Wein verschwindet langsam aber sicher aus dem spanischen Straßenbild. Es geht schneller, als irgendjemand vorhergesagt hatte. Was früher beim Mittag- oder Abendessen zum Standard gehörte, lassen die Menschen heute immer öfter einfach stehen. Die Tradition bröckelt, und das in einem traditionellen Weinland wie Spanien.
Der Weinkonsum ist im vergangenen Jahr um 4 Prozent auf etwa 9,7 Millionen Hektoliter eingebrochen. Das ist laut Experten wenig. Sogar ein historischer Tiefpunkt. Früher tranken die Spanier locker weit über 10 Millionen Hektoliter, aber diese Zeit liegt weit hinter uns.
Die Zahlen des Nachrichtenmediums El Economista bestätigen, was eigentlich jeder schon spürt: Dies ist kein vorübergehender Einbruch. Es ist ein struktureller Bruch mit der Weinvergangenheit. Vor allem junge Menschen lassen das Glas links liegen und entscheiden sich lieber für ein Bier oder einen Mixgetränk. Die Generationskluft ist in der Gastronomie deutlich spürbar.
Auch die Pro-Kopf-Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Ein Einwohner Spaniens trinkt heute im Jahr durchschnittlich nur noch etwa 20 Liter. Das ist wenig im Vergleich zu den 40 Litern vor Jahrzehnten. Gewohnheiten ändern sich rasend schnell. Dieser Unterschied sagt eigentlich schon alles.
Natürlich geht es auch um den Geldbeutel. Wein kostet mehr. Die Produktionskosten sind in die Höhe geschossen und die Logistik ist deutlich teurer geworden. Die Menschen achten einfach genauer auf ihr Geld und streichen die Extras.
Gleichzeitig hat das gesellschaftliche Leben einen Wandel durchlaufen. Spanier essen kürzer zu Mittag, sitzen weniger lange am Tisch. Der Fokus liegt häufiger auf der Gesundheit. Das Glas zum Essen? Darüber wird jetzt mehr nachgedacht.
Die Winzer in Spanien machen sich unterdessen große Sorgen. Spanien pumpt immer noch Dutzende Millionen Hektoliter auf den Markt und führt weltweit die Ranglisten an. Aber was nützt ein voller Keller, wenn die eigene Bevölkerung den Korken nicht mehr zieht?
Quelle: Agenturen





