Mallorca neu entdecken: die schönsten Orte abseits der Hotspots

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Ballermann, Bierkönig, Bettenburg. Wer Mallorca nur aus solchen Schlagzeilen kennt, kennt einen einzigen Küstenstreifen in der Bucht von Palma, und der macht kaum einen Bruchteil der Insel aus. Eine halbe Stunde Fahrt weiter beginnt eine Mallorca, die komplett abseits des Massentourismus liegt: Bergdörfer wie Fornalutx, Kiesbuchten wie die Cala Tuent, Orangenterrassen, die im Frühjahr nach Blüten riechen. Sichern Sie sich für Ihren Urlaub auf Mallorca einen Termin in der Nebensaison: Der Mietwagen kostet dann ab 25 Euro pro Tag, und die stillen Buchten gehören Ihnen morgens fast allein.

Mallorca für Skeptiker: Warum die Insel mehr ist als Ballermann

Die Zahlen sprechen gegen das Klischee. Mallorca misst rund 3.640 Quadratkilometer. Die Serra de Tramuntana zieht sich über 90 Kilometer durch den Nordwesten. Ihr höchster Gipfel, Puig Major, bringt es auf 1.436 Meter. Seit 2011 steht dieses Gebirge als Kulturlandschaft auf der Welterbeliste der UNESCO.

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Ausgezeichnet wurden dabei keine Postkartenblicke, sondern Trockenmauern, Terrassen, Bewässerungskanäle und Köhlerplätze, die Bauern hier über Jahrhunderte in den Fels gesetzt haben. Dazu kommen etwa 300 Sonnentage im Jahr. Und wer in Palma ins Auto steigt und Richtung Berge fährt, hat die Reisebusse nach zwanzig Minuten hinter sich.

Der Abend auf der Finca-Terrasse gehört dann ohnehin dem Handy: Einer liest Nachrichten, der Nächste vergleicht Preise für das neue Smartphone, und der Fußballfan in der Runde schaut sich in Ruhe die top wettanbieter für das Spiel am Wochenende an. Kurz danach liegt das Telefon wieder auf dem Tisch. Draußen sind die Zikaden lauter als jede Push-Nachricht, und am nächsten Morgen wartet eine Insel, die man nur mit eigenen Augen sortieren kann.

Nebensaison auf Mallorca: Mandelblüte und Wanderwetter

Für einen ruhigen Urlaub auf Mallorca sind die Randmonate die beste Wahl. Von Ende Januar bis Anfang März blühen die Mandelbäume, in weiten Teilen der Insel rosa und weiß. Der Februar ist die sichere Wette. Dann liegen die Täler um Selva und das flache Inselinnere unter einem Blütendach, auf den Feldwegen ist niemand unterwegs, und die Luft riecht nach nassem Stein und Mandelblüte.

Im Herbst kippt das Wetter ins Wanderbare: 20 bis 28 Grad, klare Luft, ein Meer, das vom Sommer noch warm ist. Hotels und Fincas kosten deutlich weniger als im August. Viele Berglokale haben offen, in den Dörfern läuft der normale Alltag statt Hochbetrieb, und auf den Wegen der Tramuntana treffen Sie eher Radfahrer als Reisegruppen.

Die Anreise bleibt in beiden Fällen unspektakulär, und genau das ist der Vorteil:

  • Flugzeit ab Deutschland: 1,5 bis 2,5 Stunden, der Flughafen liegt rund 8 Kilometer östlich von Palma;
  • Mietwagen: in der Nebensaison ab etwa 25 Euro pro Tag, im Juli und August eher 40 bis 70 Euro;
  • günstigste Monate für Flüge: Februar, März, Oktober und November;
  • Bus und Bahn: brauchbar für Palma, Sóller und die größeren Orte, viele Buchten und Bergdörfer erreichen Sie damit nicht.

