Die Balearen-Insel Mallorca steht vor einem drängenden sozialen Problem: Der bezahlbare Wohnraum für die einheimische Bevölkerung schrumpft zunehmend. Insbesondere in der Tourismus-Hochburg Palma steigen die Mietpreise rasant, was viele Bewohner vor große finanzielle Herausforderungen stellt. Verantwortlich gemacht werden vor allem Ferienwohnungen, die den Wohnungsmarkt stark verknappen und verteuern.
Aktuelle Daten von Engel & Völkers zeigen, dass in Palma de Mallorca der durchschnittliche Mietpreis inzwischen bei etwa 19,20 Euro pro Quadratmeter liegt – ein Anstieg von rund zwei Euro gegenüber 2024. Für eine 80 Quadratmeter große Wohnung ergibt sich dadurch eine Monatsmiete von über 1500 Euro, was nahe am durchschnittlichen Einkommen der Bewohner liegt. Die Folge: Ein wachsender Teil der Bevölkerung kann sich die eigenen vier Wände kaum noch leisten.
Der neue Mieterverband “Sindicat de Llogateres de Mallorca” warnt vor spekulativen Dynamiken am Wohnungsmarkt. Sprecher Óscar Martínez kritisiert, dass immer mehr Menschen mehrere Wohnungen besitzen, während der Anteil derjenigen mit nur einer Wohnung sinkt. Seine Forderungen umfassen unter anderem eine höhere Besteuerung von Zweitwohnungen sowie Maßnahmen zur Erleichterung des Ersterwerbs von Immobilien, um den Wohnraum für Einheimische zu sichern.
Ein besonders kontroverser Vorschlag ist die Abschaffung von Ferienwohnungen auf Mallorca. Martínez argumentiert, dass der touristische Bedarf bereits durch Hotels gedeckt sei und Stadtviertel sowie Dörfer für die ansässige Bevölkerung zurückgewonnen werden müssten. Ähnliche Initiativen gibt es bereits in europäischen Metropolen: Paris hat seit Januar 2025 strenge Regelungen eingeführt, die Vermietungen auf 90 Tage pro Jahr begrenzen und zusätzliche Steuern erheben. Barcelona geht sogar noch weiter und plant, ab 2028 keine neuen Lizenzen für Ferienwohnungen mehr zu vergeben, was einer faktischen Abschaffung gleichkommt.
Ob solche Maßnahmen jedoch mit EU-Recht vereinbar sind, bleibt individuell zu prüfen. Während das spanische Oberste Gericht Barcelonas Pläne unterstützt, steht eine EU-weite Entscheidung noch aus. Fest steht: Die Debatte um bezahlbaren Wohnraum und den Einfluss von Ferienwohnungen auf Mallorca ist ein Spiegelbild eines breiteren europäischen Problems, das dringende politische Antworten erfordert.
Quelle: Agenturen





