf der Hauptkanzel und einen Resonanzkörper unter dem Presbyterium sowie die Entwicklung neuer architektonischer und dekorativer Elemente. An diesen Arbeiten waren auch regelmäßige Mitarbeiter Gaudís beteiligt, wie Joan Rubió und Josep Maria Jujol.
Die nun rekonstruierte Konstruktion bestand aus Holz und Stoff, passte sich der achteckigen Geometrie der Kanzel an und wurde von drei parabolisch geformten Flächen gekrönt.
„Der Lautsprecher war so konzipiert, dass er die Stimme des Redners verstärkte und lenkte, wobei die akustischen Eigenschaften der quadratischen Flächen genutzt wurden“, erklärte Albert Samper von der Technischen Hochschule für Architektur der URV, der diese interdisziplinäre Forschungsarbeit leitete, an der Forscher aus drei verschiedenen Fachbereichen der Universität beteiligt waren.
Der Verlust des Elements ließ das Forschungsteam ohne Pläne und ohne genaue geometrische Dokumentation zurück. Daher wurden bei der Arbeit analytische und deskriptive Geometrie mit fortschrittlichen digitalen Werkzeugen kombiniert.
Zunächst wurde mittels Laserscanning und Photogrammetrie ein digitales Modell der Kathedrale und der Hauptkanzel erstellt. „Das Modell der Kathedrale haben wir anhand von 1.250 Scans und einer Punktwolke von etwa 21 Millionen Punkten erstellt; die Kanzel haben wir in 3D mit einer Genauigkeit von 95 Prozent modelliert“, erklärte David Moreno, Forscher am Fachbereich Maschinenbau der URV.
Anhand von zehn historischen Fotografien legte das Team ein objektives Kriterium fest, um die für die Rekonstruktion nützlichsten Bilder auszuwählen. Dazu berechnete es die Position, von der aus jedes Foto aufgenommen worden war, mithilfe zweier verschiedener geometrischer Methoden. Schließlich wurden fünf Fotos ausgewählt, bei denen die Abweichung zwischen den beiden Berechnungen weniger als einen Meter betrug.
Ausgehend von diesen Bildern analysierten sie die Form des Lautsprechers. Da keine präzisen Originalzeichnungen vorlagen, rekonstruierten sie digital die sichtbaren Kurven jeder der drei Flächen, aus denen sich die Struktur zusammensetzte, und erstellten auf dieser Grundlage vorläufige dreidimensionale Modelle.
Auf diese Modelle wandten sie geometrische Berechnungen an, um zu ermitteln, welche parabolische Form am besten zu jeder Oberfläche passte. Durch den Vergleich der verschiedenen Ergebnisse identifizierten sie die geometrische Lösung, die das Gesamtbild am besten widerspiegelte; diese wurde schließlich für die digitale Rekonstruktion des gesamten Lautsprechers verwendet.
Die Studie ermöglichte nicht nur die Rekonstruktion der Form der Rednerkanzel, sondern analysierte auch deren mögliche akustische Funktionsweise. „Parabolische Flächen haben die Fähigkeit, den Schall zu lenken und zu bündeln. Daher haben wir berechnet, welche Position am günstigsten gewesen wäre, damit die Stimme des Redners mit maximaler Wirksamkeit übertragen worden wäre“, erklärte Blas Herrera, Forscher am Fachbereich Informatik und Mathematik der URV. Den Ergebnissen zufolge definierte Gaudís Entwurf einen bestimmten Bereich mit optimaler akustischer Leistung vor der Kanzel.
Die Autoren betonten, dass der Wert der Arbeit über den konkreten Fall von Gaudís Lautsprecher hinausgeht. „Diese Methodik ermöglicht es uns, unvollständige historische Informationen in überprüfbares architektonisches Wissen umzuwandeln, mit verifizierbaren und reproduzierbaren Kriterien“, erklärten sie.
Das endgültige dreidimensionale Modell ist nicht nur ein Abbild der Rekonstruktion, sondern ein digitales Archiv, das analysiert, in Forschung oder Lehre wiederverwendet und schließlich mithilfe digitaler Fertigungsverfahren physisch reproduziert werden kann. Die Forscher speichern es in Standardformaten und stellen es der Forschungsgemeinschaft auf Anfrage zur Verfügung.
„Diese Forschung zeigt uns, dass Geometrie, digitales Scannen und 3D-Modellierung dazu beitragen können, verschwundene Elemente des architektonischen Erbes wiederherzustellen und die formale Logik von Bauwerken besser zu verstehen, von denen nur teilweise Zeugnisse erhalten geblieben sind“, schloss Samper.
Quelle: Agenturen





