Illegaler Tierfriedhof in Naturschutzgebiet auf Ibiza

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Im Waldgebiet nahe Sa Caleta auf Ibiza sorgt eine besorgniserregende Entwicklung für Wachstum: Dutzende, möglicherweise sogar Hunderte von improvisierten Gräbern für Hunde und Katzen haben sich dort ausgebreitet.

Was ursprünglich als persönliche Geste zum Abschied geliebter Haustiere gedacht war, hat nun Bedenken über Umweltverschmutzung, unhygienische Verhältnisse und Schäden in einem der ökologisch sensibelsten Naturschutzgebiete der Insel geweckt.

Die inoffiziellen Grabstellen befinden sich innerhalb des Naturparks Ses Salines, einer geschützten Zone von hoher ökologischer Bedeutung. Zwischen Steinen, Sträuchern und Bäumen wurden kleine Gedenkstätten errichtet, geschmückt mit Fotos, Halsbändern, Stofftieren, Plastikblumen und anderen persönlichen Gegenständen. Während diese Orte für Tierbesitzer als Stätten der Erinnerung und des Trostes dienen, entwickelt sich die Situation für Naturschutzbehörden und lokale Bewohner zunehmend zu einem akuten Problem.

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Wie spanische Medien berichten, gibt es bereits Beschwerden über die Ausbreitung dieses im Verborgenen wachsenden Tierfriedhofs. Die Gemeinde Sant Josep soll über die sogenannte Línea Verde Meldungen erhalten haben. Zusätzliche Aufmerksamkeit erhielt das Thema durch Bilder und Berichte in den sozialen Medien, in denen Einwohner Umweltverschmutzung, Bodenrückstände, Insektenbefall und die Brandgefahr durch verlassene Gegenstände anprangerten.

Die Problematik ist komplex: Die verständlichen emotionalen Gründe für das Anlegen solcher Gräber stehen im Konflikt mit rechtlichen und ökologischen Vorgaben. Viele Menschen betrachten ihre Haustiere als Familienmitglieder und möchten ihnen einen würdigen Abschied bereiten. Doch die Bestattung von Tieren ohne behördliche Genehmigung ist in Spanien – ebenso wie in Deutschland – verboten, insbesondere in geschützten Naturgebieten. Solche Regelungen dienen dem Schutz von Boden, Vegetation und Fauna. Der Naturpark Ses Salines besitzt eine enorm hohe ökologische Bedeutung für die Region zwischen Ibiza und Formentera, da er ein wesentlicher Lebensraum für Vögel, Salzwiesen und die Küstenökologie ist. Aus diesem Grund ist die aktuelle Situation dort besonders problematisch.

Ibiza bemüht sich bereits seit Jahren darum, den Druck auf seine natürlichen Ressourcen zu verringern – sei es durch Einschränkungen im Massentourismus, Maßnahmen gegen illegale Bauten oder die Eindämmung von Müllbelastungen. Der Konflikt um die Haustierbestattungen fügt dieser Liste nun ein weiteres dringendes und sensibles Thema hinzu: Die Trauer um Tiere gerät unweigerlich in Konflikt mit den Bemühungen um Naturschutz.

Besonders deutlich wird durch die Diskussion der Mangel an geeigneten Einrichtungen. Bereits in der Vergangenheit wurden Vorschläge für den Bau eines Tierkrematoriums oder eines offiziellen Tierfriedhofs auf Ibiza diskutiert. Eine zugängliche öffentliche Lösung wurde jedoch bislang nicht umgesetzt. Das führt dazu, dass viele Inselbewohner auf alternative, informelle Abschiedsmöglichkeiten zurückgreifen müssen – oft aus Unwissenheit oder mangels Alternativen. Gegenwärtig erfolgt die Tierkremation hauptsächlich über Mallorca, was jedoch für viele Tierbesitzer mit unnötigem Aufwand und hohen Kosten verbunden ist.

Die Dringlichkeit des Problems wirft zentrale Fragen auf: Wer trägt die Verantwortung für die Entfernung der bestehenden Gräber? Warum fehlt einer Insel mit so vielen Einwohnern und Haustieren eine adäquate und bezahlbare Möglichkeit für einen würdevollen Abschied? Ohne solche Lösungen könnten Verbote schnell als unsensible Maßnahmen gegen trauernde Menschen wahrgenommen werden. Lässt man hingegen alles beim Alten, könnte das empfindliche Naturgebiet nach und nach zu einem illegalen Friedhof degradiert werden.

Nun stehen Gemeindevertreter von Sant Josep sowie Entscheidungsträger der Balearen vor einer herausfordernden Aufgabe. Einerseits gilt es, das Naturschutzgebiet zu bewahren und schädliche Überreste aus dem Ökosystem zu entfernen. Andererseits muss eine praktikable Alternative geschaffen werden, die den Bedürfnissen der Bevölkerung gerecht wird. Andernfalls droht das Problem einfach an einen anderen Ort der Insel verlagert zu werden – und der Konflikt bliebe ungelöst.

Quelle: Agenturen