ICE kauft Elektroschockhandschuhe

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Die US-Einwanderungs- und Zollbehörde (ICE, nach ihrer englischen Abkürzung) hat ohne Ausschreibung einen Auftrag im Wert von 16,7 Millionen Dollar (etwas mehr als 14,3 Millionen Euro) für die Anschaffung von 6.000 Handschuhen, die Elektroschocks abgeben können vergeben – ein Hilfsmittel, das laut der Behörde den Beamten helfen wird, sich widersetzende Festgenommene unter Kontrolle zu bringen und den Einsatz tödlicherer Waffen zu vermeiden.

In den am Donnerstag (27.08.2026) veröffentlichten Vertragsunterlagen beschreibt die ICE die Handschuhe als „leitfähige Ablenkungs- und Deeskalationsgeräte“ und macht geltend, dass diese neue Technologie dem Personal bei Festnahmen, beim Transport von Häftlingen und bei Unruhen in der Umgebung von Haftanstalten eine Option mit geringeren Auswirkungen bieten werde.

„Derzeit verfügt die ICE über kein Gerät zur Gewaltanwendung, das ohne den Einsatz der Hände auskommt, um ihren Beamten vor Ort – vor dem Hintergrund eines beispiellosen Ausmaßes an Bedrohungen und Gewalt gegen ICE-Beamte und -Mitarbeiter – die Möglichkeit zu geben, angespannte Situationen zu entschärfen, bevor sie in Gewalt umschlagen“, erklärt die Behörde.

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Laut der Begründung für die Anschaffung soll der G.L.O.V.E.-Handschuh (engl. „Glove“, gebildet aus dem Akronym „Generated Low Voltage Output“, ebenfalls engl.) dann zum Einsatz kommen, wenn eine Person „sich aktiv oder passiv widersetzt und ein Beamter sie schnell unter Kontrolle bringen muss, um Verletzungen beider Seiten zu vermeiden“.

Nach der Ankündigung haben die demokratische Senatorin aus Nevada, Catherine Cortez Masto, und 15 weitere Senatoren – 14 Demokraten und ein Unabhängiger –die ICE aufgefordert, von dem Kauf abzusehen.

„Die geplante Anschaffung wirft ernsthafte Zweifel hinsichtlich der Notwendigkeit, der Verhältnismäßigkeit, der medizinischen Sicherheit, der Ausbildung, der Rechenschaftspflicht und der verfassungsmäßigen Rechte auf“, argumentierten die Unterzeichner und betonten, dass „diese Zweifel angesichts der intensiven öffentlichen Kritik am übermäßigen Einsatz von Gewalt durch die ICE von besonderer Bedeutung sind“.

Konkret argumentierten sie: „Der eklatante und tragische Missbrauch von Gewalt in Los Angeles, Chicago, Minneapolis, Houston, Maine und anderen Orten des Landes weckt große Skepsis hinsichtlich der fachlichen Kompetenz der Behörde, ein neues Gerät sicher einzusetzen, das dazu genutzt werden könnte, US-Bürgern ohne Grund Schaden zuzufügen.“

„Wir fordern die ICE auf, den Vertrag zu kündigen und den Kauf zu überdenken“, forderten sie und fügten hinzu: „Sollte die ICE den Kauf dennoch fortsetzen (…), muss der Kongress klare Informationen über die Sicherheit dieses Geräts und die zulässigen Verwendungszwecke erhalten.“

Etwas mehr als eine Woche vor der Ankündigung dieser Anschaffung hatte die Nichtregierungsorganisation Human Rights Watch (HRW) diese Idee bereits kritisiert und erklärt, dass „die ICE weitverbreitete Gewalttaten und Misshandlungen gegen Einwanderer und US-Bürger begangen hat“, darunter „die rechtswidrige Anwendung übermäßiger und tödlicher Gewalt sowie den gefährlichen Einsatz sogenannter ‚weniger tödlicher‘ Waffen aus nächster Nähe“.

Die Nichtregierungsorganisation betonte damals, dass „das Ausmaß des potenziellen Schadens dieser Technologie in den Händen der ICE“ – einer Behörde, die Personen „mit minimaler Ausbildung“ einstellt – „erheblich“ sein könnte, und forderte angesichts der geringen Aufsicht durch den US-Kongress in dieser Angelegenheit eine Untersuchung des Kaufs dieser Handschuhe hinsichtlich ihrer „Risiken“ und ihres „Missbrauchspotenzials“.
HRW erinnerte zudem an dieHandelsbeschränkungen, die die Europäische Union für diese Art von Geräten verhängt hat, die elektrische Stromstöße abgeben, da sie in verschiedenen Teilen der Welt „missbräuchlich“ eingesetzt werden, unter anderem als Mittel zur Folter und anderer Misshandlungen.

Tatsächlich stellte der Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen für Folter im Jahr 2023 fest, dass „Elektroschockwaffen mit direktem Kontakt“ „von Natur aus grausam, unmenschlich oder erniedrigend“ sind, und forderte deren vollständiges Verbot.

Quelle: Agenturen