Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, hat seine „Bestürzung“ über den Sieg der rechtsextremen Partei „Alternative für Deutschland“ (AfD) bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt zum Ausdruck gebracht. „Ich persönlich bin bestürzt über das Ergebnis dieser Wahlen (…). Eine als rechtsextrem eingestufte Partei steht kurz davor, in einem deutschen Bundesland allein zu regieren“, erklärte Schuster gegenüber der Zeitung „Die Welt“.
Schuster erinnerte daran, dass die AfD in den letzten Jahren ihre Ziele deutlich gemacht habe. „Wer heute trotz dieser Ziele oder gerade wegen ihnen für sie gestimmt hat, trägt die Verantwortung für dieses Ergebnis“, betonte er. Auch die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, brachte ihre Verblüffung über das Wahlergebnis zum Ausdruck. „An Tagen wie diesen fällt es mir schwer, meine Heimat wiederzuerkennen (…). Dass Rechtsextreme in Deutschland auf diese Weise erneut Wahlen gewinnen könnten, hätte ich mir nicht einmal in meinen schlimmsten Albträumen vorstellen können“, erklärte sie.
Knobloch verwies auf die hohe Wahlbeteiligung von 80 % laut offiziellen Angaben, was bedeute, dass „die Grundlagen der Demokratie in unserem Land nicht mehr funktionieren, und ich sage es ganz offen: Das macht mir Angst“. Auch Eva Umlauf, eine Überlebende des nationalsozialistischen Vernichtungslagers Auschwitz, verglich den Sieg der AfD mit dem Aufstieg der NSDAP unter Adolf Hitler in den 1930er Jahren. „Dieses Wahlergebnis macht uns Angst! Welchen Weg schlägt Deutschland ein? Den Weg, den es bereits eingeschlagen hat?“, fragte Umlauf, die Vorsitzende des Internationalen Auschwitz-Komitees.
Die 83-jährige Umlauf erwähnte, dass „wir als Überlebende des Holocaust niemals für möglich gehalten hätten“, dass eine rechtsextreme Partei die stärkste Fraktion in einem deutschen Landesparlament stellen würde. „Wir werden weiter für die Demokratie und das Gedenken kämpfen. Das sind wir unseren ermordeten Angehörigen schuldig, und es ist unsere Pflicht gegenüber der deutschen Jugend“, bekräftigte sie.
Am selben Sonntag fanden Demonstrationen in Städten wie Berlin, Frankfurt oder Mainz statt, um gegen die AfD zu protestieren. In Frankfurt versammelten sich nach Schätzungen der Polizei etwa 2.000 Menschen, um das Verbot der AfD zu fordern.
In Berlin nahmen Hunderte an der Kundgebung gegen die rechtsextreme Partei unter dem Motto „Verteidigen wir die Demokratie! Verbieten wir die AfD jetzt!“ teil. Zu den Organisatoren der Proteste in Berlin zählen der Verband der Opfer des Nazi-Regimes und der Bund der Antifaschisten sowie die Initiative „AfD jetzt verbieten“.
Unterdessen teilte die Polizei mit, dass die Nacht in Magdeburg, der Hauptstadt von Sachsen-Anhalt, „ohne Zwischenfälle“ verlaufe. Für diesen Montag ist eine große Demonstration am Brandenburger Tor in Berlin angesetzt, und die Polizei rechnet mit etwa 5.000 Teilnehmern.
Quelle: Agenturen



