Seit Jahren kämpfen Fischer an der griechischen Küste mit einer bedrohlichen Spezies: dem Silberwangen-Kugelfisch (Lagocephalus sceleratus). Ursprünglich aus dem Roten Meer stammend, hat sich dieser giftige Eindringling über den Suezkanal ins Mittelmeer ausgebreitet und beherrscht inzwischen große Teile des östlichen Mittelmeers. Besonders rund um Kreta und Zypern sorgt er für erhebliche Probleme, die weit über wirtschaftliche Schäden hinausgehen.
Der Kugelfisch ist nicht nur eine Plage für Fischer, deren Netze oft zerfetzt werden und die täglich hunderte Exemplare fangen, sondern stellt auch eine ernsthafte Gefahr für die Gesundheit dar. In seinen Organen trägt der Fisch das tödliche Tetrodotoxin, ein Gift, das bei Verzehr Herzversagen und Atemstillstand auslösen kann. Trotz dieser Risiken wird der Fisch selten in touristischen Badegebieten angetroffen, weshalb für Badegäste keine unmittelbare Gefahr besteht. Dennoch dokumentieren Wissenschaftler immer wieder tödliche Vergiftungen im östlichen Mittelmeer.
Das ungebremste Wachstum der Kugelfischpopulation ist vor allem darauf zurückzuführen, dass das Tier im Mittelmeer keine natürlichen Feinde hat und sich von nahezu allem ernährt, was ihm begegnet. Die Erwärmung der Meere begünstigt zudem die Ausbreitung tropischer und giftiger Arten, was auch vor der spanischen Küste bereits spürbare Veränderungen im Ökosystem verursacht. Wissenschaftler beobachten daher aufmerksam, ob der Kugelfisch bald auch westlichere Gewässer, etwa entlang Spaniens, erreichen wird.
Die griechische Regierung reagiert mit einem Pilotprogramm, das Fischer für das Fangen der Kugelfische bezahlt. Gefangene Fische werden eingefroren und als gefährlicher Industrieabfall vernichtet. Parallel wird erforscht, ob das Gift unschädlich gemacht werden kann, um mögliche alternative Nutzungsmöglichkeiten zu erschließen. Für die Fischer bleibt der Kugelfisch jedoch ein herausfordernder Gegner, der ihren Alltag und ihre Existenz bedroht.
Insgesamt zeigt die Ausbreitung des Silberwangen-Kugelfischs eindrücklich, wie der Klimawandel und menschliche Eingriffe marine Ökosysteme verändern und neue Risiken für Wirtschaft und Gesundheit schaffen. Ob die spanische Küste die nächste Station dieses giftigen Eindringlings wird, hängt nicht zuletzt von der weiteren Entwicklung der Meerestemperaturen ab.
Quelle: Agenturen