Bergdörfer auf Mallorca: Fornalutx, Valldemossa und Deià

Die schönsten Dörfer auf Mallorca liegen alle im selben Gebirge, und trotzdem gleicht keines dem anderen. Natursteinhäuser, grüne Fensterläden, Gassen, die als Treppen weitergehen: Das Grundmuster ist ähnlich. Der Unterschied liegt im Betrieb. Fornalutx hat kaum welchen, Valldemossa hat zwischen zehn und sechzehn Uhr reichlich davon, und Deià lebt von Leuten, die vor Jahrzehnten zum Malen kamen und geblieben sind.

  • Fornalutx, rund 700 Einwohner, sieben Kilometer oberhalb von Sóller: steht auf der Liste der Pueblos más bonitos de España und wirkt trotzdem bewohnt statt hergerichtet. Parken Sie am Ortseingang, gehen Sie die Treppengassen hoch, trinken Sie den Kaffee an der Plaça d’Espanya. Beste Zeit ist vor zehn Uhr;
  • Sóller im Talkessel darunter: Orangenhaine, ein großer Platz, Jugendstilfassaden aus der Zeit der Zitrushändler. Hier steigen Sie in die historische Straßenbahn, die seit 1914 nach Port de Sóller fährt, 15 Minuten für 10 Euro pro Strecke;
  • Biniaraix, gleich oberhalb von Sóller: ein Weiler mit Waschbecken am Platz und dem Beginn der Barranc-Treppe, einem der bekanntesten Trockenmauerwege der Insel;
  • Valldemossa auf 436 Metern, 18 Kilometer von Palma: In der Kartause verbrachten Frédéric Chopin und George Sand den Winter 1838/39, und Sand schrieb daraus ihr Buch „Ein Winter auf Mallorca“. Der Eintritt kostet 12,50 Euro, mit Turm 15,50 Euro, ein kurzes Klavierkonzert gehört dazu. Kommen Sie früh oder nach 16 Uhr, wenn die Busse weg sind;
  • Deià, etwa 600 Einwohner, an den Hang geklebt: Der Dichter Robert Graves liegt auf dem Friedhof neben der Kirche, sein Wohnhaus Ca N’Alluny ist heute ein Museum. Der Ort ist in einer halben Stunde durchlaufen. Die Aussicht von oben trägt den Besuch.

Die Route: von Palma über Deià nach Fornalutx

Als Tagesroute funktioniert die Kette Palma, Valldemossa, Deià, Sóller, Fornalutx gut. Rechnen Sie mit etwa 80 Kilometern Kurvenstraße, vielen Haltebuchten und mehr Zeit, als die Karte verspricht. Ohne Auto nehmen Sie stattdessen den Tren de Sóller, die Schmalspurbahn von 1912: Sie fährt von der Plaça d’Espanya in Palma durch 13 Tunnel über die Berge, braucht knapp eine Stunde und kostet 23 Euro einfach. Das Kombiticket mit Straßenbahn und Rückfahrt liegt bei 40 Euro. Von Fornalutx zurück nach Sóller lässt sich der Weg auch laufen, durch Olivenhaine, bergab die ganze Zeit.

Ruhige Buchten und Strände auf Mallorca ohne Gedränge

Leere Buchten gibt es hier noch. Sie kosten allerdings Aufwand, und der besteht fast immer aus derselben Mischung: Schotterpiste, Fußweg über Steine, kein Kiosk, kein Schatten, kein Rettungsschwimmer. Die fotogene Doppelbucht Caló des Moro und Cala s’Almunia bei Santanyí steht dagegen in jedem zweiten Feed und ist im Sommer entsprechend voll. Die folgenden fünf sind ruhiger, und jede verlangt etwas anderes von Ihnen.

