Gelegentlich sind die Regale, in denen sich normalerweise Paracetamol oder Ibuprofen befinden, unerwartet leer. Die Ursachen dafür liegen Tausende Kilometer entfernt. Obwohl die Medikamente in Europa hergestellt werden, stammen die Wirkstoffe hauptsächlich aus Ländern wie Indien und China. Dort werden sie in großem Umfang produziert und als Rohstoffe nach Europa verschifft. Erst hier werden sie zu den Tabletten verarbeitet, die wir im Laden kaufen.
Der Transport erfolgt hauptsächlich per Schiff. Containerschiffe sind wochenlang zu wichtigen Häfen wie Rotterdam oder Valencia unterwegs. Dies ist finanziell die logischste und effizienteste Option, macht die Lieferkette aber auch anfällig. Sobald es in der Planung zu Verzögerungen kommt, hat dies unmittelbare Auswirkungen.
Derzeit spielen die Spannungen rund um die Straße von Hormus eine wichtige Rolle. Diese Wasserstraße ist ein entscheidendes Bindeglied für die globale Schifffahrt. Wenn dort Spannungen entstehen und die Route unsicher wird, müssen Schiffe oft Umwege fahren oder es kommt zu erheblichen Verzögerungen.
Dies mag weit entfernt erscheinen, hat aber unweigerlich Auswirkungen auf den europäischen Markt. Unsere Logistiksysteme sind sehr effizient, lassen aber wenig Spielraum für Fehler. Eine Verzögerung von wenigen Tagen auf See kann Wochen später zu Engpässen in den Fabriken führen. Da viele europäische Hersteller mit minimalen Lagerbeständen arbeiten, um Kosten zu sparen, gibt es kaum Puffer, um solche Rückschläge abzufedern.
Der Lufttransport wäre zwar eine Lösung, wird aber bei alltäglichen Medikamenten wie Schmerzmitteln kaum eingesetzt, da er für Massenprodukte zu teuer ist. Flugzeuge werden hauptsächlich für sehr teure Medikamente oder in Notfällen eingesetzt. Für Paracetamol sind wir also auf die langsamen Seewege angewiesen.
Apotheker spüren die Auswirkungen in ihrer täglichen Arbeit. Bestellungen kommen später an oder es werden geringere Mengen geliefert. Von einer strukturellen Krise kann noch nicht gesprochen werden, aber es gibt Probleme. Diese Unsicherheit wird durch Berichte über internationale Spannungen und die Anfälligkeit unserer Handelswege noch verstärkt.
Die Regierung beobachtet die Situation genau, aber eine schnelle Lösung gibt es nicht. Die Idee, die Produktion wieder vollständig nach Europa zu verlagern, ist zwar logisch, erfordert aber enorme Investitionen und Zeit. Daher lautet der Rat vorerst: Kaufen Sie nicht mehr als nötig. Hamsterkäufe sind kontraproduktiv und verschärfen das Problem nur.
Es ist beeindruckend, wie ein einfaches Produkt wie eine Schachtel Schmerzmittel von einem komplexen globalen Netzwerk abhängt. Von Fabriken in Asien bis hin zu geopolitischen Engpässen auf See muss alles zusammenpassen. Und manchmal, an einem ganz normalen Tag, bemerken wir diese Abhängigkeit in der Apotheke um die Ecke.
Quelle: Agenturen





