Immer mehr Nutzer missbrauchen Vinted, indem sie die Plattform als günstigen Paketdienst nutzen: Jemand stellt einen Koffer oder Karton für einen symbolischen Betrag (z.B. 1 €) „zum Verkauf” ein, ein Bekannter kauft ihn und es fallen nur die Versandkosten an.
Ein Testversand von Rotterdam nach Mailand über diese Website zeigte, dass Transportunternehmen etwas mehr als 6 € für ein großes Paket berechneten – viel günstiger als die Aufgabe als Gepäck oder der Versand über andere Dienstleister. Daher nutzen Menschen Vinted, um Gepäck in den Urlaub mitzunehmen, Dinge an Studienorte zu schicken oder sogar Umzüge mitzufinanzieren.
In sozialen Medien und geschlossenen Gruppen kursieren konkrete Tipps und Erfahrungen. Niederländische Nutzer nennen Beispiele für Sendungen nach Spanien oder innerhalb Europas für fünf bis sechs Euro; in Frankreich und Spanien tauchen ähnliche Geschichten auf, oft von Studenten, die auf diese Weise Dutzende von Euro sparen. Berichte aus Frankreich erwähnen beispielsweise eine Mutter, die Kleidung und sogar einen Küchenmixer aus 600 km Entfernung verschicken ließ, weil dies billiger und praktischer war als die Post.
Vinted räumt ein, dass die Plattform nicht für den Versand privater Pakete gedacht ist, und kündigt Maßnahmen an: Konten, die gegen die Regeln verstoßen, werden gesperrt, und Teams überwachen die Einhaltung der Regeln. Wie Vinted selbst formuliert: „Unsere Teams sind in diesem Bereich wachsam und arbeiten aktiv daran.“ Die Reaktionen der Kurierdienste fallen unterschiedlich aus: Brenger zeigt sich überrascht und erklärt, dass solche Vereinbarungen zwischen einzelnen Kunden und Kurieren außerhalb der offiziellen Zusammenarbeit liegen; DPD bezeichnet es als „unangemessen“, über Partner zu sprechen; DHL und Mondial Relay haben nicht reagiert.
Es gibt auch Fragen der Aufsicht und der Genehmigung. Die Aufsichtsbehörde für Umwelt und Verkehr (ILT) stellt fest, dass einige Partnerdienste von Vinted möglicherweise keine NIWO-Genehmigung für den gewerblichen Güterverkehr haben und als Vermittler fungieren; gegebenenfalls kann die ILT die Einhaltung der Vorschriften überwachen. Die Behörde für Verbraucher und Markt (ACM) weist darauf hin, dass der Paketmarkt weitgehend unreguliert ist und sie keine Aufsicht darüber ausübt.
Der Transportökonom Roel Gevaers erwartet keine Überraschungen: Verbraucher sind erfinderisch bei der Suche nach günstigeren Versandoptionen. Er warnt davor, dass bei einer groß angelegten Nutzung dieser Optionen die Vertragsparteien möglicherweise ihre Preise erhöhen und kleinere Akteure Wettbewerbsnachteile erleiden könnten.
Kurz gesagt: Vinted wird in der Praxis regelmäßig von Niederländern (und auch Franzosen/Spaniern) als günstige alternative Versandroute genutzt, insbesondere von preisbewussten Gruppen wie Studenten. Das bringt den Verbrauchern Vorteile, wirft aber auch Fragen zu Plattformmissbrauch, Aufsicht, Genehmigungen und möglichen Marktverzerrungen auf – und Plattformen und Kurierdienste sagen, dass sie Maßnahmen ergreifen, um Missbrauch zu verhindern.
Quelle: Agenturen