Bucht Region Anfahrt und Fußweg Schatten und Infrastruktur
Cala Tuent Nordwesten, Tramuntana über die Bergstraße MA-2141, Straßenzustand vorher prüfen ein kleines Restaurant am Hang, kein Bus, kein Liegenverleih
Cala Varques Osten, südlich Porto Cristo MA-4014, Auto an der Schotterpiste, dann 15 Minuten zu Fuß Pinien am Rand, sonst nichts, Felsbogen zum Springen
Platja des Coll Baix Nordosten bei Alcúdia Parkplatz unter dem Refugi, rund 30 Minuten Abstieg, letzte Meter über Fels kaum Schatten, keine Versorgung, sommers am Wochenende belebt
Cala Màrmols Südosten etwa eine Stunde Küstenweg ab dem Leuchtturm Cap de Ses Salines kein Schatten, keine Bar, heller Kies und klares Wasser
Cala Deià Nordwesten, unter Deià steile Zufahrt, wenige Stellplätze, kurzer Weg hinunter schmale Kiesbucht zwischen Felsen, früh am Tag am schönsten

Uhrzeit und Ausrüstung: der Buchtentag auf Mallorca

Zwei Dinge entscheiden über den Tag. Erstens die Uhrzeit: Am frühen Morgen ist die Schotterpiste an der Cala Varques halb leer, mittags reihen sich die Autos bis zur Abzweigung. Zweitens die Ausrüstung. Feste Schuhe, zwei Liter Wasser und ein Sonnenschirm klingen übertrieben, bis Sie mittags auf einem Kiesstrand ohne einen einzigen Baum sitzen.

Manche Ecken erreichen Sie im Urlaub auf Mallorca ohnehin besser per Boot. Wer die Serpentinen nach Sa Calobra nicht selbst fahren will, nimmt das Schiff aus Port de Sóller, rund eine Stunde über Wasser bis zur Schlucht Torrent de Pareis. Ein Linienbus fährt dort nicht hin. Die berühmte Straße mit dem 270-Grad-Knoten Nus de sa Corbata, entworfen von Antonio Parietti, überwindet 800 Höhenmeter und ist vormittags voll mit Reisebussen und Rennrädern. Am späten Nachmittag haben Sie sie fast für sich, und das Licht am Knoten ist dann sowieso besser.

Palma de Mallorca und die Inselküche: Genießen abseits der Touristenmenüs

Palma ist keine Durchgangsstation zum Flughafen. Die Sehenswürdigkeiten in Palma de Mallorca liegen so dicht beieinander, dass ein halber Tag reicht, wenn die Reihenfolge stimmt. Starten Sie an der Kathedrale La Seu, 10 bis 11 Euro Eintritt, mit den Dachterrassen 25 Euro. Danach kommt der Königspalast Almudaina gleich nebenan.

Anschließend die Innenhöfe der Altstadt. Halbdunkle Patios hinter schweren Toren: Viele stehen offen, kosten nichts und sind der beste Schattenplatz der Stadt. Gegen Mittag lohnt sich die Markthalle Mercat de l’Olivar, montags bis samstags bis 14:30 Uhr geöffnet und freitags länger, wo Fischtheken und Tapasbars nebeneinander arbeiten. Der Nachmittag gehört Santa Catalina.

Zwischen dem Viertel und dem Passeig del Born liegen Galerien, kleine Weinbars und das Museum Es Baluard, das in einer alten Bastion über dem Hafen sitzt. Wer die Sehenswürdigkeiten von Palma de Mallorca lieber ohne Hitze abläuft, dreht die Runde und beginnt nach 17 Uhr.

Inselküche: Pa amb oli, Tumbet und Wein aus Binissalem

Zu essen gibt es mehr als im Menü mit dem Paella-Foto davor. Pa amb oli, Brot mit Öl, Tomate, Käse oder Schinken, ist die Standardvorspeise der Insel. Sobrassada, die weiche Paprikawurst, kommt aufs Brot oder in die Sauce. Tumbet stapelt Kartoffeln, Aubergine und Paprika mit Tomate, arròs brut ist ein kräftiger Reistopf aus dem Inselinneren, und die Ensaïmada aus Blätterteig gehört zum Frühstück.

