Spanien erwägt Rente mit 69?

Vorlesen lassen? ↑↑⇑⇑↑↑ | Lesedauer des Artikels: ca. 4 Minuten -

Ab 2027 liegt das offizielle Rentenalter in Spanien bei 67 Jahren. Es gibt jedoch politische Diskussionen, dieses auf 69 Jahre anzuheben. Dies könnte bedeuten, dass auch deutsche Arbeitnehmer in Spanien länger arbeiten müssten.

Experten warnen, dass dies Arbeitnehmer benachteiligen könnte, da ihnen potenziell 25.000 Euro an Renteneinkommen entgehen würden. Wenn sich der Arbeitsmarkt nicht anpasst, könnte das Armutsrisiko unter älteren Menschen steigen.

Die Bevölkerung altert schnell, die Babyboomer-Generation geht in Rente, und es gibt nicht genügend junge Menschen, um dies auszugleichen. Das Umlagesystem, bei dem Erwerbstätige die Renten finanzieren, gerät unter Druck. Während das Rentenalter in Spanien ab 2027 auf 67 Jahre steigt (für Personen mit weniger als 38,5 Arbeitsjahren), wird eine weitere Anhebung auf 69 Jahre diskutiert.

Ökonomen und Rentenexperten, wie Analysten der BBVA, haben die Auswirkungen einer solchen Anhebung analysiert. Das Ergebnis: Längeres Arbeiten führt zwar zu einer höheren monatlichen Rente, aber insgesamt zu weniger Auszahlung.

Dies betrifft auch Deutsche, die in Spanien arbeiten oder planen, hier zu leben. Ihre Rentenansprüche im spanischen System könnten betroffen sein. Wer länger arbeitet, baut zwar mehr Rente auf, aber die Realität ist komplexer. Die BBVA schätzt, dass eine Person, die mit 67 Jahren in Rente geht, durchschnittlich 20 Jahre Rente bezieht. Bei einem Renteneintritt mit 69 Jahren sinkt dieser Zeitraum auf 18 Jahre. Durch die zwei zusätzlichen Arbeitsjahre steigt die monatliche Rente leicht (von durchschnittlich 1.569 Euro auf etwa 1.632 Euro, ein Anstieg von 4 Prozent), aber insgesamt ergibt sich ein negatives Bild. Über den gesamten Rentenzeitraum entgehen dem Rentner über 25.000 Euro.

Die Rendite auf eingezahlte Beiträge sinkt um 0,2 bis 0,4 Prozentpunkte. Wer heute für jeden eingezahlten Euro 1,50 bis 1,70 Euro zurückerhält, würde bei einem Rentenalter von 69 Jahren nur noch 1,39 bis 1,44 Euro erhalten.

Länger arbeiten und einzahlen, aber weniger herausbekommen – das ist das Problem. Die Folgen sind nicht für alle gleich. Personen mit unregelmäßigen Erwerbsbiografien profitieren oft nicht von günstigeren Regelungen. Für sie ist die Rechnung besonders ungünstig, da sie mit relativ geringen Ansparbeträgen später in Rente gehen und kürzer Rente beziehen.

Dieses Problem besteht in Spanien schon länger. Das tatsächliche Renteneintrittsalter liegt bei etwa 65,3 Jahren, unter dem gesetzlichen Limit. Viele Menschen versuchen, früher aufzuhören, sei es aus gesundheitlichen Gründen oder aufgrund von Entlassungen.

Wenn dieser Ausweg versperrt wird, geraten sie in eine schwierige Lage. Rentenexperten der BBVA warnen vor mehr Armut unter älteren Menschen. Viele Fünfzig- und Sechzigjährige finden nach einer Entlassung kaum noch Arbeit. Eine Anhebung des Rentenalters würde sie in ein Niemandsland bringen: zu jung für die Rente, zu alt für den Arbeitsmarkt. Sie wären auf Sozialhilfe angewiesen.

Analysten befürchten einen “Flucht-Effekt”: Menschen, die vorzeitig in Rente gehen, um strengeren Sanktionen zu entgehen.

Die vorzeitige Pensionierung ist nach den Reformen von 2021 bereits stark zurückgegangen, während sich die Zahl der aufgeschobenen Pensionierungen verdoppelt hat und nun 11 Prozent ausmacht. In Branchen wie Bau, Gastgewerbe, Industrie und Gesundheitswesen ist es unrealistisch, bis 69 zu arbeiten. Die körperliche Belastung ist zu hoch. Viele Arbeitnehmer in diesen Branchen schaffen es nicht ohne gesundheitliche Folgen.

Dies betrifft auch deutsche Einwanderer in diesen Sektoren. Analysten warnen davor, die Last der Überalterung einseitig auf die Arbeitnehmer abzuwälzen, ohne in Produktivitätssteigerungen, Umschulungen oder bessere Arbeitsbedingungen zu investieren. Die Politik kann das Rentenalter anheben, aber wenn der Arbeitsmarkt sich nicht anpasst, wird das Problem nur verschoben.

Quelle: Agenturen