Der Klimawandel bringt immer häufigere und intensivere Hitzewellen mit sich, was weltweit das Gesundheitsrisiko erhöht. In Spanien jedoch zeigen aktuelle Studien, dass trotz steigender Temperaturen die hitzebedingte Sterblichkeit abnimmt – ein Phänomen, das vor allem der zunehmenden Verbreitung von Klimaanlagen zugeschrieben wird.
Forscher von ISGlobal in Barcelona haben umfangreiche Daten aus 48 spanischen Provinzen über einen Zeitraum von fast 40 Jahren (1980–2018) analysiert. Dabei wurden tägliche Sterbezahlen mit Wetterdaten und sozioökonomischen Faktoren wie Einkommen, Bildung und Wohnverhältnissen verknüpft. Die Durchschnittstemperatur in Spanien steigt seit Jahrzehnten kontinuierlich, insbesondere im Sommer um etwa 0,4 Grad pro Jahrzehnt. Dennoch ist der Anteil der Todesfälle durch Hitze relativ zur Bevölkerung rückläufig.
Diese paradox anmutende Entwicklung führt das Wissenschaftsmagazin Quo auf die wachsende Nutzung von aire acondicionado zurück: Klimaanlagen in Privathaushalten tragen laut Studie zwischen Ende der 1980er und Anfang der 2010er Jahre zu knapp 29 Prozent des Rückgangs der hitzebedingten Sterblichkeit bei. Bei extremer Hitze liegt dieser Wert sogar bei über 31 Prozent. Vergleichbar wirkt sich Heizung bei Kälte aus. Die Möglichkeit, die eigene Wohnung klimatisch zu regulieren, wird somit zu einem entscheidenden Faktor für die gesundheitliche Widerstandsfähigkeit.
Doch trotz dieser positiven Wirkung gibt es Herausforderungen: Klimatisierung ist nicht für alle Haushalte erschwinglich, gerade in ärmeren Regionen Spaniens bleibt sie oft ein Luxusgut. Zudem benötigt der Betrieb von Klimaanlagen viel Energie, die häufig nicht nachhaltig gewonnen wird – was den Klimawandel weiter antreiben kann. Daher empfehlen die Forscher ergänzende Maßnahmen wie die Schaffung von mehr Grünflächen und Wasserflächen in urbanen Gebieten, um die Hitze natürlicherweise zu mildern.
Wichtig ist auch, dass die Studie auf Beobachtungsdaten basiert und somit Zusammenhänge aufzeigt, jedoch keine Kausalität im strengen Sinne beweist. Trotzdem verdeutlicht sie eindrucksvoll, wie technologischer Fortschritt und Wohlstand bei der Bewältigung von Klimarisiken lebensrettend wirken können.
Spaniens Erfahrung zeigt, dass Klimaanlagen eine Schlüsselrolle im Kampf gegen die Folgen des Klimawandels spielen, aber auch dass nachhaltige Stadtplanung und soziale Gerechtigkeit untrennbar mit der Gesundheitsvorsorge verbunden sind. Angesichts der weiter steigenden Temperaturen wird das Zusammenspiel von Technologie und Natur immer wichtiger, um Menschenleben zu schützen.
Quelle: Agenturen