Beim Wein führt die DO Binissalem westlich von Palma mit dem roten Manto Negro und dem weißen Moll. Das Weingut José L. Ferrer arbeitet dort seit 1931. Im Osten um Felanitx und Porreres liegt die DO Pla i Llevant, Heimat der Sorte Callet und des Kultweinguts Ànima Negra.

Am schönsten trinkt man beides auf einem Agroturismo, wo abends drei Tische im Innenhof stehen und das Gemüse aus dem Garten hinter dem Haus kommt. Reservieren lohnt sich, denn solche Höfe haben oft nur eine Sitzung pro Abend.

  • Menú del día mittags, drei Gänge, oft mit Getränk: 12 bis 16 Euro;
  • Tapas pro Portion 4 bis 7 Euro, Bocadillo 6 bis 9 Euro;
  • Abendessen in einem guten, normalen Restaurant: 20 bis 30 Euro pro Person;
  • Hauptgang in Meerblicklage oder in der Altstadt: 25 bis 40 Euro;
  • Glas Wein 4 bis 6 Euro, Flasche im Lokal ab etwa 20 Euro.

Mallorca bewusst erleben: Reisezeit, Anreise und Tipps für die perfekte Route

Abseits des Massentourismus zählt auf Mallorca die Reisezeit mehr als die Adresse. Dieselbe Bucht ist im Mai ein Fund und im August eine Parkplatzsuche.

Jahreszeit Wofür sie gut ist Preise und Hinweise
Frühjahr, März bis Juni Wandern, Radfahren, erste Badetage, alles blüht mittleres Preisniveau, ab Juni deutlich voller
Sommer, Juli und August Baden bei rund 30 Grad, lange Abende teuerste Wochen, Buchten mittags überfüllt
Herbst, September und Oktober warmes Meer, 20 bis 28 Grad, Weinlese, ruhige Dörfer günstiger als im Sommer, beste Wanderzeit
Winter, November bis Februar Mandelblüte, Palma ohne Gedränge, Bergtouren niedrigste Flug- und Mietwagenpreise, einige Hotels geschlossen

Wo Sie auf Mallorca ruhig wohnen: Sóller, Artà, Inselinneres

Als Basis funktioniert das Sóller-Tal am besten: zentral genug für die Tramuntana, weit weg von den Hotelburgen, mit Zug und Straßenbahn vor der Tür. Zweite Wahl sind der Osten um Artà mit seinen Buchten und das Inselinnere mit Fincas zwischen Weinbergen, von wo aus Sie in jede Richtung eine Stunde brauchen. In Alcúdia lohnt sich eine Unterkunft eigentlich nur außerhalb der Hauptsaison. Und wer die schönsten Dörfer auf Mallorca zu Fuß verbinden möchte, quartiert sich zweimal ein, einmal im Norden und einmal im Süden, statt jeden Tag dieselbe Passstraße zu fahren.

Route für fünf bis sieben Tage auf Mallorca

Wer Bergdörfer, stille Buchten, Palma und die Weinorte in einer Reise verbinden will, fährt am besten diese Reihenfolge:

Tag 1: Ankunft, Palma zu Fuß, Kathedrale und Markthalle, Abendessen in Santa Catalina.

Tag 2: mit dem Tren de Sóller über die Berge, Sóller ansehen, Straßenbahn nach Port de Sóller.

Tag 3: Fornalutx am Morgen, danach Cala Tuent oder das Boot nach Sa Calobra.

Tag 4: Valldemossa und Deià, Abstieg zur Cala Deià, abends Weinprobe in Binissalem.

Tag 5: Ostküste, Cala Varques mit Fußweg, Fischessen in Porto Cristo.

und 6. Tag: Norden mit Alcúdia, Platja des Coll Baix und der Halbinsel La Victoria.

Mallorca abseits der Hotspots: jetzt planen

Die Insel belohnt Umwege. Nehmen Sie sich einen Nachmittag ohne Programm, fahren Sie eine Straße hoch, die nur ein Schild mit einem Dorfnamen ankündigt, und buchen Sie Ihren nächsten Urlaub auf Mallorca gleich für Februar oder Oktober.